Donnerstag, 29. Oktober 2009

Seile, Subs und Semmelknödel

Nach der kleinen Vorabmeldung nun aber ein etwas ausführlicherer Post zum kürzlichen Treffen. Für eine Mitreisende aus dem hohen Norden und mich begann das Wochenende schon einen Tag früher: Es ergab sich, dass wir Zeit und Gelegenheit für ein ganztägiges Fotoshooting zur Einstimmung hatten – doch dazu später mehr.

Der Ort des Treffens lag nicht nur in idyllischer Landschaft, sondern war auch mit Profi-Küche und spieltauglichem Mobiliar vom stationär installierten Suspension-Gestell bis zum verhörtauglich aufgewerteten Holzstuhl bestens auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt. Beim kulinarischen Teil der Veranstaltung spornte der Gastgeber am ersten Abend den hauseigenen Koch mit dem angekündigten Besuch eines Restaurantkritikers (als der dann ich vorgestellt wurde …) zu Höchstleistungen an. An den folgenden Tagen waren wir Selbstversorger: Mit Schweinsbraten, Kaiserschmarrn und Krautwickeln, regionalem Bier und Wein gab es eine Neuauflage des Koch- und Knotenstudios. Dabei stimmten wohl Gespräche, Spielgelegenheit und Kochkunst den Hausherrn milde – die anwesenden Begünstigten beiderlei Geschlechts durften den Küchendienst ohne die zunächst angedrohten Ketten absolvieren. Aber vielleicht war es auch nur der Hunger, der den Ausschlag für die zeitsparende fesselfreie Variante gab.

Als Überraschungsgast fand sich die ursprünglich anderweitig verplante Flugschülerin ein, die sich kurzfristig freimachen konnte für ein Wochenende mit wenig Bewegungsfreiheit. Bereits im Lauf des ersten Abends bewies sie Experimentierfreude und Mut zu Extremen. Dem Abheben an der Papageienschaukel folgte die ihrerseits schon länger angedachte Suspension im Spagat. In der Begegnung mit dem Gastgeber erwies sie sich als veritable Krawallsubbie, die eine kurze, aber spannende Nacht mit Seil und kleinen Gemeinheiten erleben durfte und anderntags im an der Sockenfrage ausgelösten Kampf Grenzen auslotete. Dazwischen konnte ich sie für eine von einem gewissen Sweet-Gwendoline-Motiv inspirierte Fotoserie gewinnen und schnürte sie als Dame in Schwarz mit gelbem Seil an einen Pfosten.

Auch ansonsten blieben die Balken des Suspension-Gestells selten unbenutzt. Besagte Teilnehmerin war noch ein weiteres Mal stehend am Pfahl gelandet, diesmal durch diverse Schellen und Ketten an zu heftigen Bewegungen gehindert. Eine weitere Dame verdiente sich ihre Abzeichen als Fluglehrerin, indem sie ihren Partner erstmals in Eigenregie unter der Decke schweben ließ.

Meine Reisegefährtin schloss ebenfalls eingehend Bekanntschaft mit dem Gestell. Am ersten Abend verhalf ihr unser Gastgeber zu ihrem Jungfernflug und strickte sie anschließend mit einem umfänglichen Karada von Kopf bis Fuß an einen der Tragbalken. Wegen offener Widerborstigkeit der Dame musste ich sie bei einer Gelegenheit ebenfalls kurzfristig an einen Pfahl anbauen, was sie natürlich nur fürchterlich leidend erduldete. Zu guter letzt hing sie freischwebend im kompletten Folienkokon ein Stück über dem Boden an den Mast gepinnt, flächendeckend gehalten von weiteren Folienlagen.

Insgesamt war das Treffen, obwohl oder vielleicht gerade weil kleiner als vorab angedacht, sehr unterhaltsam, fröhlich, spannend und entspannend. Ich habe die viel zu kurze Zeit unter gleichgesinnten Freunden zwischen Gesprächen, Damenverschnüren und Bildermachen aufgeteilt. Dennoch bin ich sogar ziemlich intensiv zum Spielen gekommen dank einer enthusiastischen Begleiterin, die sich als Muse und Modell ebenso eingeprägt hat wie als wilde Damsel in Distress und geduldig auf dem Stuhl wartend, während ich mit dem Gastgeber auf der Expedition in Küche und Bar ein paar Probleme wälzte. Bleibenden Eindruck dürfte sie auch bei den Nachbarn hinterlassen haben, dämpfte doch selbst ein Knebel ihre Lautäußerungen im Spiel nur unwesentlich. Fazit: Rundherum zufriedenstellend und auf jeden Fall der Wiederholung wert, dort oder an anderem Ort.

