BDSMer können nicht fesseln
Zugegeben, die Überschrift ist etwas apodiktisch. Aber nahezu jedes Mal, wenn ich „Bondage“-Bilder von Vertretern der etwas härteren Gangart sehe, ist diese Tendenz erkennbar, wenn ich Bondager und „Standard“-BDSMer nebeneinander erlebe, oder wenn ich einschlägige Storys und Berichte lese. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. So kann es etwas damit zu tun haben, dass aufgrund des Schicks, den BDSM durch entsprechende Medienberichterstattung hat, dort der Poser-Anteil etwas höher ist. Das Tragen einer schwarzen Lederhose und eines finsteren Gesichtsausdrucks erfordert nun mal geringere Qualifikationen als eine saubere japanische Bondage und kommt so den Szene-Schnupperern und Adabeis entgegen, die BDSM als Modephänomen empfinden.
Maßgeblicher dürfte ein anderer Grund sein: Für die schwarze Fraktion ist Bondage wohl mehrheitlich Mittel zum Zweck – Subbie für die eigentliche Behandlung fixieren. Da muss die Fesselung nicht einmal ausbruchssicher sein, es reicht das Signal „Du bist jetzt gefesselt!“. Deshalb funktionieren ja auch in einer Session eine symbolische Bondage mit Bindfaden oder mentale Bondage-Spiele. Weil Bondage da nicht eines der Ziele ist, sondern nur eine Etappe auf dem Weg dorthin, wird ihr weniger Zeit und häufig wenig Sorgfalt gewidmet. Wozu sich mit Knotenknüpfen abkämpfen, wenn Schnallen so viel bequemer sind?
So haben denn die paar Leute, die sich auf einer reinen BDSM-Party tatsächlich an Seilen versucht haben, damit entsprechend grauslich rumgeknödelt. Ein mit daumendickem Seil hingeschlampter Beinahe-Karada war da schon das höchste der Gefühle. Aber je eine lockere Seilschlaufe um die Fußknöchel mit Doppelknoten ging auch schon als Fesselung durch. Dafür liefen die meisten Subbies ständig mit dicken Ledermanschetten um Hand- und manchmal Fußgelenke samt großem Karabiner daran herum, allzeit bereit für Kreuz, Pranger und Seilwinde. Der Gesamteindruck auf mich war eher einer von Zirkeltraining und Fitnessstudio: Bitte alle Stationen im Uhrzeigersinn durchlaufen. Vor lauter Begeisterung über einschlägiges Mobiliar und technische Hilfen scheint mancher in der Szene die Möglichkeiten zu übersehen, die in einfachem Seil stecken.
