ist zuweilen unernst, verspielt, ungeduldig, dem Genuss nicht abgeneigt, fesselnd, Lexikon, Fotograf, kein Dom, aber Top, häufig Trickster, manchmal Loki, und mag Seile am liebsten, jedoch nicht exklusiv.
Der Mai ist gekommen, und ich sitze immer noch mit einer Krücke von Behelfsrechner da, wartend auf Ersatz für meinen langjährigen elektronischen Begleiter. Derweil wird die Arbeit nicht weniger, die zu bearbeitenden Bilder stapeln sich, und die Boundcon ist auch schon wieder am Wochenende. Die Herzdame kann berufsbedingt nicht mitkommen, Ausflüge meinerseits an die Küste sind auch ungewiss, und dazwischen könnte oder sollte ich auch noch Workshops und Privatstunden geben. Derweil sammeln sich Fotoideen im Kopf, interessante Locations im Notizbuch, und der mit aller Macht ausgebrochene Frühling schreit nach Outdoor-Shootings. Es bleibt spannend.
Nach mehr als einer Woche auf Achse bin ich wieder zu Hause – dank abgerauchten Rechners muss der ausführliche Bericht allerdings noch warten. Deshalb im Telegrammstil: Das Treffen mit Gleichgesinnten war sehr lustig und entspannt. Dortselbst ein paar der üblichen Verdächtigen getroffen, eine ganze Reihe interessanter Leute nach der virtuellen Bekanntschaft auch von Angesicht zu Angesicht kennengelernt und nebenbei die eine oder andere Vorstellung korrigiert, gut unterhalten, etliche Bilder an ungewohntem Ort gemacht, und zum ersten Mal eine Dame öffentlich fliegen lassen. Anschließend im Sauseschritt zur Herzdame. Urlaub dort natürlich zu kurz, dennoch das Wetter ausgenutzt, viel (nicht nur Einschlägiges) unternommen und bei mehreren Fotografen im Studio vorbeigeschaut, dort mit Seil und anderen Dingen improvisiert – zum Teil mit Workshop-Charakter – und ein paar Mal selbst auf den Auslöser gedrückt. Bilder sind in Arbeit, detailliertere Darstellung dito.
Schon Anfang Juli 2009 habe ich in diesem Blog das vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) initiierte Projekt „web-patrol“ erwähnt und dabei sowohl die reichlich fragwürdige Aufforderung angesprochen, über diese „Notrufsäule“ per Mausklick „abweichendes Verhalten“ zu melden, wie auch das anscheinend vom Marvel-Superhelden Silver Surfer direkt durchgepauste Logo. Nachdem sich der BDK im Zuge der aktuellen Zensur-, pardon, „Jugendschutz“-Debatte erneut mit einer hirnfreien Pressemeldung zu Wort gemeldet hatte, wurden auch eine ganzeReiheandererLeute auf diese beiden Punkte aufmerksam.
Angesichts der unerwarteten Aufmerksamkeit reagierte der BDK in der Art des Ministeriums für Wahrheit: Die totalitär klingende Passage verschwand ebenso kommentarlos von der BDK-Website wie das „web-patrol“-Logo, und das Blog zum Blockwart-Tool wurde gleich auf das Kubrick-Standardtemplate von Wordpress zurückgesetzt, weil im ursprünglichen Design anscheinend nicht nur das Logo von Marvel, sondern auch noch das Hintergrundbild von Apple stammte. Immerhin sind einige enthüllende Kommentare nach wie vor online. Noch.
Auch wenn es in anderer Hinsicht knarzt – Ostern war schön und erholsam. Die Anreise zog sich etwas, zumal ich arbeitsbedingt später als erhofft loskam und erst ein gutes Stück zwischen Mitternacht und Morgen mein Ziel erreichte. Nach einer kurzen Nacht und der langen Zeit seit dem letzten Treffen waren Seile und andere Nettigkeiten naturgemäß ein Thema. So durfte sich die Dame zu Fotozwecken entsprechend eingewickelt unter der Dusche für den Tag erfrischen.
