Sonntag, 19. September 2010

Arr!

The same procedure as last year? The same procedure as every year! Es ist wieder einmal Piratentag. Die Hausaufgabe heute:

Üben – wird abgefragt, und wer sie nicht beherrscht, hat sich damit freiwillig als Demonstrationsobjekt gemeldet. Arr!

Samstag, 18. September 2010

Jahrestage

Mit fortschreitendem Lebensalter wächst die Zahl der individuellen Jahrestage, im Guten wie im Schlechten. Nicht alle sind mit schönen Anlässen verbunden, und auch bei den angenehmen sind die Erinnerungen zuweilen bittersüß. Gerade bin ich ohnehin etwas neben der Spur, da ist so ein Datum nicht unbedingt der Stimmung förderlich. Erschütterungen am Wegesrand, im Rückspiegel doch näher, als sie manchmal scheinen. Wer Bescheid weiß: Ja das ist ein indirekter Jahrestag, das präzise Datum ist ein anderes, die Situation jedoch ähnlich.

Montag, 6. September 2010

Kaum ein Unterschied

Heute bin ich auf Ewelin Wawrzyniaks Diplomarbeit „Ist das Persönlichkeitskonstrukt ‚Experience Seeking‘ bei Sadomasochisten stärker ausgeprägt als bei Nicht-Sadomasochisten?“ gestoßen. Wawrzyniak, die im Übrigen auch aus gegebenem Anlass die gängigen BDSM-Klischees der Massenmedien nachhaltig abgewatscht hat, hat mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens untersucht, ob es in Sachen Offenheit für Erfahrungen signifikante Unterschiede zwischen Vanillas und BDSMern gibt, solange sich letzere im SSC-/RACK-Rahmen bewegen. Demnach sind „wir“ – angesichts der Vielfalt der Szene scheinen mir die Anführungszeichen angebracht – recht normal.

In Kürze, sofern ich das richtig gelesen habe: Sadisten sind der Arbeit zufolge beim Experience-Seeking relativ dicht am Vanilla-Level, Switcher und Masochisten dagegen suchen häufiger und/oder stärkere Erfahrungen. Zudem neigen Switcher signifikant häufiger zu einem ängstlich-ambivalenten Bindungsstil. Wie erwartet, haben Menschen, die stärker nach Erfahrungen hungern, eine höhere Zahl an Sexualpartnern und testen mehr Praktiken und Zusatzelemente beim Sex aus – starke, unvorhersehbare und neuartige Reize sind ja konstitutive Merkmale von BDSM-Spielen und -Sessions. Und die damit einher gehende Reduktion der Selbstaufmerksamkeit passt ja zum Loslassen und Fliegen, das für viele Anhänger den Reiz des Ganzen ausmacht.

Allerdings lautet eine weitere Erkenntnis:

„Personen, die sich sehr sicher sind, was Liebe ist, weisen mehr sexuelle Zusatzelemente auf als die liebesunsicheren Personen, jedoch weniger als die mittelmäßig liebessicheren Personen.“
Insgesamt scheinen der Auswertung zufolge BDSMer etwas extrovertierter zu sein als Vanillas. Der Neurotizismus ist bei Sadisten ebenso wie die Verträglichkeit am niedrigsten unter den drei betrachteten BDSMer-Typen, während Vanillas das andere Extrem bilden. In Sachen Gewissenhaftigkeit nimmt sich dagegen keine der Gruppen etwas.

Hinsichtlich der Extraversion konstatiert Wawrzyniak einen gewissen selbstverstärkenden Effekt bei Personen, die in der Szene aktiv sind, also auch ihr inneres Outing hinter sich gebracht haben und auf Gleichgesinnte und Gleichgestimmte treffen. Dass dabei die Sadisten am stärksten vom Vanilla-Level abweichen, führt sie auf deren Rolle im sadomasochistischen Kontext zurück – diese müssen energisch auftreten und die Führungsrolle im Spiel ausfüllen.

Niedriger Neurotizismus-Wert und sadistische Rolle sind für die Autorin eng verknüpft: Die hohe Verantwortung innerhalb einer Session erfordert eine starke Kontrolle der eigenen Gefühle, zugleich lässt sich aus der Kontrolle sowohl der eigenen Gefühle wie der Gefühle des Gegenübers Genuss ziehen. Die Kehrseite der Medaille ist der niedrigste Verträglichkeitswert bei Sadisten, Anzeichen für einen im Vergleich zum Durchschnitt kühleren, egozentrischeren, misstrauischeren und wettbewerbsorientierteren Charakter. Switcher befinden sich hinsichtlich dieser Aspekte halbwegs zwischen Sadisten einerseits und Masochisten und Vanillas andererseits.

