Sonntag, 22. März 2009

Risiko, Vertrauen und Selbstvertrauen

Das Treffen vor kurzem wurde vom ersten Gespräch gleich zur Bondage-Einführung. Dies hat mich wieder einmal dazu gebracht, mich mit dem dafür nötigen Vertrauen auf beiden Seiten zu befassen. Aber gerade sehe ich: Clu hat bereits einen sehr lesenswerten Artikel zu diesem Thema geschrieben.

Samstag, 21. März 2009

Ölsardinen

Gut geschmiert: Handschellen, Fußfesseln und Daumenschellen

Ein wenig Frühjahrsputz: Heute habe ich einen Teil der diversen Armreifen und Fußkettchen in WD-40 eingeweicht, das Wunderöl ein wenig wirken lassen und nachpoliert. Jetzt flutschen Schlösser und Rasten wieder.

Sonntag, 15. März 2009

Kleine Starthilfe

Ungeplant entwickelte sich heute ein unverbindliches Vorabtreffen dank Zeit, Lust und Vertrauen auf beiden Seiten zum Privatissimum mit einer Novizin. Die Dame hatte bislang keine Bondage-Erfahrung, doch große Neugier, wie es sich anfühlt, in den Seilen zu hängen, und wie weit Vorstellungen und Realität sich decken. In einigen – viel zu kurzen – Stunden durfte ich ihr einen ersten Eindruck vermitteln.

Nach einer kleinen Demonstration von Seil und Knoten an den Handgelenken mit ihren Händen parallel und gekreuzt vor dem Bauch ging ich in die Vollen. Aus Händen auf dem Rücken und einer Shinju-Variation ergab sich ein Ushiro Takate Kote. Nach kurzer Pause kam ein Karada als Grundlage, an den ich erst die Hände der Begünstigten sicherte, um dann einen Ebi darauf aufzubauen. Die westliche Schule repräsentierte ein klassischer Hogtie ebenso wie John Willies berühmter G-String-Tie. Nebenbei fand sich Zeit für Spielereien wie den Handcuff Knot und einige Gespräche zu Erfahrungen in der Szene, Auseinandersetzung mit der eigenen Neigung und nicht zuletzt den Gefühlen in der Umarmung der Seile.

Es war faszinierend und schön zu sehen, wie sie an die Bondage hinspürte, genoss, sich freute und erfreute und immer wieder in breites Grinsen oder glückliches Lachen ausbrach. Ebenso großer Lohn war das Vertrauen, das sich jedes Mal in ihrem „Mach mal“ äußerte, wenn ich fragte, ob sie dieses oder jenes ausprobieren wolle.

Da wir das Thema ob der Kürze der Zeit nur anreißen konnten, bin ich gespannt auf eine Fortsetzung – und zuversichtlich, dass die Dame einer Vertiefung der Eindrücke nicht abgeneigt ist.

Sonntag, 8. März 2009

Echter als die Realität

Erst neulich entdeckt: Bereits 2006 hat der in London lebende Designer Björn Franke mit Traces of an Imaginary Affair einen Werkzeugkoffer entworfen, mit dem sich Spuren einer heißen Affäre simulieren lassen. Inspiriert wurde Franke durch Menschen, die Missbrauch oder Krankheiten erfinden, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten und solche, die ihre Partner zur Eifersucht anstacheln, um die Stabilität ihrer Beziehung zu testen.

Viele BDSMer haben ja eine Schwäche für gut gestaltete und verarbeitete Spielwaren, und der Inhalt der Holzkassette passt ideal zu dieser Vorliebe. Die in passgenauen Vertiefungen ruhenden Werkzeuge ermöglichen es, sich mit Biss- und Fesselspuren, Kratzern, Abschürfungen und Knutschflecken zu verzieren. Für das passende Gesamtbild gibt es Parfüm, Lippenstift und Haare zum Auftragen auf Haut und Kleidung. Die Geräte würden sich auch sehr gut in die eine oder andere Session einbauen lassen.

Das Affären-Set ist nicht die einzige einschlägig konnotierte Arbeit Frankes. Freunde von Atemkontrolle könnten am Pace Maker Gefallen finden, und wer auf Psychospiele steht, darf die Panic Box testen.

Update 09.01.2012: Links aktualisiert.

Internationaler Frauentag

Heute. Mal sehen…

  • Frau verschnürt: Check.
  • Frau verhauen: Check.

Ich liebe es, Wünsche zu erfüllen, die allen Beteiligten Freude bereiten.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Faschings-Nachlese

Wenn sich beim Biss in einen Krapfen der Muskelkater im Kiefer der Begünstigten massiv meldet, hat das einen Grund.

Sonntag, 22. Februar 2009

Wann ist man Experte?

Da ich sowohl Bondage als auch Fotografie schon einige Zeit betreibe, werde ich hin und wieder in Sachen Knoten, Positionen oder Kameratechnik und Lichtführung um Rat gefragt. Ich gebe dann gerne Auskunft und kann zuweilen sehr apodiktisch sein. Doch obwohl ich auf Basis meiner Erfahrungen spreche, habe ich angesichts dessen, was andere auf diesen Gebieten können, nicht selten Zweifel: „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“

In anderem Zusammenhang bin ich vor kurzem auf Jeff Atwoods Artikel Are You an Expert? gestoßen. Atwood fasst die Quintessenz eines Experten in zwei Maximen zusammen:

  1. Stell alles in Frage, zuerst Dich selbst.
  2. Sei nicht der Typ, der allen erzählt, was sie zu tun haben, sondern sei der Typ, der alle Fragen stellt.