Der Karfreitag ließ sich weiterhin sehr entspannt an, nebenbei kamen auch die Handschellen zum Einsatz, um die Gastgeberin vom weitergehenden Ankleiden abzuhalten. Schließlich lockte uns die Sonne doch noch in den Park – das erste gemeinsame Eis draußen, Frühlingsluft schnuppern und die neue Kamera ausprobieren.
Am Abend war dann anderes Ausprobieren angesagt: Wir durften Studio und Kostümfundus eines mit der Herzdame befreundeten Fotografen nutzen. So entstanden mehrere Shibari-Variationen, ein paar heftigere Fotos, aber auch einige Blödelbilder mit einer erst springlebendigen, dann wohlverpackten – aber immer noch hüpfenden – Cheerleaderin sowie beim Herumalbern mit Wäscheklammern.
Dem Osterfest angemessen gab es beim familiären Osterbrunch Lamm, Kaninchen, Rehlein und andere kleinere und größere Tiere nebst passenden Beilagen, Vor- und Nachspeisen. Die ausgedehnte Tafelei hielt uns allerdings ebenso wenig wie die anschließende Besuchstour davon ab, die Abendstunden für Einschlägiges zu nutzen. So entstand unter anderem eine kleine Serie mit einer Damsel in Distress beim Versuch, das Telefon zu erreichen.
Bondage & Co. spielten nicht nur für Fotozwecke eine Rolle, und es ergab sich, dass die Begünstigte schließlich am Ostermontag mit sichtbaren, doch anscheinend unbemerkten Seilspuren zum Kaffeetrinken bei der Verwandtschaft auflief. Und dann tauchte da an unerwarteter Stelle noch ein Gleichgesinnter auf.
Der Titel dieses Eintrags ist ein Zitat aus diesem lesenswerten Rant von Besim Karadeniz und der Grund, warum ich mich abermals mit einem ungeliebten Thema beschäftige, statt mich angenehmeren Dingen zu widmen: Die bisherigen nationalen Bestrebungen, das Internet unter dem Deckmäntelchen der Bekämpfung von Kinderpornographie unter Kontrolle zu bringen, haben sich jetzt auf EU-Ebene verlagert:
„It has come to our knowledge that European commissioner for home affairs, Cecilia Malmström will propose a filtering system of Internet web sites for all of the union member states.
This system has been deployed in many places already; in China they call it “The Golden Shield”, in Australia it filters out women with small breasts, and in Iran it prevents civil rights groups to use the Internet. Even though it can be circumvented easily, it still cuts off large parts of the populations from accessing information.
Once deployed, in the name of fighting paedophilia online, this block filter will rapidly extend to also block political, religious or other sensitive information.
Europe will no longer be an open society if there is state censorship. No matter how horrible the content of certain websites is, censorship is a method for despotic regimes, not for democracies. Censorship is an easy way out if you don’t want to deal with the real problem and lowers the incentive for authorities to get to the cause of child pornography. You will not find the solution by censoring our communication networks; censorship just treats the symptoms. People that really want to communicate with each other will always find methods to circumvent the control systems. The censorship that you propose will primarily affect internauts using plaintext communication networks.“
„Der Vorschlag steht aus folgendem Grund im Einklang mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit:
Die Richtlinie beschränkt sich auf das zur Erreichung dieser Ziele auf europäischer Ebene erforderliche Mindestmaß und geht nicht über das dazu erforderliche Maß hinaus.“
Und natürlich kann keine Behauptung zu durchsichtig oder dämlich sein, um nicht von ahnungslosen Medienvertretern bzw. Dummschwätzern nachgeplappert zu werden. Wenigstens findet sich selbst dort der eine oder andere Kollege, der den Urhebern ihren Unfug um die Ohren haut.