Ach ja – seit dem Wochenende bin ich stolzer Besitzer eines Edelstahlrings, der künftige Flugstunden deutlich erleichtert.

Der Braten ist bald fertig.
Appetitanregendes Ergebnis

Letzter Schliff für den Kaiserschmarrn
Süße Sachen gehen immer

Immer noch keinen Hunger?
Es gibt noch andere Laster außer Seilen

Jungfernflug
Viel Vergnügen beim ersten Flug.

Tragfähige Verschnürung
Nicht nur ausbruchssicher, sondern auch absturzsicher

Kampfsubbie kaltgestellt
Herausforderung in Hanf

Dienstag, 27. Oktober 2009

Vorabmeldung

Wieder mal zu viel gegessen, zu wenig geschlafen und zwischendrin ein paar Knoten und ein paar Bilder gemacht: Das Treffen ist trotz Überraschungsgast etwas kleiner ausgefallen als ursprünglich geplant, nichtsdestoweniger jedoch höchst unterhaltsam. Da ich schon einen Tag früher Besuch von einer so willigen wie neugierigen Begünstigten hatte, ging es mit Anlauf ins Wochenende und dort dann ungebremst weiter. Ausführlicher Bericht inklusive Foodporn-Bildern aus dem Koch- und Knotenstudio folgt, sobald ich das leichte Schlafdefizit aufgeholt und aus den Fotos ein paar ausgesucht habe.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Sekundärtreffer

Da denkt man, heftiger wird’s nicht mehr, und prompt gibt es noch ein Sahnehäubchen drauf.

Freitag, 16. Oktober 2009

Volle Breitseite

Ausgerechnet jemand, der vor gar nicht langer Zeit gemeint hat, ich könne Worte zur Waffe machen, hat mir gezeigt, wie das wirklich geht. Mit ein paar Sätzen bin ich so tiefschwarz gemalt, dass jegliche Replik nach Rechtfertigung und fauler Ausrede klingt.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Achterbahn

Kaum rückt das gepflegte Treffen in greifbare Nähe, schleicht sich Mr. Murphy an und versucht, Sand ins Getriebe zu streuen. Ein lange erhofftes Wiedersehen in diesem Zusammenhang stand kurzfristig auf der Kippe. Hier konnte ich zum Glück Murphy ein Bein stellen, und eine zweite Hürde auf dem Weg bekomme ich auch noch abgebaut. Andere Beteiligte kümmern sich derweil um die übrigen Unebenheiten. Aber müssen diese interessanten Ereignisse immer so überraschend und geballt kommen?

Dienstag, 13. Oktober 2009

Wir sind Mainstream

Oder so. Jedenfalls hat „Shape“, das Magazin für die fitness- und diätverliebte Frau mit esoterischen Anwandlungen, unter dem Titel „Manche mögen’s heiß“ eine zehnteilige Klickstrecke mit „Sexspielen für Fortgeschrittene“ aus dem Bereich BDSM online gestellt. Autorin Wiebke Lorenz lässt den kurzerhand zu „Deutschlands führendem SM-Experten“ erklärten Arne Hoffmann im Schweinsgalopp durch eine breite Palette im BDSM-Umfeld gängiger Spielarten jagen, garniert mit ein paar Zitaten aus dem kürzlich als Taschenbuch erschienenen Werk „Von zart bis hart. Sextipps für Erwachsene“ der amerikanisch-australischen Sexualtherapeutin Dr. Gabrielle Morrissey.

