Sonntag, 5. Dezember 2010

Backwahn

Heute habe ich mich überwiegend in der Küche herumgetrieben, wenn auch nicht mit einschlägigen Absichten und Zielpersonen. Damit es jahreszeitlich und beim Thema bleibt, möchte ich deshalb noch einmal auf die Domina-Steine hinweisen. Am gleichen Ort gibt es auch Rezepte für Liebeskugeln und Spitze Schokohügel – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ansonsten besteht ja noch die Möglichkeit, die selbstgebackenen Plätzchen entsprechend zu verzieren.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Der Mann in Rot ist zurück

Es ist wieder einmal soweit: Nach einigen Fingerübungen in den vergangenen Jahren geht das Team von Rare Exports in die Vollen und stellt den Glauben an den Weihnachtsmann in Spielfilmlänge wieder her.

Santa Claus, autentic. Nice price. Call us. – Rare Exports 2010

Korvatunturi Mountain Drilling Site Safety Instructions – Rare Exports 2010

Hohoho.

Dienstag, 30. November 2010

Freiheit war gestern

Diesen Artikel schiebe ich nun schon ein paar Tage vor mir her, weil ich eigentlich keine Lust habe, mich schon wieder mit diesem Thema zu beschäftigen. Allein es hilft nichts, die Situation wird nicht besser, wenn man wegsieht. Aktuell häufen sich wieder einmal in aller Welt und gerade in den westlichen Demokratien die Angriffe auf bürgerliche Freiheiten und allgemeine Grundrechte, mühsam kaschiert von hehren und staatstragenden Begründungen wie „innere Sicherheit“ oder „Kampf gegen den Terror“.

Da macht in England die Polizei ein kritisches Blog mit Demo-Tipps dicht und erhält künftig noch weitergehende Zensurrechte mit direktem Zugriff auf alle .uk-Domains. Fotografieren auf offener Straße oder die falsche Musik im iPod sind Anlass für polizeiliche Kontrollen, Drangsalierungen und selbst Hausdurchsuchungen bei Unschuldigen. Die allgemein geschürte Terrorpanik geht sogar so weit, dass Politiker laut darüber nachdenken, die Pressefreiheit einzukassieren. Gegen solchen Spuk erheben sich nicht erst seit gestern Stimmen der Vernunft:

Doch scheint es weniger die Angst vor tatsächlichen Attacken zu sein, die Populisten, Politiker, Lobbyisten und Meinungsmacher in den Medien vereint, als vielmehr die Angst, dass sich da jemand selbst ein Bild vom Weltgeschehen machen und auf eigene Gedanken kommen könnte. Es zeugt von einer gewissen Hilflosigkeit, Wikileaks auf eine schwarze Liste zu setzen und Links dorthin mit 11.000 Dollar Strafe zu belegen. Beim großen Zensurspiel mischen alle mit, egal ob Wirtschaft oder Politik, und selbst die EU-Gewerkschaften marschieren im Gleichschritt und fordern Überwachungs- und Filterinfrastrukturen, um Urheberrechtsverletzungen aufzuspüren.

Die dafür nötige Totalüberwachung der Online-Kommunikation einschießlich der übertragenen Inhalte per Deep Packet Inspection wird in bester Orwell-Tradition als freundlicher Dienst am Kunden verkauft, und auch die umstrittenen Körperscanner sind ja nichts anderes als eine „schnellere und angenehmere“ Variante der Sicherheitsüberprüfung.

Jemand wie der Abgeordnete Axel E. Fischer, immerhin Vorsitzender der deutschen Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft, der ein „Vermummungsverbot im Internet“ fordert und sich auch sonst unglaublich netzaffin zeigt, ist nur auf den ersten Blick eine Witzfigur, denn am Ende seines Gedankengangs steht der völlig gläserne Netzbürger.

Jeder Anlass ist gut genug, stärkere Überwachungsmaßnahmen und Einschränkungen zu fordern. Wenn einem gar nichts anderes mehr einfällt, kann man selbst wider besseres Wissen und im Widerspruch zu Forschungsergebnissen den Joker „Kinderporno“ aus dem Ärmel ziehen.

