Dienstag, 27. Juli 2010

Viel zu kurz ...

Irving Klaw revisited

… war das Wochenende mit der Herzdame, auch wenn es ein verlängertes war. Trotz anderweitiger Verpflichtungen, die einige der knappen Stunden stahlen, haben wir das Beste daraus gemacht: Entspannung und Genuss waren angesagt, und so widmeten wir uns neben Essen und Trinken, dem Gucken schräger Filme, der Diskussion über interessante Bücher und (in den Regenpausen) Abstechern in die freie Natur auch einigen anderen schönen und einschlägigen Dingen. Der Nachtschlaf kam darüber etwas zu kurz, doch immerhin haben wir uns zu guter Letzt auch noch an den Retro-Bildern versucht. Und zum Glück dauert es bis zum nächsten Wiedersehen nicht so lange.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Goin' Retro

Zeit für eine kleine Zeitreise mit der Kamera: In den letzten Wochen ist die Lust gewachsen, ein paar altmodische Bilder im Stil von Klaw und den vielen ungenannten Fotografen der 50er und 60er zu machen, schwarz-weiß, sparsam ausgeleuchtet, ein wenig ungeschickt gewickelt, und natürlich mit der sprichwörtlichen dünnen Wäscheleine als Fesselmaterial. Daneben spuken noch ein paar andere Bildideen im Kopf herum – ein großer Spiegel steht schon seit einiger Zeit parat, die Höhle habe ich ebenfalls schon länger nicht mehr genutzt. Auch Bondage- und andere Fotos in Film-Noir-Ästhetik stehen noch auf der Liste.

Es wird heller

Die Urlaubsplanung ist zwar aus beruflichen Gründen eher unbefriedigend. Doch wenigstens rückt das Wochenende näher, und kurzfristig hat sich höchst angenehmer Besuch angesagt. Sogar bei meinem elektronischen Pflegefall bin ich etwas weiter gekommen, und immerhin habe ich auch ein paar der vielen mittlerweile gut abgelagerten Bilder bearbeitet.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Hitzewallungen im Sommertheater

Ein Parteifreund hat den Politiker Jürgen Möllemann einst als „Quartalsirren“ bezeichnet. Anscheinend ist Möllemann aber das große Vorbild nicht nur von deutschen Politikern, sondern auch von Lobbyisten und anderen Vertretern eigennütziger und fremder Interessen – und sie begnügen sich nicht mit einmal Ausrasten pro Quartal. Kaum guckt man ein paar Tage nicht hin, kommen sie alle aus dem Sommerloch gekrochen und verbreiten so unglaublichen Unfug, dass es einem selbst ohne die herrschenden Temperaturen alleine vom Zuschauen ganz anders wird.

Natürlich ist der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ganz vorne mit dabei und demonstriert wieder einmal lautstark die ihm eigene Kombination aus absoluter Ahnungslosigkeit und dem Willen, ein größeres Stück vom Kuchen abzukriegen. Da wird der größtmögliche Schrecken inklusive Atombombenvergleich herbeifabuliert, um dann als Gegenmaßnahmen eine ständige Ausweispflicht für jeden Internetnutzer zu fordern, dazu das Recht für die Polizei, unerkannt in Nutzerkonten bei sozialen Netzwerken einzudringen, zur „Gefahrenabwehr“ nach Belieben Daten auf fremden Rechnern auslesen, verändern und löschen zu dürfen und als Höhepunkt einen „Resetknopf“ für das Internet. In die gleiche Kerbe haut das Bundeskriminalamt, das in einer interessanten Volte die Notwendigkeit von mehr Überwachung und Zensur mit der eigenen Inkompetenz begründet.

Die Nachwuchspolitiker der CDU wollen auch mitspielen und fordern ein Verbot von Pornos im Netz oder was sie dafür halten, und von noch ein paar anderen Dingen mehr. Währenddessen versucht die SPD, das Siegen von der FDP zu lernen und fällt netzpolitisch schon wieder so schnell nach allen Richtungen um, das kaum noch wahrnehmbar ist, ob sie irgendwo einmal länger als einen Sekundenbruchteil aufrecht gestanden ist. Und um nicht alleine im Eck zu versauern, versuchen Telekommunikationsanbieter, allen voran die Telekom, den Bürgern die „De-Mail“ aufzuplaudern, die sich neben hohem Porto vor allem durch Unsicherheit, eingebaute staatliche Mithörmöglichkeiten und das Abwälzen jeglicher Verantwortung auf den Nutzer auszeichnet. Und das Ende der Netzneutralität wird auch wieder einmal diskutiert.

Eine kleine Blütenlese:

Alles wie gehabt, nur noch doofer und noch schlimmer. Als Internet-Nutzer aus Deutschland sollte man spätestens jetzt anfangen zu laufen.

Montag, 12. Juli 2010

Ihre Papiere, Bürger!