Längst widerlegte Behauptungen werden zu diesem Anlass wieder aus der Versenkung geholt, wohl in der Hoffnung auf das kurze Gedächtnis der Massen:
„Richtig viel Hüttenkäse präsentiert Manfred Weber, CSU-Politiker aus Bayern und stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion. Auch ein Name, den man quasi noch nie gehört hat und das auch gar nicht so wichtig ist. Aber das Interview, dass Manfred Weber heute morgen in WDR5 losgelassen hat, ist hörenswert, wenn auch unter Schmerzen. Denn darin behauptet der gute Mann unter anderem doch tatsächlich, dass Serverstandorte mit kinderpornografischen Inhalten in der Ukraine stünden und in – Afrika. Für Ursula von der Leyen war die Kinderpornohochburg schlechthin immerhin noch Indien.“
Das aus Unkenntnis oder Kalkül lautstark demonstrierte Gutmenschentum verdeckt die realen Gefahren von mission creep und slippery slope, die diesen Initiativen innewohnen. Dass ausgerechnet die Innenministerin des Zensurvorreiters Deutschland jetzt dieses Vorhaben kritisiert, sollte unabhängig von der persönlichen Integrität von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger niemanden in Sicherheit wiegen: Während der designierte Vorsitzende der deutschen Enquete-Kommission zu „Netzpolitik und digitale Gesellschaft“, Axel E. Fischer, vor allem durch völlige Ahnungslosigkeit auffällt, sind die Zensurmöglichkeiten des in bestem Neusprech betitelten „Zugangserschwerungsgesetzes“, mit dem heute keiner seiner Urheber mehr etwas zu tun haben will, in diesem Staat durch die Hintertür des neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrages wieder eingeführt worden:
„Die Behauptung von Kurt Beck, die ‚Freiheit erwachsener Internetnutzer’ werde mit dem Gesetz nicht angetastet, ist so offensichtlich falsch, dass man sich die Frage stellen muss, ob Beck falsch informiert wurde oder den Leser bewusst in die Irre führt. Denn der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag enthält nicht nur Regelungen zu absolut ‚unzulässigen Angeboten’, die – ergänzend zu bestehenden strafrechtlichen Regelungen – auch Erwachsenen verwehrt sind. Zusammen mit dem Rundfunk-Staatsvertrag besteht weiterhin die Möglichkeit von Internet-Sperren: die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) kann Internet-Zugangsanbieter verpflichten, ausländische Webseiten zu blockieren – ähnlich wie dies auch im umstrittenen Zugangserschwerungsgesetz vorgesehen war.“
Wer auch nur etwas Ahnung hat, kann nicht umhin, Autor Alvar Freude zuzustimmen, für den die neue Regelung „vollkommen untauglicher Unfug“ ist:
„Aber für Politiker wie Kurt Beck, die das Internet nur von Papier-Ausdrucken kennen, ist es ja nur eine technische Regulierung. Sie verstehen nicht, dass mit einer inhaltlichen Vorabkontrolle ein großartiger sozialer und kultureller Raum zerstört und gleichzeitig nichts für den Jugendschutz erreicht wird.“
„Und wenn man Eins und Eins zusammenzählt, wird man schnell zum Ergebnis kommen, dass das alles hanebüchener Schwachsinn ist, der vorne und hinten nicht funktioniert, außer wenn man seinen Kindern die Geschichte verkaufen will, dass das Internet nur aus zwei Handvoll Webservern besteht und die Kinder nirgendwo anders, wo es möglicherweise keinen Pfui-Filter gibt, ins Internet kommen.
Ein murksiger und handwerklich schlecht gemachter Staatsvertrag mehr im Land, ein zusätzliches weiteres Hintertürchen, um vielleicht in einigen Jahren mit einer Verschärfung des Jugendschutzes ein staatliches Filtersystem durchzupauken und eine weitere netzpolitische Aktion, die zeigt, dass die Politik vom Medienwandel so ziemlich gar nichts mitbekommen hat.“
„Sollten sich die Sittenwächter unserer Zeit tatsächlich mal an Wikipedia-Artikeln wie ‚Vul**‘1 stören, müsste ich ggfs. auch den Band VAH-WEHL des Brockhaus aus dem Regal nehmen, um unsere Jugend vor unchristlichen Ferkeleien zu schützen. Der Band wird nur nach Vorlage des Personalausweises ausgehändigt.
Wenn man nach all dem Stress der letzten Wochen endlich Licht am Ende des Tunnels sieht, ist es natürlich ein Zug, der einem entgegen kommt. Momentan kommt mal wieder alles zusammen, sämtliche Pläne wackeln, und dazu auch noch beruflich gehäuft Ärger. Langsam nicht mehr feierlich.