So nimmt es nicht Wunder, wenn Politiker bar jeder Logik Unfug fordern wie die Zwangsfilterung „unangemessenen“ Materials auf Providerebene mit namentlicher Opt-in-Lösung und dabei grenzüberschreitend das Kind mit dem Bade ausschütten.

Besonders wilde Blüten treiben solche Ideen in Deutschland, wo mit einer bemerkenswert merkbefreiten Arroganz das globale Medium Internet mit Hilfe des neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) zum national eingezäunten Kindernet ohne scharfe Kanten und verschluckbare Kleinteile zurechtgestutzt werden soll. Wie schon bei der Diskussion um die .xxx-Domain lohnt sich jenseits der „Denkt doch an die Kinder“-Rhetorik ein Blick hinter die Kulissen, wer denn von solchen neuen Regeln profitiert – „Follow the money“:

Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass sich wohl so mancher Verfechter der neuen Vorschriften jene Zeit zurückwünscht, in der Paul Sethe so apodiktisch wie treffend formulieren konnte: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“

Einen Vorgeschmack dessen, was die nahe Zukunft bringen kann, gibt der Fall des Künstlers Christian Kaiser, der für sein Online-Kunstprojekt „Heroin Kids“ ein happiges Bußgeld kassierte, weil man in Bayern (ja, genau da) befand, seine in hartes Licht gesetzten Drogenwracks könnten Kinder und Jugendliche zur Nachahmung animieren und seien deshalb „sozialethisch desorientierend“.

Alles Anzeichen, dass Politiker jeglicher Coleur ebenso wie ihre Zuarbeiter nicht nur ahnungslos, rückgratlos oder skrupellos, sondern am besten alles zusammen sein sollten – oder, wie jemand vom Fach meint:

„(…) man wird den Verdacht nicht los, daß hier Legastheniker am Werke waren, die erst nach mehrfachen Anläufen ihr Jurastudium an irgendeiner C-Universität zu Ende gebracht haben.“

Alles Kandidaten für den Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis für völlig unqualifizierte Statements gegen das Informationszeitalter in Wort und Tat – Krampus, übernehmen Sie.

Montag, 29. November 2010

Shibari, alltagstauglich

Wieder einmal ein Beispiel, dass sich die einschlägigen Knotenkünste auch in ganz unverdächtigem Zusammenhang einsetzen lassen: Dieser freundliche Herr zeigt in seiner Videoanleitung, wie sich ein Seil als Alternative zur Laptop-Tasche einsetzen lässt. Stilistisch nicht aufregend, doch es wird deutlich, wie wichtig das Denken in Ankerpunkten für eine stabile Seilführung ist. Und wenn man so gerüstet ins Business-Meeting geht, hat man gegebenenfalls ein probates Mittel parat, um Verhandlungen in seinem Sinne zu beeinflussen.

Unausgeglichen

Gerade wieder etwas in Schieflage. Zu viel Ärger, der auf Körper und Gemüt schlägt, zu wenige Streicheleinheiten und zu viel Sehnsucht.

Sonntag, 28. November 2010

Werbung mit Damsel in Distress

Kleine Frage zwischendurch: Wer betreibt Imagewerbung in eigener Sache mit einer Frau, die gefesselt, geknebelt und mit verbundenen Augen auf einem Stuhl sitzend von ihren zwei Entführern in die Mangel genommen wird?

Na? Eine Idee?

Werbung mit Damsel in Distress, Ratebild 1

Ein Tipp: Niemand aus einschlägigen Kreisen.

Werbung mit Damsel in Distress, Ratebild 2

Wer könnte da wohl dahinter stecken?

Werbung mit Damsel in Distress, Ratebild 3

Es ist – Tusch! Blasmusik! – der Freistaat Bayern, der mit diesem Video auf den eigenen, natürlich in Weiß und Blau gehaltenen Youtube-Channel und die landestypischen Vorzüge hinweisen will. Und ja, das ist wohl ernst gemeint.

Satire wird immer schwieriger, weil sie von der Realität immer schneller überholt wird.