Donnerstag, 22. Juli 2010

Es wird heller

Die Urlaubsplanung ist zwar aus beruflichen Gründen eher unbefriedigend. Doch wenigstens rückt das Wochenende näher, und kurzfristig hat sich höchst angenehmer Besuch angesagt. Sogar bei meinem elektronischen Pflegefall bin ich etwas weiter gekommen, und immerhin habe ich auch ein paar der vielen mittlerweile gut abgelagerten Bilder bearbeitet.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Hitzewallungen im Sommertheater

Ein Parteifreund hat den Politiker Jürgen Möllemann einst als „Quartalsirren“ bezeichnet. Anscheinend ist Möllemann aber das große Vorbild nicht nur von deutschen Politikern, sondern auch von Lobbyisten und anderen Vertretern eigennütziger und fremder Interessen – und sie begnügen sich nicht mit einmal Ausrasten pro Quartal. Kaum guckt man ein paar Tage nicht hin, kommen sie alle aus dem Sommerloch gekrochen und verbreiten so unglaublichen Unfug, dass es einem selbst ohne die herrschenden Temperaturen alleine vom Zuschauen ganz anders wird.

Natürlich ist der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ganz vorne mit dabei und demonstriert wieder einmal lautstark die ihm eigene Kombination aus absoluter Ahnungslosigkeit und dem Willen, ein größeres Stück vom Kuchen abzukriegen. Da wird der größtmögliche Schrecken inklusive Atombombenvergleich herbeifabuliert, um dann als Gegenmaßnahmen eine ständige Ausweispflicht für jeden Internetnutzer zu fordern, dazu das Recht für die Polizei, unerkannt in Nutzerkonten bei sozialen Netzwerken einzudringen, zur „Gefahrenabwehr“ nach Belieben Daten auf fremden Rechnern auslesen, verändern und löschen zu dürfen und als Höhepunkt einen „Resetknopf“ für das Internet. In die gleiche Kerbe haut das Bundeskriminalamt, das in einer interessanten Volte die Notwendigkeit von mehr Überwachung und Zensur mit der eigenen Inkompetenz begründet.

Die Nachwuchspolitiker der CDU wollen auch mitspielen und fordern ein Verbot von Pornos im Netz oder was sie dafür halten, und von noch ein paar anderen Dingen mehr. Währenddessen versucht die SPD, das Siegen von der FDP zu lernen und fällt netzpolitisch schon wieder so schnell nach allen Richtungen um, das kaum noch wahrnehmbar ist, ob sie irgendwo einmal länger als einen Sekundenbruchteil aufrecht gestanden ist. Und um nicht alleine im Eck zu versauern, versuchen Telekommunikationsanbieter, allen voran die Telekom, den Bürgern die „De-Mail“ aufzuplaudern, die sich neben hohem Porto vor allem durch Unsicherheit, eingebaute staatliche Mithörmöglichkeiten und das Abwälzen jeglicher Verantwortung auf den Nutzer auszeichnet. Und das Ende der Netzneutralität wird auch wieder einmal diskutiert.

Eine kleine Blütenlese:

Alles wie gehabt, nur noch doofer und noch schlimmer. Als Internet-Nutzer aus Deutschland sollte man spätestens jetzt anfangen zu laufen.

Montag, 12. Juli 2010

Ihre Papiere, Bürger!

Wieder einmal Neues von den den staatlichen und moralischen Bedenkenträgern. Mit jedem Tag gewinnt Paranoia mehr den Charakter einer Dokumentation, und auch Philipp Lenssens How to Access the Internet (A Guide from 2025) liest sich kaum noch als Satire.

Nach mehrjährigem Hin und Her hat währenddessen die ICANN der Einrichtung einer .xxx-Top-Level-Domain grundsätzlich zugestimmt. Wired-Kolumnist Lore Sjöberg ist nicht der einzige, der damit Schwierigkeiten hat:

It looks like the Powers That Assign are finally giving the green light to a red-light district for the web: the .xxx top-level domain. At long last, after years of wheeling, dealing, squealing and peeling, nothing’s going to change.

Various companies will dutifully add the entire domain to blocker programs with names like KiddySafe Web Sanitizer Plus Bluenose Edition, and that’s about it. It’s not like Pepsi is going to launch a new adults-only, porn-flavored soda just to utilize this new webspace.

There’s been some talk of sending all current porn sites out onto a Trail of Bodily Fluids That I’m Not Sure What They Are But Not Tears and marching them forcibly into the new domain, but for reasons best explained by those with mouths frothier than mine, that’s not going to happen and it wouldn’t change much if it did.

Die Probleme sind grundsätzlich die gleichen wie bei ebenfalls als Allheilmittel verkauften Filterlösungen – wer entscheidet, was in welchem Teil der Welt darunter fällt, wie soll der Zugang geregelt werden, wer kontrolliert das Ganze, und wer kontrolliert die Kontrolleure?

Natürlich passiert das Ganze nicht ohne Hintergedanken, und natürlich springen aktionistische Politiker auf den Zug auf, lassen sich doch damit wunderbar Wahlkampf und auch Patronage treiben. Auf CarnalNation beleuchtet Violet Blue unter dem Titel Now Playing: .XXX. TLD Carpetbaggers Give New Meaning to "Drop and Snatch" die Hintergründe und Interessenverflechtungen dieser unter der Flagge von Moral und Anstand segelnden Initiative und stellt die eher dubiosen Initiatoren und Verfechter vor, die auf ein durch staatlichen Druck geschütztes Monopol hoffen.

Was den mehr oder minder sanften Druck von oben angeht, Internet-Führerschein und Online-Ausweispflicht durchzusetzen – hier macht Deutschland einen neuen Anlauf: Der Referentenentwurf für das De-Mail-Gesetz liegt vor.

