Sonntag, 26. Februar 2012

Ich bin alt …

… oder zumindest nicht mehr in Kansas. Wenn ich mir die Kommentare zu diesem Bild ansehe, frage ich mich, wie es mit dem Wissen um die übrigen Klassiker bestellt ist. Dabei ist dieses Motiv ja noch dicht an der Bildsprache der kanonischen Verfilmung. Immerhin war ja auch schon eine modernisierte Fassung angedacht, mit einer wohlverschnürten Dorothy im Korsett und mit Augenbinde (Detailliertes Bild erreichbar über diesen Artikel). Leider blieb es bei den Figuren, der in diese Richtung gehende Film bleibt wohl eine interessante Idee.

Schritt für Schritt

Nach längerem Aufenthalt ist die Herzdame wieder entschwunden. Natürlich war die Zeit zusammen wieder zu kurz, zumal Arbeit, Alltag und die eine oder andere unangenehme Überraschung ihren Tribut forderten. Knotenknüpfen und Bildermachen traten notgedrungen etwas in den Hintergrund. Doch in den vergangenen zwei Wochen hat sich einiges bewegt, und das Ende der Fernbeziehung ist langsam absehbar. Die Wohnung ist ein gutes Stück wohnlicher geworden, die Küche hat sich nach der ersten Bewährungsprobe auch dem jählings aufflammenden und von außen befeuerten Backwahn gewachsen gezeigt, und bei der Lebensplanung sind wenn nicht ein paar Weichen, so doch zumindest die Vorsignale gestellt worden. Der Winter verabschiedet sich langsam, nicht nur draußen. Zeit, die Seilvorräte aufzuarbeiten.

Freitag, 10. Februar 2012

Schönheitsideale

Ich bekomme ja ab und an zu hören, dass ich meine Fotos zu sparsam retuschiere. Dabei schwingt unterschwellig mit, wie makellos und perfekt heute die Vorbilder aus Film, Fernsehen und Modewelt aussehen, an denen die Abgebildeten sich messen – und dabei vergessen, dass selbst Stars und Stilikonen ohne massive digitale Nachhilfe nicht so aussehen, wie sie präsentiert werden. Über Work that Matters bin ich auf Anna Utopia Giordano gestoßen, die in „Venus“ Venus-Darstellungen aus mehreren Jahrhunderten an aktuelle Schönheitsideale angepasst hat. Die direkte Gegenüberstellung von Original und Bearbeitung zeigt, wie stark Photoshop unser Bild der Realität mittlerweile beeinflusst: Da werden mit ein paar Mausbewegungen Pfunde abgeschmolzen, Taillen eingezogen, Oberschenkel gestrafft, Brüste aufgepumpt, der BMI in Richtung Anorexie verschoben und das Ganze dann als authentisch verkauft. Jesse Rosten hat dieses Phänomen vor kurzem mit seiner Kosmetik-Spot-Parodie Fotoshop by Adobé aufgespießt. Auch das Honest Cosmo Cover passt da ins Bild der medial gestützten Realitätsverzerrung.

Samstag, 4. Februar 2012

Gute Tops benutzen Krokodilklemmen,

großartige Tops benutzen echte Krokodile zum Brustwarzenzwicken. Diesen und andere Tipps gibt es bei BDSM Bad Advice. Dessen Macher setzen sich damit auseinander, dass manche BDSMer viel zu selten zum Lachen in den Keller gehen. Interne Befindlichkeiten wie die politcal correctness der falschen Uniformen sind ein Thema, und natürlich kriegt auch die alte Garde ihr Fett weg.

