Donnerstag, 26. Juli 2012

Alles Verhandlungssache?

Auf den ersten Blick scheinen BDSMer deutlich entspannter in Beziehungsdingen zu sein als der sprichwörtliche Vanilla: „Fremdspielen“ und „Spielbeziehung“ sind gängige Begriffe. Ob auf Partys oder unter Freunden Subs verliehen werden oder Doms anderer Herren und Ladys Untergebene bespielen dürfen, scheint allenfalls Verhandlungssache zu sein. Ansonsten präsentiert sich die BDSM-Szene als ähnlich vergnügungsorientiert promiskuitiv wie die Swinger- oder Schwulenszene. Doch wie auch dort täuscht der erste Eindruck zuweilen.

Zugleich führt schon dieser erste Blick von außen ins Chaos der Begrifflichkeiten. „Session“, „Spiel“, „Spielbeziehung“ – was ist was, und wie scharf lässt sich das Ganze von einer herkömmlichen Beziehung scheiden? Nur, weil BDSMer in Beziehungsdingen aus schierer Notwendigkeit häufiger dazu neigen, miteinander zu reden, heißt das noch nicht, dass das Thema einfacher ist. So vielfältig wie die Möglichkeiten sind auch die Beweggründe.

Einer der häufigsten Anlässe, Erfüllung außerhalb einer Beziehung zu suchen – und dabei nicht selten der Anfang vom Ende ebendieser – ist das Entdecken der Neigung zu BDSM: Plötzlich ist man sich über ein wesentliches Element seiner Sexualität im Klaren, will es ausleben, und muss feststellen, dass der Partner so gar nichts mit Fesseln und Gefesseltwerden, Hauen und Gehauenwerden oder Beherrschen und Sich-Unterwerfen am Hut hat. Vielleicht macht er oder sie ab und zu mit, aber dann eher um des lieben Friedens willen; aber bitte nicht zu hart oder zu abseitig. Irgendwann kommt dann der Gedanke, diese Aspekte mit jemandem anderen auszuloten. Nun wird es spannend, denn egal ob Spiel- oder Fremdbeziehung, Macht und Vertrauen spielen immer eine große Rolle.

Eine Frage des Vertrauens

Ein Weg ist der, der viele Männer zu Professionellen gehen lässt: Was meine Partnerin nicht weiß, macht sie nicht heiß, also am besten gar nichts sagen. Jenseits des Problems, dass gerade Bottoms eventuell Spuren verstecken oder wegerklären müssen, ist das freilich ein erheblicher Vertrauensbruch. Derartige Heimlichkeit in so elementaren Dingen bringt eine Beziehung an ihre Grenzen schon bevor solche Ausflüge auffliegen, denn sie beeinflusst das alltägliche Miteinander. Ein anderer Weg bricht nicht Vertrauen, sondern setzt es in hohem Maß voraus: Man erfüllt sein BDSM-Verlangen mit anderen, aber mit dem Wissen des Partners. Die Varianten hier sind vielfältig vom „Mach es, damit Du glücklich bist, aber ich will nicht wissen, was Ihr treibt“ bis zu genau geregelten Abkommen, was mit dem oder der anderen erlaubt ist und was nicht.

Die Bandbreite dieser zweiten Variante ist auch in der Szene zu finden, aus unterschiedlichsten Gründen. Sei es, dass der eine Partner in der Beziehung Switcher ist, aber nur eine seiner beiden Seiten mit dem Partner ausleben kann, und so Dom seine Sub-Seite nur mit anderen austesten oder gelegentlich toppende Sub jeden dominieren darf, aber auf keinen Fall den eigenen Dom. Ein weiterer Anlass kann sein, dass trotz vieler Gemeinsamkeiten Spielarten und Praktiken, die einen Partner kicken, für den anderen langweilig oder sogar No-Go sind. Das müssen nicht einmal extreme Sachen sein – nicht jeder Top ist Sadist, nicht jeder Masochist will mit Psychospielchen dominiert werden, nicht jede Sub will eine Klinge auf der Haut spüren.

