Samstag, 19. September 2009

Alle Mann an Deck!

Diesmal aber rechtzeitig: Heute ist Talk Like A Pirate Day, auch für Landratten – wer sich nicht auskennt, soll üben und nochmal üben. Papageien und Holzbeine sind optional, die Augenklappe darf gerne auch in doppelter Ausfertigung an eine(n) Begünstigte(n) nach Wahl abgegeben werden. Ansonsten laden Enterhaken, Wanten, Belegnägel, Klampen und Tauwerk zu einschlägigen Vergnügungen ein. Rum für mich, die Katze für Begünstigte.

Anmerkung am Rande, da das Thema gerade doppelt nahe liegt: Ein paar Steuermänner der deutschen Piraten haben gerade das Ruder so hart steuerbord gelegt, dass die Brigg zu kentern droht, und halten fröhlich auf die Klippen zu. Avast! Klar zur Halse!

Und nun zurück zum regulären Programm.

Sonntag, 13. September 2009

Uniformen und Empörung

Auf der Party am vergangenen Wochenende lief auch ein interessantes Trio auf: Die Dame von der Frisur bis zu den Schuhen im mit viel Liebe zum Detail gestalteten 40er-Jahre-Look, ihre beiden Begleiter in dunklen Uniformen, deren historische Inspiration erkennbar war, und alle drei spielten ihre Rollen.

Das Setting war klar, die Epoche auch, doch wohlgemerkt: Die beiden Herren trugen letztlich Fantasieuniformen, verziert mit Accessoires unterschiedlichster Epochen und Armeen und eben nicht mit authentischen Hoheits- und Rangabzeichen der Wehrmacht oder gar der SS. Ihr Auftreten entsprach zudem mehr Hollywood-Konventionen denn historischer Genauigkeit, und den ganzen Abend hindurch entstand definitiv nicht der Eindruck, dass da Neonazis eine Party für die Zurschaustellung ihrer Gesinnung nutzten.

Einem anderen Gast war das offensichtlich dennoch zu ungemütlich – er meinte SS-Totenkopfabzeichen auf den Mützen gesehen zu haben und startete im Nachklang der Party einen Beschwerdethread, wo er nachdrücklich auf der Nazis-Raus-Schiene fuhr, auch wenn die Ziele des Zorns gar keine Nazis sind, sondern in seinen Augen so aussahen.

Angesichts des Images, das die BDSM-Szene in der Öffentlichkeit vielfach noch hat, ist es verständlich, dass jemand in Sachen Außenwirkung nicht auch noch mit Massenmördern und deren Helfershelfern in einen Topf geworfen werden will. Wenn aber Godwins Gesetz schon den Ausgangspunkt bildet, ist eine Debatte eher schwer zu führen. Abgesehen davon, dass ein Totenkopf eben nicht zu den verbotenen Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gehört, weil er nicht auf die SS beschränkt war und seine Verwendung als Uniformemblem eine wesentlich längere Geschichte hat: Es kommt auch immer auf den Kontext an.

Würde ich eine Party in einer Südstaaten-Uniform besuchen, dann nicht nur des Schnittes und der bunten Biesen wegen, sondern auch, weil der Subtext „Sklavenhalter“ zum Anlass passt. Und das, obwohl ich Sklaverei als reales Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell nicht für erstrebenswert halte. Jedoch würde ich es reichlich bedenklich finden, wenn ein Arbeitskollege im Alltag mit „Meine Ehre heißt Treue“ auf der Gürtelschnalle oder anderen NS-Devotionalien auflaufen würde.

Aber: Die Party war eine Veranstaltung von Gleichgesinnten für Gleichgesinnte, kein öffentlicher Auftritt. Die Uniformen und Accessoires bewegten sich, soweit ich das sehen konnte, im Rahmen der geltenden Gesetze und der Vorgaben des Veranstalters. Klar ist natürlich, dass im Spiel von B & D, D & S, S & M die Faszination des Bösen eine große Rolle spielt – und was repräsentieren Nazis anderes als das ultimate Böse in schicken Uniformen? Das Böse ist sexy, und nicht erst seit dem Nachtportier ist das auch in der Szene Thema.

Eindrucksvoll hat dieses allgemeine, nicht auf die Szene beschränkte Faszinosum der polnische Konzeptkünstler Piotr Uklanski mit seinem Projekt „Die Nazis“ gezeigt. Getreu seiner Intention, Gegenständen durch neuen Kontext neue Bedeutungen zu verleihen, hat er 1998 164 Fotos von Schauspielern in Nazirollen – von Video-Covern, Filmplakaten und Standfotos – in einem großen Fries zusammengestellt. Dass das Ausstellungsplakat mit Klaus Kinski in SS-Uniform zu einem der meistgestohlenen Museumsplakate wurde, spricht Bände, ebenso die Aufregung, die das Projekt bei seiner Präsentation in mehreren Städten in aller Welt erregte. Der sexuell-fetischistische Aspekt der hollywood-gefilterten Nazis und von Uniformen an sich, den Susan Sontag bereits 1974 beschrieb, springt dem Betrachter bei Uklanski ins Gesicht.

So sind Anklänge an die einschlägige Symbolik in der Szene so verständlich wie umstritten. Darf man mit dem Entsetzen, vor allem mit diesem, Scherz treiben? Charlie Chaplin, Ernst Lubitsch, Mel Brooks und Quentin Tarantino etwa haben diese Frage mit Ja beantwortet. Sie haben freilich die Bösen vom Sockel gestoßen, während das Machtgefälle in einer Session doch eher vom Uniformträger abwärts geht.