*kappelüpf* in Richtung BondageTop

Mittwoch, 1. Februar 2012

Niemand hat die Absicht …

Heute muss ich schon wieder an den 15. Juni 1961 denken, statt mich erfreulicheren Dingen zu widmen. Gerade erst habe ich mein Unbehagen über die neuesten Änderungen bei Google ausgedrückt, da kommt die nächste beunruhigende Nachricht: Nach Twitter will auch Blogger seine Inhalte (präziser: die von Blog-Autoren aus aller Welt dort eingestellten Inhalte) abhängig von der Herkunft des Besuchers ausliefern. Dazu werden Besucher auf eine blogspot-Domain umgeleitet, die der Top Level Domain ihres anhand der IP-Adresse ermittelten Standortes entspricht (deutschsprachige Meldung dazu) – mit dem Effekt, dass manche Blogs in manchen Ländern nicht mehr gelesen werden können. Free speech zones, anyone? Diese neue, inzwischen durch den Support bestätigte Politik wird mit an Neusprech gemahnenden Formulierungen erklärt:

„Migrating to localized domains will allow us to continue promoting free expression and responsible publishing while providing greater flexibility in complying with valid removal requests pursuant to local law. By utilizing ccTLDs, content removals can be managed on a per country basis, which will limit their impact to the smallest number of readers. Content removed due to a specific country’s law will only be removed from the relevant ccTLD.“

Dieses „content removals can be managed on a per country basis“ erweckt wie bei den Erklärungen von Twitter zu dessen neu eingeführten Blockierungsregeln den Eindruck, dies sei die Reduzierung von Beschränkungen auf ein Minimalmaß. Aber schon Twitters Argumente sind recht dünn: Die Begründung lautet, die länderbezogene Sperre von Tweets sei besser als die weltweite Sperrung. Dabei fällt unter den Tisch, dass Twitter vor der Einführung der länderspezifischen Zensur gerade keine Tweets gesperrt hat, weil es eben ein globaler Eingriff gewesen wäre.

Immerhin erlaubt Blogger dann noch den Zugriff auf ein gesperrtes Blog durch das Hinzufügen von „/ncr“ hinter der Blogadresse, wenn man denn weiß, dass das Blog existiert – auch hier gilt die Einschränkung „noch“. In Anlehnung an Julius Enderts Rant Facebooks Anmaßung und Googles Zumutung„Wir werden uns die Drangsalierung solange gefallen lassen, solange der Gesamtnutzen durch Google und Facebook (jeweils) größer ist als das Gesamtärgernis.“ – werde ich versuchen, hier solange wie möglich die Stellung zu halten. Dennoch drängen sich die Fragen in den Vordergrund. Wie geht es weiter? Hat jemand Ideen?

Sonntag, 29. Januar 2012

Google, Datenkraken und die Fortsetzung der Nymwars

Als ich vor etwa viereinhalb Jahren beschloss, ein Blog zu starten, habe ich mich bewusst für das Angebot von Blogger entschieden. Ausschlaggebend war neben der schnellen Einrichtung, den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten und der hohen Flexibilität vor allem die Möglichkeit, anonym, bzw. genauer unter meinem in einschlägigen Kreisen durchaus bekannten Nick, zu schreiben. So konnte ich einerseits Bekannte aus der Szene und an BDSM und Bondage Interessierte erreichen und musste mich andererseits nicht dem Rest der Welt gegenüber outen. Denn auch in der heutigen Zeit können Vorlieben wie meine im beruflichen und privaten Umfeld erhebliche Probleme mit sich bringen, nicht nur für mich selbst, sondern auch für Leute, mit denen ich nähere Kontakte pflege.

Schon damals gehörte Blogger zu Google, was sich im Alltag, etwa in Sachen Stabilität und Performance, eher positiv ausdrückte. Nun hat aber Google neue Nutzungs- und Datenschutzbedingungen verkündet. Auch wenn die altehrwürdige Maxime „Don’t Be Evil“ schon länger mehr Marketing als gelebte Haltung war, geht Google nun einen Weg, der eine Grundlage dieses Blogs gefährdet.