Sonntag, 5. September 2010

Ideen, Ideen …

Diskussionen on- und offline führten zu ein paar zusätzlichen Bildideen: Interessant wäre ein Set im Star-Trek-Look, zumal sowohl die Herzdame als auch die assoziierte Flugschülerin über entsprechende Kleidung verfügen; und wenn wir nicht die Brücke der Enterprise kriegen, wird es eben eine Außenmission. Beruhigend dabei: Keine der Damen hat eine rote Uniform. Ebenfalls auf der Wunschliste sind ein paar Fotos im Western-Umfeld, und dann hat die Herzdame ja noch ein neues Mittelalterkleid, genau richtig, um als Jungfer von einer Not in die Nächste zu geraten. Eine Burg ist vorhanden, der passende Drache oder Raubritter wird sich finden.

Party mit Hindernissen

Gestern habe ich mich trotz arbeitsbedingter Müdigkeit zum Partybesuch aufgerafft. Die Herzdame konnte sich leider nicht freimachen, doch eine andere Begünstigte wollte sich das bunte Treiben einmal ansehen und wünschte sich dazu meinen Beistand – auch wegen erheblicher Sehnsucht nach Seilen. Die Zeichen standen also auf einen unterhaltsamen Abend. Doch erstens kommt es anders …

Natürlich musste sich Mr. Murphy wieder lebhaft in Erinnerung bringen: Auf dem Weg vom Parkplatz zum Ort des Geschehens wurde der Dame die Kombination aus hochhackigen Schuhen, grobem Kopfsteinpflaster und starkem Gefälle zum Verhängnis. Sie legte eine unsanfte Landung hin, zumal ich das Gelände aus männlicher Perspektive wohl etwas unterschätzt und meine Begleiterin nicht fest genug an die Hand genommen hatte. Dabei litt nicht nur ein Schuh, sondern vor allem der Fuß der Dame. Deshalb wickelten wir zum Auftakt nicht mit Seilen los, sondern erst einmal mit einer Fixierbinde aus dem Auto-Verbandskasten. Das Team hinter der Bar und der Chef des Lokals kümmerten sich mit und organisierten ein paar Coldpacks, um den Schmerz im Knöchel zu stillen.

Den größten Teil der Veranstaltung verbrachten wir dann auf einem Sofa am Rand der Tanzfläche, kontinuierlich den kaputten Knöchel kühlend und das mitgebrachte Seil nur vorsichtig einsetzend. Immerhin gab es einiges zu sehen, die Musik war gut, und die Dame nahm es mit Humor. Sie meinte, dass wir sicher irgendwann einmal ein Treffen schaffen würden, bei dem wir beide gesund wären – bislang war ja immer mindestens einer von uns beiden gesundheitlich gehandicapt, wenn es ans Knotenknüpfen ging. Die gute Nachricht am Tag danach: So wie es aussieht, ist der Knöchel nur geschwollen, keine Bänder kaputt oder andere langwierige Folgen.

Update 10.09.2010: Zu früh gefreut – die Bänder sind doch angerissen, sechs Wochen Ruhepause nötig. Mist.

Montag, 30. August 2010

Inneres Outing

Einige Diskussionen in den vergangenen Wochen haben mich dazu bewogen, endlich ein Thema aufzugreifen, das ich schon länger auf meiner Liste habe: Das innere Outing, die Erkenntnis, dass man in sexuellen Dingen anders tickt als die (meisten) anderen um einen herum, und das Eingestehen dieses Andersseins sich selbst gegenüber.

Ich selbst habe, obwohl in vielen anderen Dingen eher unsicher, ironischerweise dieses innere Outing nicht bewusst durchgemacht. Seit ich zurückdenken kann, habe ich gewusst, dass ich anders bin. Und schon als Kind habe ich gemerkt, dass es nicht unbedingt opportun ist, die eigenen Neigungen zu Seilen öffentlich zu machen. Jedoch habe ich wegen meiner Vorlieben nie jene Schuldgefühle gehabt, die so viele Gleichgesinnte plagen. Krank? Ich doch nicht. Selbstzweifel? Nö – jedenfalls nicht in dieser Hinsicht.

Von Vorteil war hier vermutlich, dass ich in Sachen Bondage und dann auch BDSM kein Spätberufener war, selbst wenn mir damals die Begrifflichkeiten unbekannt waren. Kink & Co. als Kick waren schon vor dem eigentlichen Erwachen meiner Sexualität in mir verwurzelt. Als das Thema relevant wurde, schien mir eine Vanilla-Beziehung nicht interessant genug, um als Alternative ernsthaft in Frage zu kommen; dann lieber gar nicht und weiter umschauen. Mein Problem war es nicht, mit der eigenen Neigung klarzukommen, sondern eine passende Partnerin zu finden und in der tiefsten Provinz den Anlauf dazu zu wagen. Weit vor dem Internet und seinen befreienden Möglichkeiten war es schon ein Problem, überhaupt jemanden zu finden, mit dem man über das Thema reden konnte, ohne gleich ausgegrenzt zu werden.