Dennoch: In der Szene sollte es mit der Political Correctness nicht zu weit gehen. Eine dunkle Uniformjacke macht noch keine SS-Uniform und ihren Träger nicht zum Nazi. Wer hier prophylaktisch die Zäune zu weit nach draußen setzt, hat bald alle Hände voll zu tun. In Zeiten der Kinderpornohysterie und Gesetzen, die „Scheinjugendlichkeit“ zum Straftatbestand machen, sind etwa die auch auf besagter Party mehrfach vertretenen Schulmädchen im kurzen Rock gleich die nächsten Ziele – nicht dass die Szene sich als Pädophilenhaufen verunglimpfen lassen muss.

Donnerstag, 10. September 2009

Gefährliche Damen und Damen in Gefahr

Als kleines Update zu den bisherigen Damen in Bedrängnis: Robert A. Maguire war in den 50er und 60er Jahren ein stilbildender Schöpfer von Titelbildern für Pulps und Paperbacks. Bei R. A. Maguire Cover Art ist eine erkleckliche Auswahl seiner Bilder zu sehen. Auch wenn er für seine Femmes fatales auf den Covern von Noir-Romanen berühmt wurde, ist natürlich das eine oder andere einschlägige Motiv darunter.

Dienstag, 8. September 2009

Wochenend statt Sonnenschein

Klassische Pose

Wie befürchtet, ist das Outdoor-Shooting am vergangenen Samstag an den Witterungsbedingungen gescheitert. Zwar hatte es aufgehört zu regnen, und die eine Location war sogar erstaunlich trocken. Die Sonne wagte sich jedoch erst spät am Nachmittag heraus, und so war es draußen einfach zu kalt für ausgedehnte Fotoserien mit einer eher luftig gekleideten Begünstigten. Also griff Plan B, und wir haben stattdessen Bilder im Studio gemacht.

Natürlich war wieder einmal die Zeit zu kurz für alles, dennoch haben wir ein paar sehr interessante Fotos zusammengebracht und uns dabei blendend unterhalten. Die Begünstigte und ihr Mann sind für jeden Unfug zu haben, und so sind ein paar Bilder entstanden, die gängige BDSM-Klischees auf den Arm nehmen. Aufgrund der Erkennbarkeit der Abgebildeten gibt es die an weniger öffentlicher Stelle zu sehen.

Am Abend ging es dann zu einer einschlägigen Party. Ernüchtert von früheren Erfahrungen, war ich positiv überrascht: Erfreuliches Ambiente, gute Musik von Jazz und Swing bis Peter Fox und Iggy Pop, sehr entspannte Gäste, keine auffälligen Glotzer und pfauenradschlagenden Selbstdarsteller, die nur hochoffiziell spielen, wenn auch wirklich alle gucken, dafür quer durch Altersstufen, Spielarten und Geschlechter ein vielfältiger und schillernder Kreis. Leider war ich mangels ausreichend Schlaf in den Nächten zuvor nicht ganz so fit, wie ich wollte – aber der nächste Termin ist schon mal vorgemerkt.

Zwiespältige Gefühle hat bei mir allerdings einer der eingeladenen Künstler hinterlassen. Er hängte seine Begleiterin – halb Spiel, halb Vorführung, so schien es – zu fortgeschrittener Stunde an einen Haken. Technisch sauberes Shibari, schnell durchgeführt. Doch dann begann er die wohlverschnürt baumelnde Dame herumzudrehen und ausgreifend zu schaukeln, direkt neben dem Durchgang von einem Raum zum anderen, während ständig Leute mit brennenden Zigaretten oder Gläsern in den Händen vorbeikamen. Es blieb nicht bei Beinahekollisionen, passiert ist zum Glück nichts. Jeder spielt anders; mir wäre unwohl, ließe ich eine Begünstigte unter solchen Umständen so fliegen.

Freitag, 4. September 2009

Überraschung! Überraschung!

Alles bleibt anders: Heftige Niederschläge drohen das geplante Outdoor-Shooting davon zu spülen, zumal die Hauptbegünstigte eine gewisse Kälteempfindlichkeit signalisiert hat. Wir treffen uns dennoch, entscheiden ad hoc, was wir machen, und verlegen schlimmstenfalls die Veranstaltung nach drinnen. Mal sehen, was aus der Entführungsgeschichte wird.

Derweil kündigt sich eine andere Fotogelegenheit aus einer unerwarteten Ecke an. Eine Dame, der ich schon vor längerer Zeit meine Dienste angetragen habe, hat gestern diesbezüglich angefragt. Angedacht sind unterschiedlichste Motive, nicht nur, doch durchaus auch einschlägiger Art. Ideen haben wir jenseits von Mitternacht noch durchgehechelt, und heute Morgen kamen mir noch ein paar Einfälle, die sich hoffentlich an Ort und Stelle umsetzen lassen. Licht! Schatten! Drama!

Donnerstag, 3. September 2009

Shooting on Location

Wenn alles klappt, werde ich am Wochenende dank eines überraschenden Angebots wieder einmal einschlägige Bilder machen. Geplant sind Fotos in freier Wildbahn, je nach Lust, Laune und Wetterlage an bekannten und unbekannten Orten. Die Beteiligten sind zu mancher Schandtat bereit, einige Ideen haben wir schon gesammelt.

Missverständnis

Ein kleiner Insider für Zwischendurch: So kann’s gehen, wenn man Szenen und Begrifflichkeiten noch nicht so ganz verinnerlicht und keine Antenne für CYA-Euphemismen des gemeinen Ebay-Verkäufers hat.