Sonntag, 11. Juli 2010

Modenschau, aufgepeppt

Bei der aktuellen Fashion Week Berlin (Juli 2010) hat die österreichische Modedesignerin Lena Hoscheck (die Dame hat leider nicht wirklich eine Website, nur eine weitgehend unbenutzbare Flashhölle) ein wenig Kink auf den Laufsteg gebracht. Wie das Modeblog „Les Mads“ berichtet, liefen bei ihrer Schau einige Models mit gefesselten Händen. Das allein ist heute nicht mehr so außergewöhnlich, und auch die ebenfalls gezeigten Overknees aus transparentem Latex und Mini-Korsetts mit Stachelnieten ließen sich unter „Fetish goes Mainstream“ abhaken. Selbst der Vibrator in der Goodie-Tüte für Besucherinnen der Show ist zumindest in Westeuropa nicht mehr schockierend.

Allerdings passt zumindest Bondage gut zur Linie Lena Hoschecks. Die Designerin mit einem erkannbaren Faible für Mode und Filme der 40er und 50er Jahre hat sich für ihre aktuelle Kollektion von klassischen Pin-Ups und der Rockabilly- und Hot-Rod-Szene beeinflussen lassen – und eben zeittypisch mit einer Prise Bettie Page & Co. gewürzt. Ach ja, das eine oder andere Bild gibt es auch, außerdem ein kleines Video. Wer Heftiges erwartet: Die Fesselungen sind eher dekorativ als wirkungsvoll.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Entführung in den Urlaub

Auch Vanillas können jetzt Entführungsspiele erleben: Auf der diesjährigen Konferenz zur Zukunft des Tourismus im australischen Brisbane präsentierte ein französisches Unternehmen ein Konzept für entsprechende Überraschungstrips. Beim „simulated kidnapping package“ werden die Kunden ohne Vorwarnung überfallen, gefesselt, geknebelt und an einen Ort gebracht, wo sie eine gewisse Zeit – angedacht sind vier bis zehn Stunden – festgehalten werden. Allerdings steht dabei weniger der Spaß im Vordergrund als Adrenalinkick und Stress, denn das Erlebnis soll „den Schrecken einer echten Entführung“ erfahrbar machen. Wenig lustig sind auch die übrigen Ideen und Entwürfe für einen künftigen Tourismus, die sich vielfach um mehr und umfassende Überwachung von Reisenden drehten, um Sicherheitszirkus zum Beeindrucken der Touristen, und um gut abgeschottete Resorts, in die sich die in Panik versetzten Reisenden zurückziehen sollen.

Dienstag, 6. Juli 2010

Na toll

Jetzt hat die Herzdame nach langem hin und her endlich ihren Urlaub festmachen können, da fliegt mir mein Terminkalender um die Ohren. Irgendwas ist ja immer.

Kleine Experimente

Das Knotenbuch war unnötig, es half der Dame nicht weiter

Gefärbtes Hanfseil, knapp 3 mm Durchmesser – gut für Feinarbeit

Alles mit allem verbinden

Schöne Strukturen

Herausforderung für die Ausbrecherkönigin

Es hat eine Weile gehalten

Wortmeldung zwischendurch, leicht verspätet: Das letzte Juni-Wochenende hatte ich, wie bereits kurz angemerkt, aus gegebenem Anlass für ein wenig Auszeit von der Alltagshektik genutzt. Die Runde der Gleichgesinnten war nicht groß und krankheitsbedingt sogar kleiner als erwartet, doch das tat Stimmung und Erholung keinen Abbruch. Wie immer in dieser Konstellation spielten Essen und Trinken eine gewichtige Rolle, und ein Getränk von der Insel – ein Grain Whiskey, um genau zu sein – fand allseits Anklang.

Anklang bei der Gastgeberin und Hauptbegünstigten fanden auch die ausführlichen Verstrickungen, denen sie sich unterwerfen durfte – mit einer Ausnahme: Der Gastgeber und ich stellten wieder einmal die Ähnlichkeit unserer Gedankengänge unter Beweis, als am Samstag die neue Geschirrspülmaschine angeliefert wurde. Deren geräumiger Karton wurde auch wegen seiner passenden Aufschriften zum Fotorequisit erklärt, und die Dame des Hauses landete in praktischer Transportverpackung nebst Spülbürste und Spülmittel für eine schnelle Fotoserie in der Kiste (Nein, diese Bilder gibt es aus Datenschutzgründen hier nicht zu sehen … *veg*).

Daneben hatte ich Gelegenheit, zugerichtetes Hanfseil mit knapp drei Millimetern Durchmessern zu testen. Mit dem für meine Gewohnheiten reichlich dünnem Seil – im Prinzip schon mehr Schnur – lässt sich gut, filigran und präzise arbeiten, auch wenn man natürlich länger wickelt und entsprechend mehr Seil für eine bequeme und optisch ansprechende Bondage benötigt. Sehr praktisch ist das dünne Material, wenn Haare, Finger oder Zehen in die Fesselung integriert werden sollen.

Meine eigene Ausrüstung (nur die kleine Reiseausstattung, wirklich) hatte ich ebenfalls nicht umsonst mitgebracht. Unter anderem stellte ein umfänglicher Karada nebst Anbauten die Ausbruchskünste der Dame auf die Probe. Dabei konnte ich den Hausherrn überzeugen, dass meine Standardlängen bei gängigen Seildurchmessern auch ganz praktisch sind.

Als unerwarteter Bonus ergab sich, dass meine Gastgeber eventuell eine Quelle für das von mir schon seit einiger Zeit gesuchte brombeer- bzw. bordeauxfarbene Seil aufgetan haben.

Update 12.07.2010: Seildurchmesser korrigiert.