Wieder einmal Neues von den den staatlichen und moralischen Bedenkenträgern. Mit jedem Tag gewinnt Paranoia mehr den Charakter einer Dokumentation, und auch Philipp Lenssens How to Access the Internet (A Guide from 2025) liest sich kaum noch als Satire.

Nach mehrjährigem Hin und Her hat währenddessen die ICANN der Einrichtung einer .xxx-Top-Level-Domain grundsätzlich zugestimmt. Wired-Kolumnist Lore Sjöberg ist nicht der einzige, der damit Schwierigkeiten hat:

It looks like the Powers That Assign are finally giving the green light to a red-light district for the web: the .xxx top-level domain. At long last, after years of wheeling, dealing, squealing and peeling, nothing’s going to change.

Various companies will dutifully add the entire domain to blocker programs with names like KiddySafe Web Sanitizer Plus Bluenose Edition, and that’s about it. It’s not like Pepsi is going to launch a new adults-only, porn-flavored soda just to utilize this new webspace.

There’s been some talk of sending all current porn sites out onto a Trail of Bodily Fluids That I’m Not Sure What They Are But Not Tears and marching them forcibly into the new domain, but for reasons best explained by those with mouths frothier than mine, that’s not going to happen and it wouldn’t change much if it did.

Die Probleme sind grundsätzlich die gleichen wie bei ebenfalls als Allheilmittel verkauften Filterlösungen – wer entscheidet, was in welchem Teil der Welt darunter fällt, wie soll der Zugang geregelt werden, wer kontrolliert das Ganze, und wer kontrolliert die Kontrolleure?

Natürlich passiert das Ganze nicht ohne Hintergedanken, und natürlich springen aktionistische Politiker auf den Zug auf, lassen sich doch damit wunderbar Wahlkampf und auch Patronage treiben. Auf CarnalNation beleuchtet Violet Blue unter dem Titel Now Playing: .XXX. TLD Carpetbaggers Give New Meaning to "Drop and Snatch" die Hintergründe und Interessenverflechtungen dieser unter der Flagge von Moral und Anstand segelnden Initiative und stellt die eher dubiosen Initiatoren und Verfechter vor, die auf ein durch staatlichen Druck geschütztes Monopol hoffen.

Was den mehr oder minder sanften Druck von oben angeht, Internet-Führerschein und Online-Ausweispflicht durchzusetzen – hier macht Deutschland einen neuen Anlauf: Der Referentenentwurf für das De-Mail-Gesetz liegt vor.

Sonntag, 11. Juli 2010

Modenschau, aufgepeppt

Bei der aktuellen Fashion Week Berlin (Juli 2010) hat die österreichische Modedesignerin Lena Hoscheck (die Dame hat leider nicht wirklich eine Website, nur eine weitgehend unbenutzbare Flashhölle) ein wenig Kink auf den Laufsteg gebracht. Wie das Modeblog „Les Mads“ berichtet, liefen bei ihrer Schau einige Models mit gefesselten Händen. Das allein ist heute nicht mehr so außergewöhnlich, und auch die ebenfalls gezeigten Overknees aus transparentem Latex und Mini-Korsetts mit Stachelnieten ließen sich unter „Fetish goes Mainstream“ abhaken. Selbst der Vibrator in der Goodie-Tüte für Besucherinnen der Show ist zumindest in Westeuropa nicht mehr schockierend.

Allerdings passt zumindest Bondage gut zur Linie Lena Hoschecks. Die Designerin mit einem erkannbaren Faible für Mode und Filme der 40er und 50er Jahre hat sich für ihre aktuelle Kollektion von klassischen Pin-Ups und der Rockabilly- und Hot-Rod-Szene beeinflussen lassen – und eben zeittypisch mit einer Prise Bettie Page & Co. gewürzt. Ach ja, das eine oder andere Bild gibt es auch, außerdem ein kleines Video. Wer Heftiges erwartet: Die Fesselungen sind eher dekorativ als wirkungsvoll.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Entführung in den Urlaub

Auch Vanillas können jetzt Entführungsspiele erleben: Auf der diesjährigen Konferenz zur Zukunft des Tourismus im australischen Brisbane präsentierte ein französisches Unternehmen ein Konzept für entsprechende Überraschungstrips. Beim „simulated kidnapping package“ werden die Kunden ohne Vorwarnung überfallen, gefesselt, geknebelt und an einen Ort gebracht, wo sie eine gewisse Zeit – angedacht sind vier bis zehn Stunden – festgehalten werden. Allerdings steht dabei weniger der Spaß im Vordergrund als Adrenalinkick und Stress, denn das Erlebnis soll „den Schrecken einer echten Entführung“ erfahrbar machen. Wenig lustig sind auch die übrigen Ideen und Entwürfe für einen künftigen Tourismus, die sich vielfach um mehr und umfassende Überwachung von Reisenden drehten, um Sicherheitszirkus zum Beeindrucken der Touristen, und um gut abgeschottete Resorts, in die sich die in Panik versetzten Reisenden zurückziehen sollen.