Montag, 12. Juli 2010

Ihre Papiere, Bürger!

Wieder einmal Neues von den den staatlichen und moralischen Bedenkenträgern. Mit jedem Tag gewinnt Paranoia mehr den Charakter einer Dokumentation, und auch Philipp Lenssens How to Access the Internet (A Guide from 2025) liest sich kaum noch als Satire.

Nach mehrjährigem Hin und Her hat währenddessen die ICANN der Einrichtung einer .xxx-Top-Level-Domain grundsätzlich zugestimmt. Wired-Kolumnist Lore Sjöberg ist nicht der einzige, der damit Schwierigkeiten hat:

It looks like the Powers That Assign are finally giving the green light to a red-light district for the web: the .xxx top-level domain. At long last, after years of wheeling, dealing, squealing and peeling, nothing’s going to change.

Various companies will dutifully add the entire domain to blocker programs with names like KiddySafe Web Sanitizer Plus Bluenose Edition, and that’s about it. It’s not like Pepsi is going to launch a new adults-only, porn-flavored soda just to utilize this new webspace.

There’s been some talk of sending all current porn sites out onto a Trail of Bodily Fluids That I’m Not Sure What They Are But Not Tears and marching them forcibly into the new domain, but for reasons best explained by those with mouths frothier than mine, that’s not going to happen and it wouldn’t change much if it did.

Die Probleme sind grundsätzlich die gleichen wie bei ebenfalls als Allheilmittel verkauften Filterlösungen – wer entscheidet, was in welchem Teil der Welt darunter fällt, wie soll der Zugang geregelt werden, wer kontrolliert das Ganze, und wer kontrolliert die Kontrolleure?

Natürlich passiert das Ganze nicht ohne Hintergedanken, und natürlich springen aktionistische Politiker auf den Zug auf, lassen sich doch damit wunderbar Wahlkampf und auch Patronage treiben. Auf CarnalNation beleuchtet Violet Blue unter dem Titel Now Playing: .XXX. TLD Carpetbaggers Give New Meaning to "Drop and Snatch" die Hintergründe und Interessenverflechtungen dieser unter der Flagge von Moral und Anstand segelnden Initiative und stellt die eher dubiosen Initiatoren und Verfechter vor, die auf ein durch staatlichen Druck geschütztes Monopol hoffen.

Was den mehr oder minder sanften Druck von oben angeht, Internet-Führerschein und Online-Ausweispflicht durchzusetzen – hier macht Deutschland einen neuen Anlauf: Der Referentenentwurf für das De-Mail-Gesetz liegt vor.

Sonntag, 11. Juli 2010

Modenschau, aufgepeppt

Bei der aktuellen Fashion Week Berlin (Juli 2010) hat die österreichische Modedesignerin Lena Hoscheck (die Dame hat leider nicht wirklich eine Website, nur eine weitgehend unbenutzbare Flashhölle) ein wenig Kink auf den Laufsteg gebracht. Wie das Modeblog „Les Mads“ berichtet, liefen bei ihrer Schau einige Models mit gefesselten Händen. Das allein ist heute nicht mehr so außergewöhnlich, und auch die ebenfalls gezeigten Overknees aus transparentem Latex und Mini-Korsetts mit Stachelnieten ließen sich unter „Fetish goes Mainstream“ abhaken. Selbst der Vibrator in der Goodie-Tüte für Besucherinnen der Show ist zumindest in Westeuropa nicht mehr schockierend.

Allerdings passt zumindest Bondage gut zur Linie Lena Hoschecks. Die Designerin mit einem erkannbaren Faible für Mode und Filme der 40er und 50er Jahre hat sich für ihre aktuelle Kollektion von klassischen Pin-Ups und der Rockabilly- und Hot-Rod-Szene beeinflussen lassen – und eben zeittypisch mit einer Prise Bettie Page & Co. gewürzt. Ach ja, das eine oder andere Bild gibt es auch, außerdem ein kleines Video. Wer Heftiges erwartet: Die Fesselungen sind eher dekorativ als wirkungsvoll.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Entführung in den Urlaub

Auch Vanillas können jetzt Entführungsspiele erleben: Auf der diesjährigen Konferenz zur Zukunft des Tourismus im australischen Brisbane präsentierte ein französisches Unternehmen ein Konzept für entsprechende Überraschungstrips. Beim „simulated kidnapping package“ werden die Kunden ohne Vorwarnung überfallen, gefesselt, geknebelt und an einen Ort gebracht, wo sie eine gewisse Zeit – angedacht sind vier bis zehn Stunden – festgehalten werden. Allerdings steht dabei weniger der Spaß im Vordergrund als Adrenalinkick und Stress, denn das Erlebnis soll „den Schrecken einer echten Entführung“ erfahrbar machen. Wenig lustig sind auch die übrigen Ideen und Entwürfe für einen künftigen Tourismus, die sich vielfach um mehr und umfassende Überwachung von Reisenden drehten, um Sicherheitszirkus zum Beeindrucken der Touristen, und um gut abgeschottete Resorts, in die sich die in Panik versetzten Reisenden zurückziehen sollen.

Dienstag, 6. Juli 2010

Na toll

Jetzt hat die Herzdame nach langem hin und her endlich ihren Urlaub festmachen können, da fliegt mir mein Terminkalender um die Ohren. Irgendwas ist ja immer.