Für ihn ist ein Experte jemand, der sein Wissen flexibel und situationsbezogen anwenden kann, weiß, welche Fragen er stellen muss und vernünftige, kontextbezogene Anweisungen geben kann.

Atwood bezieht sich auf James Bach, der mit How I learn stuff seit kurzem auch ein Blog zum Thema Kompetenzerwerb und persönliche Expertise betreibt. Bach geht angelehnt an klassische Modelle von einem kontinuierlichen Lernprozess aus, der über vier Erkenntnisstufen führt:

  • Stufe 0: Überwinden der Unbewusstheit bzw. Ignoranz – man begreift, dass es etwas zu lernen gibt.
  • Stufe 1: Überwinden der Schüchternheit – man spürt, dass man etwas über ein Thema lernen oder eine Fähigkeit erwerben kann. Man weiß genug darüber, um sich nicht mehr von Leuten einschüchtern zu lassen, die mehr wissen als man selbst.
  • Stufe 2: Überwinden der Zusammenhanglosigkeit – man fühlt sich nicht länger als Blender, sondern kompetent genug, um das Thema zu diskutieren oder die Fertigkeit auszuüben. Die eigenen Aussagen entsprechen dem, was man tatsächlich zu wissen glaubt.
  • Stufe 3: Überwinden der Kompetenz – man fühlt sich eher konstruktiv selbstkritisch als selbstzufrieden „gut genug“. Man riskiert Neues, entdeckt, lehrt, fordert sich selbst heraus und will sich mit anderen begeisterten Fachleuten aus diesem Gebiet austauschen.

Die meisten von Bachs Empfehlungen für frischgebackene Experten kann ich nur unterstützen, selbst wenn Bach sie auf sein Fachgebiet bezieht und nicht das Knotenknüpfen an Begünstigten im Sinn hat:

  • Üben, üben, üben!
    der Königsweg auch in Sachen Bondage.
  • Verwechsle nicht Erfahrung mit Expertise
    Ansonsten gerät man schnell auf Abwege.
  • Trau keinen überlieferten Weisheiten – aber mach Dich dennoch mit Ihnen vertraut
    Wichtig, um tradierte Mythen kritisch unter die Lupe nehmen und entkräften zu können.
  • Nimm nichts auf Treu und Glauben. Gib die Kontrolle über Deine Methodik nicht aus der Hand.
    Auch hier: kritische Prüfung sorgt für Sicherheit und Verständnis.
  • Kümmere Dich selbst um Deine Weiterbildung, niemand sonst wird es tun.
    Gut, auf den professionellen Bereich abgehoben – aber auch auf unserem Spielfeld von Bedeutung, und aus Respekt vor dem Gegenüber und dessen Unversehrtheit bei einer Session ist es unabdingbar, sich kundig zu machen.
  • Reputation = Geld. Bau Dir einen Ruf auf und schütze ihn.
    Auch wenn man kein Geld damit verdienen will: Reputation ist gerade online eine wichtige Währung, und die Szene selbst ist so übersichtlich und vernetzt, dass ein guter oder schlechter Ruf schnell weithin bekannt sind. Man sollte die Meinung Dritter nicht unterschätzen – und auch nicht Vehemenz und Verbreitungsgeschwindigkeit böser Gerüchte.
  • Hör nicht auf, Quellen, Materialien und Werkzeuge zu sammeln.
    Im Klartext: Bleib neugierig und verschaff Dir Hintergrundwissen; schadet nie und kommt dem Gegenüber ebenso zugute wie dem Spielspaß.
  • Lege Deine Standards und Ethik fest.
    Und halte Dich daran.
  • Vermeide Zeugnisse und Zertifizierungen, die die Fertigkeit trivialisieren.
    Man wird nicht per Urkunde zum Nawashi oder Dom, sondern dadurch, dass man tut, was man kann, und sein Können stetig ausbaut.
  • Pflege den Umgang mit anspruchsvollen Fachkollegen
    Lerne von anderen Experten, auch wenn es anstrengend ist. Für den Bereich Bondage und BDSM nicht nur wegen des Pappnasenfaktors manchmal schwer, doch wenn sich die Gelegenheit bietet – nutzen.
  • Schreib und sprich öffentlich und bleibe dabei immer wahrhaftig.
    Was nebenbei ein guter Weg ist, sich Reputation zu erarbeiten und andere Menschen mit wertvollem Wissen und interessanten Fertigkeiten kennenzulernen.

Insgesamt jedenfalls ein sehr sportliches Anforderungsprofil. Muss man sich das alles geben, nur um ein wenig Spaß mit Seil und Gerte zu haben? Sicher nicht. Andererseits hat ein wenig Expertise noch nie geschadet, um Sachen, die man gerne macht, besser und damit mit mehr Spaß und Lust auszuüben. Ich sehe für mich doch in einigen Bereichen Nachholbedarf und in den Maßstäben einen guten Wegweiser.