Die Vielfalt dessen, was der Begriff „BDSM“ umfasst, erfordert den häufigen Austausch nicht nur bei potenziellen Partnern, sondern auch innerhalb einer stabilen Beziehung: Neugier auf Neues, Grenzen erkennen, definieren, austesten und überwinden, eigene Vorlieben mit denen des Gegenübers vergleichen und abstimmen und was der Dinge mehr sind. Hinzu kommt der Charakter der BDSM-Szene als bei aller Uneinheitlichkeit immer noch überschaubare und vom Mainstream getrennte Gruppierung. Unabhängig, ob ihre Mitglieder sich als Elite oder als ins Ghetto gedrängt empfinden, dieser Aspekt fördert den Zusammenhalt und senkt Schwellen unter Gleichgesinnten.

So sind einschlägige Partys für viele Gelegenheit, sich einmal nicht verstecken zu müssen, sich unbelastet auszutauschen, sich inspirieren zu lassen und neue Erfahrungen zu sammeln. Man ist unter sich, teilt Leidenschaft und Vorlieben und ist zudem dank Umgebung und Losgelöstheit vom Alltag offener. Da BDSM nun einmal eine hochgradig sexualisierte Beschäftigung ist, wird gespielt, es finden Szenen und Sessions in unterschiedlichsten Konstellationen statt.

Dies ist – wie eingangs in der Analogie zu Swinger- und Schwulenszene erwähnt – Ausweis szenetypischer Gepflogenheiten und demonstrierten Gemeinschaftsgefühls. Zugleich zeigt es die Schwierigkeit, das Thema zu fassen, betrachtet man die Spielvarianten auf so einer Party als Beispiele. Hier treffen sich Menschen, die in einer wie auch immer gearteten festen Beziehung leben und auch bei solchen Gelegenheiten nur miteinander zugange sind. Andere kommen mit einem Spielpartner, mit dem sie sich eben nur zu solchen Gelegenheiten treffen. Wieder andere kommen mit regulären Partner, spielen aber an diesem Abend mit anderen. Die einen spielen allein mit Ritualen im Auftritt auf der Party, andere legen mit Seil und Gerte heftig Hand an, für andere wiederum gehört vollendeter Geschlechtsverkehr dazu. Alles ist nur ein Spiel? Wo fängt Fremdspielen an? Wo fängt Sex an? Beim Kopfkino während der Session? Beim Anfassen? Beim Austausch von Körperflüssigkeiten?

Sollbruchstelle Eifersucht?

Im Kleinen demonstriert eine Party, dass neben Macht und Vertrauen Eifersucht als dritter Punkt eine Rolle spielt. Jeder der Beteiligten hat die Beziehung in der Hand und muss mit dieser Macht umgehen. Jeder der Beteiligten muss Vertrauen zu den anderen und zugleich das Vertrauen der anderen haben. Und dann muss die Eifersucht im Zaum gehalten werden, auch wenn sie nicht immer unberechtigt ist. Gerade beim BDSMigen Spiel macht Gelegenheit nicht nur Hiebe, sondern gelegentlich Liebe. Vertrauen und Eifersucht sind auch an anderer Stelle von Bedeutung: Aufgrund der doch recht individuellen Vorlieben und der Schwierigkeit, genau passende Partner zu finden, sind BDSM-Beziehungen relativ häufig Fernbeziehungen. Lange Durststrecken zwischen den kurzen gemeinsamen Momenten verführen mitunter dazu, sich gelegentlich anderweitig zu betätigen - was auch im gegenseitigen Einverständnis problematisch werden kann.

Nicht allein deswegen, weil gemeinsam festgelegte Grenzen einseitig überschritten werden, dass ein Partner ständig und vielfältig mit anderen spielt, während der andere mangels Zeit. Lust und Gelegenheit zurücksteckt, aber dann doch eifersüchtig wird, oder sich schließlich Liebe jenseits der Beziehung entwickelt. Vor allem auch, weil selbst eine „just for fun“ veranstaltete Session sehr intensiv und emotional werden kann. Die Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Lust und Schmerz, die anschließende Nähe beim – durchaus gegenseitigen – Auffangen erzeugen im Zweifelsfall eine größere Intimität als ein unverbindlicher One-Night-Stand.