Insofern sind mir die Qualen fremd, die jemand durchmacht, wenn er nach einer längeren Phase des „Normalseins“ langsam oder schlagartig feststellt, zu den „Perversen“ zu gehören und Dinge zu mögen, die in der Öffentlichkeit meist sensationslüstern in schwärzesten Farben gemalt werden. Die so im Kopf eingebrannten Klischees werden mit negativen Gefühlen verknüpft, nicht zuletzt wegen des Konformitätsdrucks – man will ja nicht krank und pervers sein.

Unter diesen Voraussetzungen ist der Weg zu sich selbst oft steinig. Viele brauchen mehrere Anläufe, probieren verschiedene Spielarten und Richtungen aus, ziehen sich dann wieder ins Vanilla-Dasein zurück und überlegen, ob sie „das da“ wirklich mögen. Dieses Pendeln zwischen Sehnen und Zurückhaltung führt zu typischen Reaktionen: In Anfällen von Zweifeln und Selbstekel werfen die Betroffenen mühsam und oft mit erheblichem finanziellen Aufwand zusammengetragenes Spielzeug und einschlägige Literatur weg oder zerstören beides im Versuch eines Reinigungsrituals – oft sogar mehrfach. Heutezutage erstreckt sich der Do-it-yourself-Exorzismus auch auf den Computer, auf dem Bookmarks, Browsercache und -history gelöscht werden, Bilder und Texte von der Festplatte geworfen, und die als abartig empfundene Neigung wird am besten vor einem selbst versteckt.

Lebt jemand schon länger in einer herkömmlichen Beziehung, bevor er darauf kommt, dass da etwas Wichtiges fehlt, macht das die Sache nicht einfacher: Eher selten folgt einem der Partner auf den neuen Pfaden, und viel zu oft stehen Betroffene vor dem Dilemma, entweder auf die langjährige Beziehung oder die eigene Erfüllung verzichten zu müssen; keine gute Voraussetzung für dauerhaftes Glück. Und kommt jemand über den Partner auf den Geschmack und holt so verschüttete Begierden wieder ans Tageslicht, verhindern auch hier oft Zweifel die individuelle Zufriedenheit. Da schleicht sich der Gedanke ein, dass man nur des Partner zuliebe mitspielt, womöglich von seinem Gegenüber nur noch um des Mitspielens wegen geschätzt und als Partner angenommen wird – ebenfalls Gift für vertrautes und vertrauensvolles Miteinander.

Hier ist es wichtig, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, Sachen auszuprobieren, Vorstellungen und Fantasien auszuleben und sich so letzendlich frei zu spielen. Die ersten Schritte sind dabei schwierig, zumal man sich dabei unter Umständen auch noch selbst unter Druck setzt. Aber sie sind der Anfang eines Weges, auf den man sich wagen sollte. Das abgedroschene „Alles kann, nichts muss“ hat gerade hier seine Berechtigung: Entspannen, locker lassen und die Chance nutzen, den Stein vom Herzen zu schubsen – und dabei rechtzeitig die Füße wegzuziehen.

Das innere Outing ist meiner Meinung nach übrigens unabhängig vom Outing nach außen zu sehen. Dieses zweite, „soziale“ Outing ist weder zwingende Voraussetzung noch zwingende Folge des inneren Outings. Um mit mir selbst im Reinen über meine Sexualität und das Drumherum zu sein, muss ich weder Familie, noch Freunde, noch Arbeitskollegen offensiv darauf aufmerksam machen, was ich im Schlafzimmer und anderswo gerne treibe. Für manchen mag ein Bekenntnis à la „Ich bin BDSMer, und das ist gut so“ der ultimative Befreiungsschlag und Schlusspunkt des inneren Outings sein. Doch nicht zuletzt aufgrund äußerer Umstände und drohender Folgen wie Karriereende oder Sippenhaft auf dem Dorf ist es nicht immer die klügste Variante.

Mittwoch, 25. August 2010

Einen Versuch wert

Spannendes Spielzeug

Blanke Drähte für direkten Hautkontakt

Ich neige ja eher nicht zu Spontankäufen, aber heute hat mich im Baumarkt etwas geradezu angesprungen, und bei dem Preis wäre ein Fehlkauf selbst angesichts der offensichtlich nicht auf Langlebigkeit angelegten Verarbeitung zu verschmerzen: Wie schon das eine oder andere Schlagwerkzeug in meinem Bestand ist meine heutige Neuerwerbung eigentlich für einen anderen Einsatzzweck konzipiert. Anders als die meisten solcher Vorrichtungen zum Insektengrillen hat diese elektrifizierte Fliegenklatsche allerdings ein Merkmal, dass sie für einschlägige Zwecke besonders geeignet macht: Die stromführenden Drähte sind nicht durch zusätzliche Gitter geschützt, so dass der Strom wie bei einem anderen Gerät ungehindert die Haut der Zielperson erreichen kann. Der Hinweis

„ACHTUNG! HOCHSPANNUNG. <45 UC
Kann eine starke Schock Reaktion [sic] bewirken.“

jedenfalls liest sich in diesem Zusammenhang eher wie ein Versprechen denn ein Warnhinweis. Und sicher finde ich auch ein primär oder sekundär freiwilliges Versuchskaninchen.