Sonntag, 5. September 2010

Ideen, Ideen …

Diskussionen on- und offline führten zu ein paar zusätzlichen Bildideen: Interessant wäre ein Set im Star-Trek-Look, zumal sowohl die Herzdame als auch die assoziierte Flugschülerin über entsprechende Kleidung verfügen; und wenn wir nicht die Brücke der Enterprise kriegen, wird es eben eine Außenmission. Beruhigend dabei: Keine der Damen hat eine rote Uniform. Ebenfalls auf der Wunschliste sind ein paar Fotos im Western-Umfeld, und dann hat die Herzdame ja noch ein neues Mittelalterkleid, genau richtig, um als Jungfer von einer Not in die Nächste zu geraten. Eine Burg ist vorhanden, der passende Drache oder Raubritter wird sich finden.

Party mit Hindernissen

Gestern habe ich mich trotz arbeitsbedingter Müdigkeit zum Partybesuch aufgerafft. Die Herzdame konnte sich leider nicht freimachen, doch eine andere Begünstigte wollte sich das bunte Treiben einmal ansehen und wünschte sich dazu meinen Beistand – auch wegen erheblicher Sehnsucht nach Seilen. Die Zeichen standen also auf einen unterhaltsamen Abend. Doch erstens kommt es anders …

Natürlich musste sich Mr. Murphy wieder lebhaft in Erinnerung bringen: Auf dem Weg vom Parkplatz zum Ort des Geschehens wurde der Dame die Kombination aus hochhackigen Schuhen, grobem Kopfsteinpflaster und starkem Gefälle zum Verhängnis. Sie legte eine unsanfte Landung hin, zumal ich das Gelände aus männlicher Perspektive wohl etwas unterschätzt und meine Begleiterin nicht fest genug an die Hand genommen hatte. Dabei litt nicht nur ein Schuh, sondern vor allem der Fuß der Dame. Deshalb wickelten wir zum Auftakt nicht mit Seilen los, sondern erst einmal mit einer Fixierbinde aus dem Auto-Verbandskasten. Das Team hinter der Bar und der Chef des Lokals kümmerten sich mit und organisierten ein paar Coldpacks, um den Schmerz im Knöchel zu stillen.

Den größten Teil der Veranstaltung verbrachten wir dann auf einem Sofa am Rand der Tanzfläche, kontinuierlich den kaputten Knöchel kühlend und das mitgebrachte Seil nur vorsichtig einsetzend. Immerhin gab es einiges zu sehen, die Musik war gut, und die Dame nahm es mit Humor. Sie meinte, dass wir sicher irgendwann einmal ein Treffen schaffen würden, bei dem wir beide gesund wären – bislang war ja immer mindestens einer von uns beiden gesundheitlich gehandicapt, wenn es ans Knotenknüpfen ging. Die gute Nachricht am Tag danach: So wie es aussieht, ist der Knöchel nur geschwollen, keine Bänder kaputt oder andere langwierige Folgen.

Update 10.09.2010: Zu früh gefreut – die Bänder sind doch angerissen, sechs Wochen Ruhepause nötig. Mist.

Montag, 30. August 2010

Inneres Outing

Einige Diskussionen in den vergangenen Wochen haben mich dazu bewogen, endlich ein Thema aufzugreifen, das ich schon länger auf meiner Liste habe: Das innere Outing, die Erkenntnis, dass man in sexuellen Dingen anders tickt als die (meisten) anderen um einen herum, und das Eingestehen dieses Andersseins sich selbst gegenüber.

Ich selbst habe, obwohl in vielen anderen Dingen eher unsicher, ironischerweise dieses innere Outing nicht bewusst durchgemacht. Seit ich zurückdenken kann, habe ich gewusst, dass ich anders bin. Und schon als Kind habe ich gemerkt, dass es nicht unbedingt opportun ist, die eigenen Neigungen zu Seilen öffentlich zu machen. Jedoch habe ich wegen meiner Vorlieben nie jene Schuldgefühle gehabt, die so viele Gleichgesinnte plagen. Krank? Ich doch nicht. Selbstzweifel? Nö – jedenfalls nicht in dieser Hinsicht.

