Mittwoch, 25. Februar 2009

Faschings-Nachlese

Wenn sich beim Biss in einen Krapfen der Muskelkater im Kiefer der Begünstigten massiv meldet, hat das einen Grund.

Sonntag, 22. Februar 2009

Wann ist man Experte?

Da ich sowohl Bondage als auch Fotografie schon einige Zeit betreibe, werde ich hin und wieder in Sachen Knoten, Positionen oder Kameratechnik und Lichtführung um Rat gefragt. Ich gebe dann gerne Auskunft und kann zuweilen sehr apodiktisch sein. Doch obwohl ich auf Basis meiner Erfahrungen spreche, habe ich angesichts dessen, was andere auf diesen Gebieten können, nicht selten Zweifel: „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“

In anderem Zusammenhang bin ich vor kurzem auf Jeff Atwoods Artikel Are You an Expert? gestoßen. Atwood fasst die Quintessenz eines Experten in zwei Maximen zusammen:

  1. Stell alles in Frage, zuerst Dich selbst.
  2. Sei nicht der Typ, der allen erzählt, was sie zu tun haben, sondern sei der Typ, der alle Fragen stellt.

Für ihn ist ein Experte jemand, der sein Wissen flexibel und situationsbezogen anwenden kann, weiß, welche Fragen er stellen muss und vernünftige, kontextbezogene Anweisungen geben kann.

Atwood bezieht sich auf James Bach, der mit How I learn stuff seit kurzem auch ein Blog zum Thema Kompetenzerwerb und persönliche Expertise betreibt. Bach geht angelehnt an klassische Modelle von einem kontinuierlichen Lernprozess aus, der über vier Erkenntnisstufen führt:

  • Stufe 0: Überwinden der Unbewusstheit bzw. Ignoranz – man begreift, dass es etwas zu lernen gibt.
  • Stufe 1: Überwinden der Schüchternheit – man spürt, dass man etwas über ein Thema lernen oder eine Fähigkeit erwerben kann. Man weiß genug darüber, um sich nicht mehr von Leuten einschüchtern zu lassen, die mehr wissen als man selbst.
  • Stufe 2: Überwinden der Zusammenhanglosigkeit – man fühlt sich nicht länger als Blender, sondern kompetent genug, um das Thema zu diskutieren oder die Fertigkeit auszuüben. Die eigenen Aussagen entsprechen dem, was man tatsächlich zu wissen glaubt.
  • Stufe 3: Überwinden der Kompetenz – man fühlt sich eher konstruktiv selbstkritisch als selbstzufrieden „gut genug“. Man riskiert Neues, entdeckt, lehrt, fordert sich selbst heraus und will sich mit anderen begeisterten Fachleuten aus diesem Gebiet austauschen.

Die meisten von Bachs Empfehlungen für frischgebackene Experten kann ich nur unterstützen, selbst wenn Bach sie auf sein Fachgebiet bezieht und nicht das Knotenknüpfen an Begünstigten im Sinn hat:

  • Üben, üben, üben!
    der Königsweg auch in Sachen Bondage.
  • Verwechsle nicht Erfahrung mit Expertise
    Ansonsten gerät man schnell auf Abwege.
  • Trau keinen überlieferten Weisheiten – aber mach Dich dennoch mit Ihnen vertraut
    Wichtig, um tradierte Mythen kritisch unter die Lupe nehmen und entkräften zu können.
  • Nimm nichts auf Treu und Glauben. Gib die Kontrolle über Deine Methodik nicht aus der Hand.
    Auch hier: kritische Prüfung sorgt für Sicherheit und Verständnis.
  • Kümmere Dich selbst um Deine Weiterbildung, niemand sonst wird es tun.
    Gut, auf den professionellen Bereich abgehoben – aber auch auf unserem Spielfeld von Bedeutung, und aus Respekt vor dem Gegenüber und dessen Unversehrtheit bei einer Session ist es unabdingbar, sich kundig zu machen.
  • Reputation = Geld. Bau Dir einen Ruf auf und schütze ihn.
    Auch wenn man kein Geld damit verdienen will: Reputation ist gerade online eine wichtige Währung, und die Szene selbst ist so übersichtlich und vernetzt, dass ein guter oder schlechter Ruf schnell weithin bekannt sind. Man sollte die Meinung Dritter nicht unterschätzen – und auch nicht Vehemenz und Verbreitungsgeschwindigkeit böser Gerüchte.
  • Hör nicht auf, Quellen, Materialien und Werkzeuge zu sammeln.
    Im Klartext: Bleib neugierig und verschaff Dir Hintergrundwissen; schadet nie und kommt dem Gegenüber ebenso zugute wie dem Spielspaß.
  • Lege Deine Standards und Ethik fest.
    Und halte Dich daran.
  • Vermeide Zeugnisse und Zertifizierungen, die die Fertigkeit trivialisieren.
    Man wird nicht per Urkunde zum Nawashi oder Dom, sondern dadurch, dass man tut, was man kann, und sein Können stetig ausbaut.
  • Pflege den Umgang mit anspruchsvollen Fachkollegen
    Lerne von anderen Experten, auch wenn es anstrengend ist. Für den Bereich Bondage und BDSM nicht nur wegen des Pappnasenfaktors manchmal schwer, doch wenn sich die Gelegenheit bietet – nutzen.
  • Schreib und sprich öffentlich und bleibe dabei immer wahrhaftig.
    Was nebenbei ein guter Weg ist, sich Reputation zu erarbeiten und andere Menschen mit wertvollem Wissen und interessanten Fertigkeiten kennenzulernen.

