Sonntag, 2. September 2007

Die Erstausstattung

Jemand, der wie ich Bondage schon ein wenig länger und auch intensiver betreibt, schöpft normalerweise aus dem Vollen: Über die Jahre sammelt sich einfach viel an, und im Normalfall habe ich für die meisten Bondage-Situationen das richtige Fesselmaterial parat. Einsteiger stehen dagegen vor der Frage, mit was sie anfangen sollen. Zu viele einschlägige Utensilien auf dem Markt sind qualitativ miserabel, derb überteuert – der sprichwörtliche Perversenzuschlag – und im Zweifelsfall in ihren Einsatzmöglichkeiten beschränkt.

Auch wer in der ersten Entdeckerfreude nutzt, was ohnehin im Haushalt vorhanden ist, kann böse Überraschungen erleben. Wie die Plüschhandschellen kann auch hier das falsche Material die Freude am Fesseln dauerhaft vergällen. Seidenschals, Strümpfe bzw. Strumpfhosen, Krawatten oder Morgenmantel-Gürtel eignen sich prinzipiell zum Fesseln. Allerdings schneiden sie nicht nur schnell ein. Auch Knoten neigen hier dazu, sich so fest zu ziehen, dass sie nur noch mit scharfen Werkzeugen zu öffnen sind. Die Paketschnur aus der Küchenschublade oder die Wäscheleine aus dem Keller leiden unter den selben Nachteilen, zudem können sie je nach Qualität im falschen Moment reißen.

Die beste Basis für eine Bondage-Ausrüstung ist ausreichend stabiles, ausreichend dickes Seil in ausreichender Länge. Was dabei „ausreichend“ ist, ist in der Szene durchaus umstritten, ebenso wie das „richtige“ Material. Natürlich habe ich selbst zugerichtetes, geöltes Hanfseil in meinem Bestand. Aber auch wenn die Puristen jetzt aufschreien: Für den Anfang tut es ganz normales Kunststoffseil aus dem Baumarkt. Das ist praktisch sofort einsatzbereit, leicht zu beschaffen und geht auch in größeren Mengen nicht ungebührlich ins Geld – große Vorteile, wenn man in Bondage erst einmal reinschnuppern will oder eine verwickelte Situation mit einem beherzten Schnitt durch das nagelneue Seil auflösen muss.

Bewährt hat sich meiner Erfahrung nach geflochtenes Polypropylen-Seil mit einer Dicke von 6 mm. PP-Seil, weil es einigermaßen robust ist und auch in Sachen Witterungsbeständigkeit Vorteile gegenüber anderen Materialien bietet. Geflochten, weil sich das Seil so geschmeidiger legen und knoten lässt. Außerdem sieht es meiner Meinung nach schöner aus als geschlagenes Kunststoffseil dieser Dicke, bei dem die Furchen zwischen den Kardeelen recht tief sind. Ein Durchmesser von 6 mm erlaubt hohe Flexibilität: Ein solches Seil folgt gut den Körperkonturen, lässt sich anders als dickeres Seil gut knoten und ist dick genug, dass man als Rigger nicht endlos wickeln muss für eine optisch ansprechende und bequeme Bondage. Zugleich ist es dünn genug, um auch Feinarbeit etwa bei Fingern und Zehen zu ermöglichen.

Als Standardlängen setze ich bei diesem Seil auf 4 m und 8 m. Die kürzeren Enden eignen sich bei der von mir bevorzugten Double-Rope-Technik gut für die Extremitäten, während die längeren Stücke für den Körper gedacht sind. Mit diesen beiden Längen kann ich nahezu alle Situationen abdecken, und auch die 8 m-Enden sind noch nicht so lang, dass sie beim Fesseln in den Weg geraten. Die in Baumärkten häufig zu findenden 15 m-Spulen „Allzweckseil“ sind dicht genug an diesen Längen dran, dass sich eine Einsteiger-Ausstattung kostengünstig mit zwei Spulen und ohne aufwendiges Abmessen realisieren lässt: Das eine Seil vierteln, das andere halbieren, über einer Kerze die Schnittenden verschmelzen, ohne das sich scharfkantige harte Knubbel bilden – fertig.

Nach all den Vorteilen sollen auch einige Nachteile nicht verschwiegen sein. So müssen Knoten in geflochtenem PP-Seil wegen dessen Glätte zuweilen mit zusätzlichen Stopperknoten gesichert werden. Außerdem erzeugt es wie alle Kunststoffseile eher Verbrennungen durch Reibung als Naturfasern, wenn es schnell über die Haut gezogen wird. Und manches dieser Baumarktseile ist nicht unbedingt tauglich für eine Suspension. Aber wer seine(n) Begünstigte(n) schweben lassen will, sollte ohnehin wissen, was er tut, und schon einige Erfahrung haben.

Montag, 27. August 2007

Interview mit Akechi Denki

Tokyobound hat ein Interview mit Akechi Denki veröffentlicht, das Osada Steve – längst selbst Nawashi – kurz vor dessen Tod am 17. Juli 2005 führte. Sehr interessant, lässt ahnen, was einen Shibari-Meister ausmacht und ein wenig Geschichte noch dazu. (Via Graydancer)

Vielseitiges Seil

Ein Quickie zwischendurch, bis ich wieder Zeit für ein längeres Posting habe: Wie ein Kunde von TwistedMonk demonstriert, eignet sich Hanfseil nicht nur zum Fesseln. Ich habe schon Seil in Form eines Bar Wraps oder einer Affenfaust als Knebel gesehen, auch die selbstgeflochtene Ad-hoc-Neunschwänzige. Aber auf diese Variante, obschon naheliegend, wäre ich nun nicht gekommen. Der Ausspruch „with enough rope, you have all the sex toys you need“ erscheint mir immer treffender.