Noch intimer wird es, wenn ein Paar seine Beziehung um gemeinsame Spielpartner erweitert, denn nun holt es mit dem Objekt der Begierde den potenziellen Trennungsgrund in die eigene Schutzzone. Was als Ausleben spannender Fantasien und über die Beziehungsgrenzen hinausreichender Träume beginnt, kann so eine Beziehung wesentlich schneller und tiefgreifender erschüttern als das gelegentliche Spielen etwa auf einer Party. Polyamorie ist in der Theorie ein so elegantes wie rationales Konzept, in der Praxis jedoch in den seltensten Fällen realistisch. Dies nicht zuletzt, weil alle Beteiligten ihre Zeit und ihre Gefühle auf mehr Häupter verteilen müssen und das jeder Beziehung immanente Konfliktpotenzial ebenso mit der Teilnehmerzahl wächst.

Chancen wahrnehmen

Sind also Spielbeziehungen und selbst vereinzelte Sessions mit anderen als dem gegenwärtigen Lebensabschnittsgefährten viel zu riskant, als dass man sie wagen sollte? Angesichts der möglichen Stolpersteine drängt sich dieser Eindruck auf. Doch es zeigt sich an vielen realen Beispielen, dass Fremdspielen und Spielbeziehungen sehr wohl mit einer Beziehung zusammengehen und dauerhaft funktionieren. Das klappt allerdings nur, wenn die Begleitumstände passen. Kommunikation, Respekt und Vertrauen sind die Grundsteine einer solchen Konstellation. Und sie wollen mehr als in einer traditionellen Non-BDSM-Beziehung aufgebaut und gepflegt werden.

Der Vorteil, den BDSMer dabei haben: Sie neigen in der Regel eher als der Durchschnitt dazu, neue Erfahrungen zu suchen und starke und unvorhersehbare Reize auszukosten. Dieser Hunger auf Neues trägt dazu bei, sich leichter auf mehr Partner, mehr Spielarten und mehr Zusatzelemente bei Session und Sex einzulassen. Zugleich sind diese Charakterzüge durchaus typisch für Menschen, die sich ihrer Liebe und der Liebe anderer sicher sind. Von dieser Basis aus lässt sich leichter etwas wagen, als wenn man ständig über die Schulter blickt, um zu prüfen, was der andere Part der Partnerschaft gerade tut oder denkt. Ob eine Spielbeziehung ein Prüfstein oder eine Bereicherung ist, hängt davon ab, ob man sich der Risiken bewusst ist und bereit ist, sich ihnen zu stellen.

Hinweis: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Alles Verhandlungssache? Fremdspielen, Spielbeziehungen und die Liebe“ in der Ausgabe Juli 2012 des Online-Magazins „Macht-Spiele“

Sonntag, 22. Juli 2012

Arbeit, Müßiggang und Laster

Schöne Farbe, schönes Seil: Shibari mit Hanf in Grün

Klassisch inspiriertes Motiv und viele anregende Details

Wieder daheim, wieder mal einen guten Teil des Wochenendes auf der Autobahn verbracht – aber das war es wert, denn ansonsten waren es unterhaltsame Tage. Das Arbeitstreffen beschränkte sich hinsichtlich der Arbeit auf das Nötigste. Stattdessen stand das reale Kennenlernen bislang nur virtuell Bekannter im Vordergrund, beim Essen und Trinken ebenso wie beim Erkunden der architektonischen, historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten unter sachkundiger Führung. Bei allem Blödeln von den Klischees aus der und über die BDSM-Szene bis hin zur Kuchenflut zugunsten des Herausgebers, die sich zum running gag entwickelte: Die Unterhaltungen zeigten nicht nur gemeinsame Interessen und Ansichten, sondern boten auch wieder einmal ungewohnte Perspektiven auf die Vielfalt der Szene und ihrer Randbereiche und der damit verbundenen Lebensentwürfe.