Insgesamt jedenfalls ein sehr sportliches Anforderungsprofil. Muss man sich das alles geben, nur um ein wenig Spaß mit Seil und Gerte zu haben? Sicher nicht. Andererseits hat ein wenig Expertise noch nie geschadet, um Sachen, die man gerne macht, besser und damit mit mehr Spaß und Lust auszuüben. Ich sehe für mich doch in einigen Bereichen Nachholbedarf und in den Maßstäben einen guten Wegweiser.

Samstag, 21. Februar 2009

Faschingsfolter

Die in diesem Fall nicht unbedingt Begünstigte einfach auf einem Stuhl festbinden und für die Übertragung des Rosenmontagszuges vor den Fernseher setzen. Dabei natürlich sicherstellen, dass sie die Augen aufhalten muss, und einen wirksamen Knebel, um nicht die Nachbarn mit gequälten Schreien zu verstören.

Samstag, 14. Februar 2009

Positionsbestimmung – jetzt interaktiv

Die bereits erwähnte Karte der menschlichen Sexualität ist um eine Facette reicher geworden: SymToys hat eine interaktive Version der Karte von Franklin Veaux ins Netz gestellt. Hier lassen sich mit verschiedenfarbigen Pins die Gebiete abstecken, die man schon erkundet hat, und jene, in die man eine Expedition wagen möchte. Das Ergebnis lässt sich speichern und als Link in die eigene Website oder in ein Profil einbinden, wenn man denn so viel preisgeben will.

Freitag, 13. Februar 2009

Fetisch-Mode für Trekkies

EveningArwens Star-Trek-KorsettNein, nicht Seven of Nines Catsuit oder T'Pols Samtoverall. EveningArwen hat sich von Star Trek TNG inspirieren lassen und ein Korsett im Farbschema der Borduniformen geschneidert. Laut Beschreibung ist es ein echtes Korsett mit Stahlversteifungen, die allerdings im Futter versteckt sind. Das Korsett ist für 200 Dollar in allen auf der Enterprise üblichen Farben erhältlich. Zumindest Freunde der ersten Serie dürften aus Sicherheitsgründen wohl kein rotes Exemplar wählen.

And now for something completely different.

Sonntag, 1. Februar 2009

Haben-Will-Lektüre

Cover The Beauty of KinbakuSchon wieder etwas für die Wunschliste: Unter dem Titel „The Beauty of Kinbaku“ hat Master „K“ sein Wissen über japanische Bondage zusammengefasst, basierend auf mehr als 30 Jahren Shibari-Praxis und vierjähriger Recherche. Das Buch könnte aufgrund seines umfassenden Ansatzes zur Bibel für alle einschlägig Interessierten werden, getreu des Werbespruchs: „Alles, was Sie schon immer über japanische erotische Fesselung wissen wollten, als Ihnen schlagartig klar wurde, dass Sie kein Japanisch sprechen.“

„The Beauty of Kinbaku“ zeichnet die Entwicklungsgeschichte des Shibari von seinen Anfängen als Kampfkunst, Polizei- und Foltertechnik bis zum erotischen Zeitvertreib und ästhetischen Konzept nach. Ein biographischer Abschnitt widmet sich Personen, die als Nawashis oder Illustratoren das moderne Shibari maßgeblich geformt haben. Seine eigenen Fertigkeiten ebenso wie die einiger Mitstreiter aus aller Welt präsentiert Master „K“ im umfangreichen Farbbildteil des Buches. An Anwender richten sich das Glossar, das alle gängigen Positionen erläutert, und ein Anleitungsteil, der die wichtigsten Basisfiguren Schritt für Schritt erklärt. Eine Bibliographie zu Praxis und Geschichte des Shibari rundet das Buch ab.

Die How-To-Bilder sind, soweit ich das aus der Website zum Buch sehe, eher nutzwertorientiert, wenn auch nicht so gruselig wie in Grimmes Bondage-Handbuch. Dafür rechtfertigen die großformatigen Farbfotos allein schon fast die Anschaffung (Beispielgalerie auf der Website, leider auf Windows Media Player ausgelegt).

Aktuell ist das Buch nur direkt über die Website zu ordern und kostet stolze 90 Dollar. Dazu kämen dann noch Versand, Zoll und Steuern – und dass als Bezahlmöglichkeit nur Paypal angeboten wird, ist für mich eher ein Grund, dort nicht zu bestellen. Falls jemand eine Bezugsquelle in Europa kennt: Bitte melden!

Samstag, 31. Januar 2009

Nachtgedanken

Müdigkeit und Einsamkeit sind auch bei einem guten Wein keine angenehmen Gesellschafter.