Samstag, 25. August 2007

Kommentarfeed kaputt

Super. Blogger liefert seit gestern den Kommentarfeed ohne Titel aus. Dadurch gibt es bei der Anzeige der letzten Kommentare weder einen Anreisser noch einen Link. Ich habe mal einen Quick & Dirty-Workaround mit händisch eingesetztem Zeichen gebastelt, bis das Problem gelöst ist.

Dienstag, 21. August 2007

Töpfchen, Deckelchen und andere Kompatibilitätsprobleme

Als ob nicht schon die ganz normale Partnersuche schwierig genug wäre, haben Bondager noch ein zusätzliches Päckchen zu tragen: Schließlich muss zu allem anderen, was man in seinem Gegenüber sucht, auch noch die einschlägige Vorliebe kommen. Was machen diejenigen, die sich da auf die Suche begeben? Selbst die, die sich ihrer Tendenz zur fesselnden Freizeitgestaltung bewusst sind, tun sich da nicht leicht – und dabei ist das Outing gegenüber sich selbst und dem potenziellen Partner gegenüber noch eines der geringeren Probleme.

Noch größer werden zuweilen die Schwierigkeiten für die, die ihre Leidenschaft für Bondage erst später entdecken, wenn sie schon längst in einer festen Beziehung leben. Mit etwas Glück gehen dann beide Partner gemeinsam auf Entdeckungsreise. Doch selbst da lauert eine Klippe, wenn die dabei kennen und schätzen gelernten Vorlieben nicht kompatibel sind, weil beide nur toppen wollen oder sich in dieser Rolle unwohl fühlen.

Häufiger ist freilich der Fall, dass der Partner ernsthafteren Fesselspielen überhaupt nichts abgewinnen kann oder sogar hochgradig entsetzt ist, wenn man sich ihm gegenüber öffnet. Was tun Menschen, die diese Faszination vor sich selbst verleugnen, weil sie sie und damit sich aus welchen Gründen auch immer für abartig halten? Oder die sich in dieser Hinsicht ihrem Partner zuliebe verbiegen und daran verzweifeln, dass sie einen wichtigen Aspekt ihrer Persönlichkeit und eine entscheidende Facette ihrer Sexualität nicht ausleben können?

Eine Spielbeziehung neben der Partnerschaft scheint ein Ausweg. Aber die will auch erst einmal erlaubt und dann tatsächlich bewältigt sein, erscheint sie doch je nach Offenheit und Eifersucht zumindest ein bisschen wie Fremdgehen. Dies um so mehr, wenn ohne Wissen des Partners aushäusig gespielt wird. Selbst wenn sie erlaubt und abgesprochen ist, ist so eine Spielbeziehung vielfach eher Ventil als Erfüllung. Ähnlich ist es bei den nächstbesten Ausweichmöglichkeiten, Selfbondage und professioneller Hilfe im Studio.

Umgekehrt gilt sinngemäß das selbe: Eine reine Spielbeziehung „anstatt“ schafft momentane Erleichterung, aber Seile alleine halten keine Beziehung zusammen. Nur auf gemeinsamer Bondagelust lässt sich keine dauerhafte Partnerschaft aufbauen.

All dies sehe ich in meinem Umfeld, im Wissen das Geschehen aus einer privilegierten Position zu beobachten. Ich war mir im Grunde schon immer bewusst, dass Fesseln eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Deshalb war mir klar, dass eine Beziehung ohne Bondage für mich nicht in Frage kommt. Und ich hatte das Glück, lange Jahre in einer Beziehung zu leben, in der dieser Aspekt eine wichtige Rolle spielte, in der aber auch sonst zahlreiche Gemeinsamkeiten und viel Liebe für Glück sorgten.

Die Lust am Fesseln und Gefesseltwerden steckt tief in einem drin. Sie lässt sich nicht wegtherapieren, und sie lässt sich nicht unterdrücken. Es ist einfacher, mit ihr glücklich zu werden als gegen sie, auch wenn der Weg zur Erfüllung manchmal lang und steinig ist.

Freitag, 17. August 2007

Völlig entfesselt

Zwischendurch mal ein bisschen Bildungsfernsehen: Freunde eisenhaltiger Abführmittel können online verfolgen, wie Handschellen hergestellt werden, und wie man mit Minimalwerkzeug Handschellen öffnet. Die ebenfalls dokumentierte Entfesselungsroutine aus den Einmalhandschellen leidet allerdings darunter, dass die Plastikteile im Ernstfall doch deutlich fester sitzen dürften.

Update 03.01.2009: Da die ursprünglichen Videos gelöscht sind, habe ich die Links in diesem Artikel angepasst.

Mittwoch, 15. August 2007

Auch Staubsauger sind pervers

Bondager und BDSMer nutzen häufig ganz unverdächtige Alltagsgegenstände als Spielzeug. Julian Murphy dreht den Spieß um. Er gibt in seinen Bildern und Skulpturen den Gegenständen selbst männliche und weibliche Attribute und lässt sie Sex und Bondage, Fetisch und SM direkt ausleben.