Wie die Bilder demonstrieren, ergab sich nebenbei Gelegenheit, die Gastgeberin mit ihrem eigenen, eminent anwender- und begünstigtenfreundlichen grünem Hanfseil in unterschiedlichen Variationen einzuwickeln. Dabei blieb es nicht; es kamen auch andere Requisiten für nostalgisch inspirierte Bilder zum Einsatz. Und trotz anfänglicher Bedenken wagten zudem einige andere Anwesende die ersten Schritte in die Seile.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Unfug in der Schmerzenskammer

Ja doch, ich hab’s auch schon gehört, da gibt es jetzt so ein Buch, oder eigentlich mehrere Bücher, die so echt BDSM zum Thema machen und eine tolle Liebesgeschichte erzählen und die Perversion zu Kunst machen und massentauglich und überhaupt … Dabei zeigt „Fifty Shades of Grey“ (deutsch: „Geheimes Verlangen“) nur, dass Qualität kein Erfolgskriterium ist; die Herkunft aus der Twilight-Fanfic-Ecke sollte eigentlich Warnung genug sein. Aber bekanntlich ist ja nichts so unnütz, dass es nicht als schlechtes Beispiel dienen könnte. Deshalb zur Einstimmung, was einen Leser (oder eher eine Leserin) erwartet, das Video von Gilbert Gottfrieds Lesung und ein Best-of anderer Videoparodien. Laura Antoniou trifft in „50 Shades of Sell Out“ den Ton der Vorlage aufs Trefflichste, während Psychologin Pamela Stephenson Connolly darlegt, dass die von Autorin E. L. James erdachte Geschichte BDSMer und Bondage in ein schlechtes Licht rückt.

Dass Fifty Shades of Grey eher die Geschichte eines Missbrauchs als die einer SSC-Beziehung ist, ist auch die Ansicht von Bettina „Twister“ Hammer, die in „Kabelbinder, wahre Liebe und purpurbehelmte Liebeskrieger“ und der Fortsetzung „Kabelbinder, Peitschen und Analstöpsel. Der Missbrauch hat mich gerettet …“ das Phänomen um die Serie und en passant das Problem des erotischen und/oder pornografischen Schreibens thematisiert. Kathrin Passig hat im „Focus“ (bewusst kein Zitat) Stil und Story ebenfalls nachdrücklich zerlegt.

Wer schon am Boden liegt, den soll man nicht mehr treten – aber Katrina Lumsden macht das großartig mit vielen schönen animierten GIFs, die den Tenor ihrer Rezension verdeutlichen, und als Bonus einem Word Count von E. L. James’ Lieblingsfloskeln. Großes Kino, Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Reif für die Insel

Der Kesseldruck steigt, und ab und zu löst auch schon das Sicherheitsventil aus. Wird Zeit für etwas Freizeit. Die habe ich voraussichtlich am Wochenende, wenn es ostwärts zu einer interessanten Mischung aus Kultur und Kokolores samt Einwickeln und Ablichten der einen oder anderen Begünstigten geht. Das dranhängende Projekt ist allen Stolpersteinen zum Trotz auf der Zielgeraden, so dass das Treffen entspannt ausfallen dürfte. Und der Urlaub mit der Herzdame rückt langsam ebenfalls in Reichweite. Selbige hat schon eine Insel ausgesucht, wo ich mir den Kopf vom Seewind freipusten lassen kann. Drohung oder Verheißung: Das Ziel soll in Sachen Internet und Mobilfunk eher unterversorgt sein. Bleibt mir also nichts anderes übrig, als Watt und Dünen zu erkunden, zu probieren, was das Meer an Essbarem hergibt, und mich ansonsten ausführlichst der Dame zu widmen.