Das Ganze kommt shape-typisch im großäugig-reißerischen Tonfall – „Langeweile ade! Mit diesen prickelnden Sex-Tipps lässt sich Ihre Lust ins Unermessliche steigern“ – daher und kann offenbar auch nicht auf Geschwurbel à la „(…) schwarz gekleidete Menschen, die sich am Hundehalsband durch die Gegend zerren und in dunklen Kellern Dinge treiben, die wir uns nicht mal vorstellen möchten“ verzichten. Immerhin ist der Informationsgehalt des den Anzeigenkunden zum Wohle häppchenweise servierten Artikels solider als die Aufmachung vermuten lässt. Die ausführlichen Hoffmann-Zitate können dabei durchaus nicht aus einem Interview, sondern aus dessen aktuellem Buch „Sex für Fortgeschrittene: Faszinierende neue Tipps zur Steigerung der Lust“ stammen; kann das jemand ad hoc verifizieren?

Interessierte Leserinnen, die BDSM & Co. mal als schicke Abwechslung du jour ausprobieren wollen finden hier wohl ebenso einen Einstieg wie die, denen bewusst wird, dass sie sich mit eigenen Spielen und Fantasien längst in diesem Bereich bewegen. Was in der Kompaktheit der Aufbereitung notgedrungen auf der Strecke bleibt, sind die physischen und psychischen Risiken, die sich aus der unbedachten Umsetzung dieser Anregungen ergeben. Insofern ist die quotensteigernde Warnung „Probieren auf eigene Gefahr!“ nicht ganz unberechtigt.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Zielaufklärung

Wenn es im Laufe einer Session mehr als ein paar spielerische Klapse sein sollen, gilt es gewisse Sicherheitsregeln zu beachten. Manche Körperregionen sind wegen der Gefahr nachhaltiger Schäden tabu, bei anderen ist Fingerspitzengefühl gefragt. The Poubelle Twins zeigen in Le Slap Booth *Chaud*: Anatomical Class, wo man ungestraft strafen darf, und wo man seine Hände besser bei sich behält. Wer neugierig ist: Die beiden Damen bedienen auch andere Fetische.

Für ein paar Bilder mehr

Schnappschuss mit Fesseln

Der kleine Ausflug nach Norden hat sich beiderseits gelohnt und zeigte wieder einmal, dass jedes Treffen seine eigene Atmosphäre hat. Bondage stand diesmal nicht im Vordergrund, doch auch dazu ergab sich die Gelegenheit. Dass äußere Einflüsse manchen ursprünglichen Plan umwarfen, hatte im Nachhinein betrachtet sein Gutes: Beim improvisierten Shooting unter beengten Verhältnissen entstanden einige der spannendsten Bilder, die ich in letzter Zeit gemacht habe.

Nach längerer Anfahrt war ich am Nachmittag bei der interessierten Dame eingetroffen. Im Anschluss an das gemeinsame Verfrachten von Ausrüstung und Zubehör ins oberste Stockwerk haben wir uns erst einmal über Kaffee beschnuppert und unsere Vorstellungen diskutiert. Ich habe die Wunsch-Outfits meiner Gastgeberin und weitere potenziell fototaugliche Stücke aus deren Kleiderschrank begutachtet und im Gegenzug die Instrumente gezeigt. Dann schoss ich schon die ersten Probeaufnahmen, während die Dame und ihre Mitbewohnerin ein paar Seile und Armreifen anprobierten. Wenig später ging es dann ernsthaft zur Sache mit einer bunten Mischung aus Portraits, romantischen Bildern und Fotos in Kostümen und Bondage.

Hier entstanden einige Reminiszenzen an „Secretary“ und John Willie mit der Dame im Business-Outfit aus weißer Bluse, kurzem Rock, dunklen Halterlosen und Lackpumps sowie Accessoires von Aktenordner und Hornbrille bis zur Gerte oder sich in Ketten auf dem tiefroten Teppich räkelnd. Klassische Klaw-Motive im Hinterkopf, machte ich auch einige DiD-Bilder mit der Dame in schwarzer Wäsche und weißem Seil. Mit Umdekorieren in der Wohnung, Schminken, Umziehen und Unterhaltung dazwischen war der Tag erst nachts um zwei zu Ende.