Von Vorteil war hier vermutlich, dass ich in Sachen Bondage und dann auch BDSM kein Spätberufener war, selbst wenn mir damals die Begrifflichkeiten unbekannt waren. Kink & Co. als Kick waren schon vor dem eigentlichen Erwachen meiner Sexualität in mir verwurzelt. Als das Thema relevant wurde, schien mir eine Vanilla-Beziehung nicht interessant genug, um als Alternative ernsthaft in Frage zu kommen; dann lieber gar nicht und weiter umschauen. Mein Problem war es nicht, mit der eigenen Neigung klarzukommen, sondern eine passende Partnerin zu finden und in der tiefsten Provinz den Anlauf dazu zu wagen. Weit vor dem Internet und seinen befreienden Möglichkeiten war es schon ein Problem, überhaupt jemanden zu finden, mit dem man über das Thema reden konnte, ohne gleich ausgegrenzt zu werden.

Insofern sind mir die Qualen fremd, die jemand durchmacht, wenn er nach einer längeren Phase des „Normalseins“ langsam oder schlagartig feststellt, zu den „Perversen“ zu gehören und Dinge zu mögen, die in der Öffentlichkeit meist sensationslüstern in schwärzesten Farben gemalt werden. Die so im Kopf eingebrannten Klischees werden mit negativen Gefühlen verknüpft, nicht zuletzt wegen des Konformitätsdrucks – man will ja nicht krank und pervers sein.

Unter diesen Voraussetzungen ist der Weg zu sich selbst oft steinig. Viele brauchen mehrere Anläufe, probieren verschiedene Spielarten und Richtungen aus, ziehen sich dann wieder ins Vanilla-Dasein zurück und überlegen, ob sie „das da“ wirklich mögen. Dieses Pendeln zwischen Sehnen und Zurückhaltung führt zu typischen Reaktionen: In Anfällen von Zweifeln und Selbstekel werfen die Betroffenen mühsam und oft mit erheblichem finanziellen Aufwand zusammengetragenes Spielzeug und einschlägige Literatur weg oder zerstören beides im Versuch eines Reinigungsrituals – oft sogar mehrfach. Heutezutage erstreckt sich der Do-it-yourself-Exorzismus auch auf den Computer, auf dem Bookmarks, Browsercache und -history gelöscht werden, Bilder und Texte von der Festplatte geworfen, und die als abartig empfundene Neigung wird am besten vor einem selbst versteckt.

Lebt jemand schon länger in einer herkömmlichen Beziehung, bevor er darauf kommt, dass da etwas Wichtiges fehlt, macht das die Sache nicht einfacher: Eher selten folgt einem der Partner auf den neuen Pfaden, und viel zu oft stehen Betroffene vor dem Dilemma, entweder auf die langjährige Beziehung oder die eigene Erfüllung verzichten zu müssen; keine gute Voraussetzung für dauerhaftes Glück. Und kommt jemand über den Partner auf den Geschmack und holt so verschüttete Begierden wieder ans Tageslicht, verhindern auch hier oft Zweifel die individuelle Zufriedenheit. Da schleicht sich der Gedanke ein, dass man nur des Partner zuliebe mitspielt, womöglich von seinem Gegenüber nur noch um des Mitspielens wegen geschätzt und als Partner angenommen wird – ebenfalls Gift für vertrautes und vertrauensvolles Miteinander.

Hier ist es wichtig, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, Sachen auszuprobieren, Vorstellungen und Fantasien auszuleben und sich so letzendlich frei zu spielen. Die ersten Schritte sind dabei schwierig, zumal man sich dabei unter Umständen auch noch selbst unter Druck setzt. Aber sie sind der Anfang eines Weges, auf den man sich wagen sollte. Das abgedroschene „Alles kann, nichts muss“ hat gerade hier seine Berechtigung: Entspannen, locker lassen und die Chance nutzen, den Stein vom Herzen zu schubsen – und dabei rechtzeitig die Füße wegzuziehen.

Das innere Outing ist meiner Meinung nach übrigens unabhängig vom Outing nach außen zu sehen. Dieses zweite, „soziale“ Outing ist weder zwingende Voraussetzung noch zwingende Folge des inneren Outings. Um mit mir selbst im Reinen über meine Sexualität und das Drumherum zu sein, muss ich weder Familie, noch Freunde, noch Arbeitskollegen offensiv darauf aufmerksam machen, was ich im Schlafzimmer und anderswo gerne treibe. Für manchen mag ein Bekenntnis à la „Ich bin BDSMer, und das ist gut so“ der ultimative Befreiungsschlag und Schlusspunkt des inneren Outings sein. Doch nicht zuletzt aufgrund äußerer Umstände und drohender Folgen wie Karriereende oder Sippenhaft auf dem Dorf ist es nicht immer die klügste Variante.