Dienstag, 10. Juli 2012

Befindlichkeiten

Eigene und fremde. Kunden und persönliches Umfeld. Genug zu tun an allen Fronten, und Murphy sei Dank springt bei dem einen oder anderen Projekt kurz vor dem Ziel ein Teufel aus der Schachtel und dreht einem eine lange Nase. Auf der positiven Seite: Für einen gemeinsamen Urlaub mit der Herzdame stehen die Signale bislang auf Grün, und davor, danach und dazwischen haben sich einige Gelegenheiten zu interessanten Begegnungen angebahnt. Zeitlich am nächsten liegt ein Arbeitstreffen mit Sightseeing und willigen Begünstigten für angewandte Seilkunde im Rahmenprogramm, gefolgt von einer Begegnung mit alten Bekannten. Und dann ist da noch eine Interessentin an Bildern, die sich meinem Hauptbetätigungsfeld von der anderen Seite nähert.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Kleines Jubiläum

Heute vor fünf Jahren habe ich den ersten Post in diesem Blog abgesetzt. Gut, es war eine Baustellenmeldung, und der Regelbetrieb hat erst ein paar Tage später begonnen. Dennoch ist ein kleiner Geburtstagskuchen angebracht, wobei ich mir die Kerzen für eine Begünstigte meiner Wahl aufhebe.

Auch wenn ich nicht so oft zum Bloggen gekommen bin, wie ich eigentlich wollte, habe ich in den vergangenen fünf Jahren an dieser Stelle doch das eine andere Thema rund um BDSM und Bondage abhandeln können – nicht nur zu meinem Privatvergnügen, sondern auch zur Aufklärung und Erheiterung einiger Leser. Obwohl die Zahl derer, die sich zu kommentieren trauen, überschaubar ist: Die Statistiken belegen ein gewisses Interesse an dem, was ich schreibe. An dieser Stelle Danke an treue Fans ebenso wie an gelegentliche Leser – ich hoffe, ich bin nicht langweilig. *kappelüpf* + *verbeug*

Die halbrunde Zahl lädt zum Rückblick ein. Ich beschränke mich in dieser Hinsicht auf die aktuellen Top Ten. Im Vergleich zu den All Time Greats vom Februar 2011 hat sich die Hitliste ein wenig verändert:

  1. Richtig gewickelt
    Immer noch der Spitzenreiter dank entsprechender Backlinks.
  2. Bondage über Nacht
    Schon damals Platz 2, da häufig nachgefragte Fantasie mit Kopfkino-Bonus.
  3. Unbewusst
    Der erste Aufsteiger von Platz 5 auf Platz 3. Been there, done that?
  4. Werbung mit Damsel in Distress
    Der erste Neueinsteiger, obwohl schon älter – da zählen wohl die Schauwerte.
  5. Chinesische Lösung
    Ein kleiner Exkurs vom Hauptthema, Neuzugang nach der letzten Erhebung.
  6. Seiltausch und geistige Genüsse
    Die Verbindung mehrerer Laster.
  7. Alle Hände voll zu tun
    Die damalige Nummer 9 ist aufgestiegen – und ich wundere mich immer noch über den Erfolg dieser kleinen Statusmeldung gegenüber deren Fortsetzung.
  8. Koch- und Knotenstudio
    Die Nummer 4 vom letzten Mal ist etwas abgerutscht.
  9. Kundenbindung
    Noch so ein Minipost, der überraschend viele Fans hat.
  10. Kleine Auszeit: Boundcon 2011
    Hier triggern wohl die richtigen Keywords das Interesse an einem recht unspektakulären Blogpost.

Ich mache jedenfalls weiter; mal sehen, ob ich es bis zum nächsten Meilenstein schaffe und dann noch an dieser Stelle zu finden bin.

Dienstag, 19. Juni 2012

Wegezoll, Schutzgeld, Leistungsschutzrecht

Kaum denke ich, ich kann mich zumindest an dieser Stelle Seilen, Bildern, Begünstigten und anderen Annehmlichkeiten des Lebens widmen, muss ich schon wieder die Kettensäge herauskramen, um mich gegen etwas zu wehren, was die Axt an die Wurzeln des Netzes legt: Das seit längerem angedrohte Leistungsschutzrecht steht kurz davor, Gesetz zu werden.