Kleine Experimente

Das Knotenbuch war unnötig, es half der Dame nicht weiter

Gefärbtes Hanfseil, knapp 3 mm Durchmesser – gut für Feinarbeit

Alles mit allem verbinden

Schöne Strukturen

Herausforderung für die Ausbrecherkönigin

Es hat eine Weile gehalten

Wortmeldung zwischendurch, leicht verspätet: Das letzte Juni-Wochenende hatte ich, wie bereits kurz angemerkt, aus gegebenem Anlass für ein wenig Auszeit von der Alltagshektik genutzt. Die Runde der Gleichgesinnten war nicht groß und krankheitsbedingt sogar kleiner als erwartet, doch das tat Stimmung und Erholung keinen Abbruch. Wie immer in dieser Konstellation spielten Essen und Trinken eine gewichtige Rolle, und ein Getränk von der Insel – ein Grain Whiskey, um genau zu sein – fand allseits Anklang.

Anklang bei der Gastgeberin und Hauptbegünstigten fanden auch die ausführlichen Verstrickungen, denen sie sich unterwerfen durfte – mit einer Ausnahme: Der Gastgeber und ich stellten wieder einmal die Ähnlichkeit unserer Gedankengänge unter Beweis, als am Samstag die neue Geschirrspülmaschine angeliefert wurde. Deren geräumiger Karton wurde auch wegen seiner passenden Aufschriften zum Fotorequisit erklärt, und die Dame des Hauses landete in praktischer Transportverpackung nebst Spülbürste und Spülmittel für eine schnelle Fotoserie in der Kiste (Nein, diese Bilder gibt es aus Datenschutzgründen hier nicht zu sehen … *veg*).

Daneben hatte ich Gelegenheit, zugerichtetes Hanfseil mit knapp drei Millimetern Durchmessern zu testen. Mit dem für meine Gewohnheiten reichlich dünnem Seil – im Prinzip schon mehr Schnur – lässt sich gut, filigran und präzise arbeiten, auch wenn man natürlich länger wickelt und entsprechend mehr Seil für eine bequeme und optisch ansprechende Bondage benötigt. Sehr praktisch ist das dünne Material, wenn Haare, Finger oder Zehen in die Fesselung integriert werden sollen.

Meine eigene Ausrüstung (nur die kleine Reiseausstattung, wirklich) hatte ich ebenfalls nicht umsonst mitgebracht. Unter anderem stellte ein umfänglicher Karada nebst Anbauten die Ausbruchskünste der Dame auf die Probe. Dabei konnte ich den Hausherrn überzeugen, dass meine Standardlängen bei gängigen Seildurchmessern auch ganz praktisch sind.

Als unerwarteter Bonus ergab sich, dass meine Gastgeber eventuell eine Quelle für das von mir schon seit einiger Zeit gesuchte brombeer- bzw. bordeauxfarbene Seil aufgetan haben.

Update 12.07.2010: Seildurchmesser korrigiert.

Dienstag, 22. Juni 2010

Alles so schön bunt hier

Der Narr in Aktion

Falls sich jemand wundert, dass ich mich hier gerade etwas rar mache: Der Alltag hat mich im Moment heftig in den Krallen, vor allem mit arbeitsbedingten Verwerfungen. Wohl auch mit als Folge davon laboriere ich an einigen Wehwehchen von Rückenschmerzen bis Erkältung. Und außerdem bin ich deswegen immer noch nicht dazu gekommen, den Rechnerumzug zu stemmen.

Wenigstens bestand das vergangene Wochenende nicht nur aus Arbeit. Der geplante Mini-Workshop in Sachen Seil- und Knotenkunde hat stattgefunden, und kurzfristig konnte sich auch die Herzdame frei machen, um mich zu besuchen. So hatte ich am Sonntag alle Hände voll zu tun, meinen Gästen beim Einwickeln zu assistieren oder selbst die Seile zu drapieren. Die eine Teilnehmerin war überrascht, dass sie nicht nur selbst wickeln lernte, sondern auch selbst eingewickelt und gleich an ihren Begünstigten angebaut wurde. Die Herzdame hingegen durfte sofort nach ihrer Ankunft in medias res, in die Seile und dazu auf eigenen Wunsch zu einem kurzen Testflug starten: Damit hat mein Edelstahlring endlich seine Feuertaufe hinter sich; man kommt ja zu nichts.

Viel zu kurz war die Zeit mit der Herzdame, musste ich doch gestern arbeiten und sie heute früh wieder in den Zug setzen – aber wir haben das Beste daraus gemacht, und die nächsten Begegnungen bei ihr oder bei mir sind absehbar. Und am kommenden Wochenende geht es schon wieder für einen Geburtstagsbesuch auf die Piste. Immer schneller wird die Fahrt …

Dienstag, 15. Juni 2010

Wechselbad

Freude und Trauer liegen zu oft nahe beieinander. Gestern Nacht bin ich von einem sehr schönen Wochenende zurückgekehrt, an dem ich unter anderem mit der Herzdame ihren Geburtstag im Kreise vieler netter Leute gefeiert habe. Und heute erfahre ich, dass eine liebe Bekannte aus der Szene, die gerade mitten in ihren Hochzeitsvorbereitungen steckte, nach einem Herzinfarkt im Koma liegt.

Wechselbad der Gefühle. Schwarze Gedanken. Carpe Diem, als könnte jeder Tag der letzte sein, als einzig plausible Antwort – wieder einmal?