Dabei geht es mir weniger um die Vereinigung der genutzten Dienste. Die grundsätzlichen Probleme einer derartigen Zusammenführung von Daten berühren mich in diesem Zusammenhang nur am Rande, denn ich trenne meine Jester-Persona auch technisch etwa durch unterschiedliche Plattformen und Browser von meinem sonstigen Online-Leben. Das eigentliche Problem ergibt sich aus der parallel eingeführten Pflicht zum Google+-Account, so sie denn auch für den Dienst Blogger kommt. Denn Google+ verfolgt eine rigorose Klarnamenspolitik, und entgegen anderslautender Behauptungen ist auch mit den kürzlich erfolgten Anpassungen vorläufig keine pseudonyme oder anonyme Nutzung von Google+ möglich. Zwar sind „Pseudonyme“ nun prinzipiell zulässig, aber nur, wenn Google nach Gutsherrenart entscheidet, dass das Pseudonym bekannt genug ist, um anerkannt zu werden – wenn man nicht gerade Madonna ist, ist das schon eine hohe Hürde.

Weitaus schwerwiegender: Selbst ein genehmigtes „Pseudonym“ bei Google+ ist keines, sondern allenfalls ein Spitzname oder Nickname, denn der Klarname wird immer mit angezeigt. Ich habe schon vor einiger Zeit in einem längeren Überblicksartikel Quellen zusammengestellt, warum Anonymität und Pseudonymität unverzichtbar im Internet sind. Violet Blue hat in ihrer Funktion als Tech-Bloggerin für ZDnet bei Google nachgehakt, was das Marketing-Sprech zum Thema Pseudonymität denn nun bedeutet – und ist nicht erfreut:

„Pseudonyms are used by normal people that require a self-defined level of separated anonymity to maintain the sanctity and safety of their everyday lives.

Any reasons behind emphasizing verifiable and real identity aside, it remains to be seen that Google is not willing to embrace the fundamental principles of pseudonyms.

I think that Google is simply attempting to redefine ’pseudonym‘ without the protections a functional pseudonym affords with all that pesky anonymity.

(…)

Pseudonyms used by everyday people are a cornerstone of Internet culture – in many cases, they are key to what makes Internet culture possible and great.

Google+ will only ever be as great as it allows the Internet to be itself inside Google’s walled garden.

Dear Google: you have an interesting problem. But in case you haven’t noticed, you’re kind of starting to scare people.

Auch im deutschsprachigen Raum sind Netizens alles andere als begeistert über diese Entwicklung und denken über Exit-Strategien nach, wozu auch Datenschützer raten. Im Zweifelsfall gibt es immer Alternativen, und nicht zuletzt eigene Erfahrungen an anderer Stelle haben mir gezeigt, dass man nicht zu viel Vertrauen in einen Anbieter setzen sollte, zumal die Geschichte dazu neigt, sich zu wiederholen.

Derzeit sieht es noch so aus als ob Blogger-/Blogspot-Nutzer sich nicht mit Google+ zwangsbeglücken lassen müssen – noch, denn so etwas kann sich ja schnell ändern. Und dann kann es passieren, dass ich meine Zelte hier abbrechen und an anderer Stelle neu anfangen muss. Auch wenn das bedeutet, hier verbrannte Erde zu hinterlassen, weil Leute, die alten Links auf meine Texte folgen, dann ins Leere laufen. Es bleibt spannend.

Freitag, 20. Januar 2012

Glodernde Lut

Beim Blick in die Blogstatistik ist mir aufgefallen, dass ich seit einigen Tagen erheblichen Traffic aus einem Mainstream-Forum erhalte. Dort halten im Thread BDSM krank? (Pst! Antwort: Nein.) zwei, drei Trolle mit typischen Taktiken die Luft am Brennen. Das reicht von der Gleichsetzung von BDSMern mit Pädophilen, Kannibalen und Mördern über den Rückgriff auf das Milgram-Experiment bis hin zu Godwin’schen Perlen wie

„Schließlich sind Sadismus und Masochismus die treibende Kraft, welche sowohl BDSM, als auch das dritte Reich erst möglich macht, bzw. möglich machte.“

Kurze Ansage an die Problembären: Ja, wir sind pervers. Manche mehr, manche weniger. Und wir haben Spaß dabei. Get over it. Und damit sich kein Neugieriger ins Bockshorn jagen lässt: Alt, aber immer noch wahr – wir sind harmloser, als es manchmal aussieht.