Mittwoch, 25. August 2010

Einen Versuch wert

Spannendes Spielzeug

Blanke Drähte für direkten Hautkontakt

Ich neige ja eher nicht zu Spontankäufen, aber heute hat mich im Baumarkt etwas geradezu angesprungen, und bei dem Preis wäre ein Fehlkauf selbst angesichts der offensichtlich nicht auf Langlebigkeit angelegten Verarbeitung zu verschmerzen: Wie schon das eine oder andere Schlagwerkzeug in meinem Bestand ist meine heutige Neuerwerbung eigentlich für einen anderen Einsatzzweck konzipiert. Anders als die meisten solcher Vorrichtungen zum Insektengrillen hat diese elektrifizierte Fliegenklatsche allerdings ein Merkmal, dass sie für einschlägige Zwecke besonders geeignet macht: Die stromführenden Drähte sind nicht durch zusätzliche Gitter geschützt, so dass der Strom wie bei einem anderen Gerät ungehindert die Haut der Zielperson erreichen kann. Der Hinweis

„ACHTUNG! HOCHSPANNUNG. <45 UC
Kann eine starke Schock Reaktion [sic] bewirken.“

jedenfalls liest sich in diesem Zusammenhang eher wie ein Versprechen denn ein Warnhinweis. Und sicher finde ich auch ein primär oder sekundär freiwilliges Versuchskaninchen.

Donnerstag, 12. August 2010

In die Ecke gestellt

Man kann zur Causa Kachelmann stehen, wie man will. Kaum allerdings werden einige einschlägige Vorlieben des Herren bekannt, werden sie zum Anlass für öffentliche Entrüstung genommen – unabhängig davon, dass freihändiges Jonglieren mehrerer Beziehungen und manipulatives Verhalten im zwischenmenschlichen Bereich auch ganz ohne Peitschen und Ketten häufiger vorkommen. Vornedran natürlich eine der üblichen Verdächtigen, die unter dem Titel Post von Kachelmann Tatsachen und Vermutungen zu ihrem Weltbild passend zusammendengelt. Wenigstens erhält sie auch von unverdächtiger Seite Kontra, etwa in Julia Seeligers Taz-Kommentar Schwarzer schlägt zu. Ebenfalls lesenswert dazu Twisters Abrechnung mit den scheinheiligen Moralisten: Bitte ein 08/15-Sexualleben, der Herr. Anempfohlen sei auch die Lektüre von Wofür das Netz nichts kann.

Donnerstag, 5. August 2010

Geschickt gerettet

John Willie pflegte seine Fotos wohlverschnürter Damen des Öfteren mit „Don't let this happen to You – learn jiu-jitsu and the art of self-defence“ zu untertiteln. Geistesgegenwart im Angesicht der Gefahr bewies auch eine Frau im amerikanischen Atlanta, und das ganz ohne Kampfkunst-Erfahrung: Von einem Einbrecher überrascht und in ihrem Schlafzimmer gefesselt, robbte sie zu ihrem ebenfalls auf dem Bett liegenden Laptop und tippte mit ihren Zehen eine Nachricht an ihren Freund. Der alarmierte die Polizei, die wiederum die Dame aus ihrer Bedrängnis rettete. Chapeau!

Erst die Arbeit und dann

Verwicklungen als Teamwork

Die Welt da draußen lässt gerade wieder einmal wenig Zeit für mein Blog. Glücklicherweise ist der Zeitmangel nicht allein der Arbeit geschuldet. Am vergangenen Wochenende trug die Empfehlung einer gewissen Dame Früchte, und nach vorangegangenem Fernunterricht kamen ein Rigger und seine Begünstigte für einen sonntäglichen Workshop vorbei, um sich seiltechnische und fotografische Tipps zu holen.

Beim Einsatz des von den beiden mitgebrachten, schon gut eingespielten Hanfseils zeigte sich, dass der Nachwuchsrigger das Seilhandwerk bereits recht gut gemeistert hat – so waren in dieser Hinsicht mehr die Feinheiten der Anwendung das Thema. Die Dame profitierte nicht nur von der doppelten Aufmerksamkeit, sondern erhielt außerdem ein paar wohlgeratene Bilder sowohl allein als auch mit ihrem Partner. Dabei gelang mir ein sehr spannendes Foto, das allerdings der breiten Öffentlichkeit wohl vorenthalten bleiben wird; wieder einmal das leidige Outing-Problem. Zu guter Letzt durfte die Dame ihre erste Flugstunde erleben, was für mich eine willkommene Gelegenheit war, meine Fertigkeiten in Sachen Suspension zu trainieren.

Ansonsten freue ich mich derzeit mehr als üblich auf den Feierabend, hat doch die Herzdame für ein wenig länger ihre Zelte bei mir aufgeschlagen.