Dennoch waren wir am nächsten Morgen schon wieder früh zugange. Das Wetter war so schlecht, dass das geplante Außenshooting ins Wasser fiel, auch wenn wir ein paar geeignete Orte auskundschafteten. Dafür machte ich in der Wohnung jede Menge Aufnahmen der Dame im Asia-Outfit ohne und mit Hanfseil, für ihren Freund ein paar Kajira-Bilder und ein Überraschungsmotiv, dann sowohl verspielte als auch dramatische Fotos, nachdem sich meine Gastgeberin in ein Goth-Outfit mit Plateaustiefeln, Tüllrock und lila Korsett geworfen hatte. Erschöpft vom Marathon am Vortag brachen wir diesmal etwas früher ab.

Am Montag klarte das Wetter endlich etwas auf. Deshalb schlüpfte die Dame ins Mittelalterkleid, ich packte den Fotorucksack um, und wir zogen hinaus in ein benachbartes Grüngebiet. Da hier die Kulisse allerdings wenig berauschend war, fuhren wir kurzentschlossen in den nahegelegenen Schlosspark. Dort entstanden in einer Allee hinter dem Schloss und in einem Waldstück noch einige interessante Bilder, bevor einsetzender Regen und die fortgeschrittene Zeit uns zum Abbruch zwangen.

Fazit des verlängerten Wochenendes: Ein bunt gemischtes Portfolio – die geplante Handvoll Bilder wuchs auf mehr als tausend Stück. Die Dame ist nicht unbedingt Bondage-Fan geworden, dazu spielt sie einschlägig zu sehr in eine andere Richtung. Doch sie ist durchaus interessiert am Thema und freut sich auf eine Fortsetzung. Als Nebeneffekt hat sie einen neuen Blick auf sich selbst gewonnen, das Hadern mit dem eigenen Aussehen etwas entschärft, die Angst vor etwas dramatischerem Make-Up verloren und ist in diese Richtung experimentierfreudiger geworden.

Samstag, 3. Oktober 2009

Für eine Handvoll Bilder

Der Narr reitet wieder: Heute bin ich unterwegs gen Norden, den Wagen bis unters Dach beladen mit Licht und Zubehör für ein langes und fruchtbringendes Wochenende. Das neulich verschobene Treffen findet definitiv statt, das Wetter passt für Aktionen unter freiem Himmel, und die Dame hat Zeit und Ideen für interessante Fotos. Mein Gegenüber ist in einschlägigen Dingen noch dabei, seinen Weg zu erkunden, deshalb bleibt der schwarze Hut heute zuhause. Ich nehme den hellgrauen. ;-)

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Schon wieder England

Trotz seines Rufs als Heimat des Kink (Englische Erziehung, anyone?) hat England zunehmend Probleme damit, wenn es um etwas jenseits des Gewohnten ausgelebte Sexualität geht, und auch sonst Tendenzen zum alles überwachenden und regulierenden Nanny State. Neuestes Beispiel: Der Fliesenhersteller Bisazza hat eine Anzeigenkampagne mit Bildern des renommierten Fotografen Nobuyoshi Araki gestaltet, die seit Monaten in Lifestyle- und Design-Zeitschriften in Europa, den USA und Australien läuft. Die Motive (Achtung, Flashhölle und dummer Begleittext, fraglich, wie lange dort sichtbar) sind typisch Araki, und natürlich sind die Frauen, die dort auf den Fliesen drapiert sind, nicht nur im Geisha-Outfit zu sehen, sondern zuweilen auch mit Hanfseil im traditionellen Stil verschnürt.

Die Darstellung ist zurückhaltend und durchaus massentauglich; das Shibari ist sehr reduziert, und nackte Haut ist maximal bis zum Oberschenkel zu sehen. Dennoch fühlten sich einige Leute auf den Schlips getreten: Nach sechs Beschwerden hat die Advertising Standards Authority (ASA), die Selbstkontrolle der britischen Werbeindustrie, die weitere Nutzung der Anzeige verboten. Begründung: Trotz der hochgradig stilisierten Darstellung ließen sich die Abbildungen so interpretieren, als ob sexuelle Gewalt stattgefunden hätte oder bevorstehe:

„Notwithstanding the highly stylised nature of the ads, we considered the creative treatment could be seen to imply that sexual violence had taken place or was about to take place,“

Via Violet Blue, die auch ein paar Anzeigenmotive zeigt.