Mit diesem meinem Blog bin ich Urheber und habe als solcher auch schon eine gewisse Menge an Texten zu einem nicht nur für mich spannenden und anregendem Thema verfasst, häufig mit aktuellem Bezug. Glaubt man dessen Befürwortern, würde ich vom Leistungsschutzrecht profitieren und mit seiner Hilfe sogar Geld verdienen können, weil ja unter gewissen Umständen Leute, die meine Beiträge verlinken wollen, dafür zuvor bei mir eine Lizenz erwerben müssten. Aber sicher doch.

Gut, im Gegenzug muss ich dann natürlich auch zahlen, wenn ich selbst Links setze und das Blog hier irgendwie als „gewerblich“ definierbar wäre. Also, ich finde das LSR (na bitte, klingt als Abkürzung doch gleich viel kuscheliger) toll. So richtig. Deshalb mache ich etwas, was nach dem neuen Gesetz künftig verboten oder lizenzpflichtig wäre, würde es sich beim Folgenden um Angebote von „Presseverlegern“ handeln: Ich verlinke interessante Texte und zitiere dabei deren Überschriften – nein, keine Presse- sondern eine Webschau.

Zunächst einmal ein paar Experten zu den neuen Regelungen und den zu erwartenden Folgen:

Ich habe gerade mit der deutschsprachigen Wikipedia und ihren Relevanztrollen und digitalen Schrebergärtnern meine Probleme, dennoch sind die Pressemitteilung „Wikipedia demnächst ohne Weblinks? Wikimedia Deutschland sieht Gefahr durch neues Leistungsschutzrecht“ von Wikimedia Deutschland und dazu Jan Engelmanns Blogpost Wikipedia bequellen: nur mit Leistungsschutzgeld lesens- und bedenkenswert. Claudia Klinger ist nicht die einzige, die das Vorhaben für eine „breitflächige Einschränkung der Kommunikation“ hält: Leistungschutzrecht: die Kollateralschäden – Rechtsunsicherheit auch unter Bloggern. Stefan Niggemeiers Rant Geht sterben (10) kann ich weitenteils zustimmen, auch wenn ich seine Ansage „Das Leistungsschutzrecht: Selten war es so tot wie heute“ etwas optimistisch finde.

Was nun? Es zum Beispiel so machen wie Thomas Knüwer: Der Wahnsinn Leistungsschutzrecht – und warum ich nicht mehr auf Verlage verlinke. Thomas Wiegold verzichtet in Erwartung des Leistungsschutzrechtes schon seit längerer Zeit auf das Zitieren und Verlinken deutscher Medien und erklärt genau, was er tut und was nicht: Mit Leistungsschutzrecht: Kein Wehrbeauftragter, kein General.

Andere lassen sich nach der LSR-Lektüre eher von der Evil Overlord List inspirieren. So sinniert Don Alphonso kurz und knackig darüber, was er an Googles Stelle tun würde, während Mario Sixtus die Regeln zu seinem Vorteil auslegt: Wie man sich mit dem Leistungsschutzrecht eine Google-Melkmaschine baut .

Die Zukunft ist in diesem Fall nicht ungleichmäßig verteilt, sondern ziemlich unscharf. Unter dem Titel „Recht mäßig. Wie weiter mit dem Leistungsschutzrecht?“ malt Alexander Svensson sich vier mehr oder minder wahrscheinliche Szenarien aus. Jens Scholz sieht einen Lichtstreif am Horizont – Vier Gründe, warum Blogger das Leistungsschutzrecht nicht fürchten sollten – und tendiert damit in die gleiche Richtung wie Ralf Schwartz in seinem bei weitem nicht nur ironisch betiteltem Aufruf Ich breche eine Lanze für dieses Leistungsschutzrecht. In der Zwischenzeit darf man sich bei an Konstantin Kleins Vorsätzen orientieren.

Tools wie de-LSG oder der D64 LSR-Stopper sind dagegen ein Herumdoktern an Symptomen. Lieber gleich verzichten, statt sich damit abzugeben – es gibt genug Alternativen. Habedieehre.