Samstag, 29. März 2008

Rollenmodell Jägerin

„Buffy the Vampire Slayer“ und der Spin-Off „Angel“ gehören für mich schon seit langem zu den relevantesten TV-Serien der vergangenen Jahrzehnte, für sich gesehen ebenso wie aufgrund ihrer prägenden Wirkung auf andere Erscheinungen der populären Kultur. Zudem sind die beiden eng verknüpften Serien aus einschlägiger Perspektive von Interesse. Nun bin ich auf einen Artikel gestoßen, der sich genau darauf konzentriert: In "Sounds Like Kinky Business to Me": Subtextual and Textual Representations of Erotic Power in the Buffyverse untersucht Lewis Call die BDSM-Elemente im Buffyversum.

Mit dem Fortschreiten der Serien manifestierten sich diese Elemente immer offener, doch bereits von Anfang an waren sie in „Buffy“ angelegt. Call zeigt, dass im Buffyversum Macht und Machtausübung unvermeidliche Elemente jeglicher erotischen Beziehung sind. BDSM und Erotic Power Exchange sind am deutlichsten im Verhältnis zwischen der Jägerin Buffy und dem Vampir Spike auszumachen, jedoch nicht als Einbahnstraße. Call sieht in ihrem Verhältnis Ausdruck des „Age of the Switch“: „Buffy und Angel besetzen einen sehr postmodernen Augenblick im frühen 21. Jahrhundert, in der es keine vorherrschende Geschlechtsidentität und keine privilegierte Position in der Struktur der erotischen Machtverhältnisse gibt. Innerhalb dieses Augenblicks können Männer und Frauen Sadismus und Masochismus ebenso leben wie Dominanz und Unterwerfung, und die Positionen sind immer umkehrbar.“

Bedeutsamer ist für Call vor allem eins: „Die betonte Kinkiness der Vampir-Gemeinschaft im Buffyversum sollte uns nicht von der Tatsache ablenken, dass jeder im Buffyversum kinky ist.“* Tatsächlich spielen Power Exchange, D/S, S/M und auch B/D für die meisten der Haupt- und Nebenfiguren in ihren wechselnden Konstellationen zueinander eine wichtige Rolle. Selbst Giles zeigt in einer Folge ein gewisses Faible für Handschellen (Und ja, ich hoffe immer noch auf ein „Ripper“-Spin-Off). In dieser Hinsicht war „Buffy“ ebenso bahnbrechend wie mit dem ersten lesbischen Kuss in einer US-Mainstream-Fernsehserie.

„Buffy“ und „Angel“ präsentieren Call zufolge das Ausleben erotischer Machtverhältnisse und Machtspiele auf SSC-Basis als positive Alternative zum typischen non-konsensuellen Machtgefälle von Vanilla-Beziehungen in patriarchaler Tradition. Ganz offen wie in „Once More, With Feeling“ oder „Smashed“ oder weniger offensichtlich, doch konsistent in jeder Folge wird diese Art von Beziehung im Buffyversum als konsensuell, liebevoll und leidenschaftlich präsentiert – und damit auch als tragfähige Möglichkeit des Zusammenlebens für das Publikum.

Diese Normalisierung und Entzauberung durch die Vermittlung der „ethics of kink“ hält Call für ein großes Verdienst der beiden TV-Serien und verteidigt sie gegen Kritiker: „‚Seit wann ist es in Ordnung, eine Frau zu schlagen und dann Sex mit ihr zu haben‘, will Rachel Thompson wissen. Die Antwort ist natürlich: Sobald sie es will.“

* Anm.: Ich habe kinkiness und kinky bewusst nicht übersetzt, da m. E. „Abartigkeit“ bzw. „Perversion“ im Kontext nicht treffend sind.

Montag, 24. März 2008

Wie man sich bettet

Als Bondager weiß man Möbel mit Mehrfachnutzen zu schätzen. Besonders ein Bett sollte genügend Ankerpunkte aufweisen und stabil genug sein, um auch heftiger bespielt werden zu können. Ein Bett aus Holz harmoniert sehr gut mit Seilen. Ohne zusätzliche Beschläge nimmt es sein Finish allerdings schnell übel, wenn Ketten oder Hand- und Fußschellen an die Pfosten gehängt werden und der/die Begünstigte nicht stillhält. In so einem Fall ist ein Metallgestell die bessere Wahl. Es muss ja nicht gleich so offensichtlich sein wie das berühmt-berüchtigte Modell „Jailhouse Fuck“. Es gibt auch schöne Designerstücke, die einem unendliche Möglichkeiten bieten, ohne den intendierten Zweck lauthals hinauszuposaunen.

Sonntag, 23. März 2008

Der Webleinstek

Um bei einer Bondage-Session sein Gegenüber an festen Gegenständen wie Bettpfosten zu befestigen, ist der Webleinstek gut geeignet. Seeleute nutzen diesen Knoten, um ein Boot an einem Poller zu vertäuen. Feuerwehrleute werden ihn ebenfalls kennen. Camper verwenden den Webleinstek, um die Spannschnüre eines Zeltes an den Heringen zu befestigen. Deshalb ist er auch als Heringsknoten bekannt.

Der Webleinstek hält sich unter Zug selbst, lässt sich aber ohne Spannung leicht aufschieben und mit etwas Übung auch einhändig sehr schnell binden. Natürlich sollte der/die Begünstigte nicht genug Bewegungsfreiheit haben, um diesen Knoten so weit zu entlasten, dass er sich aufschieben lässt. Für das Aufhängen am Deckenhaken würde ich ihn sicherheitshalber auch nicht empfehlen.

So wird der Webleinstek gebunden:

Webleinstek, Schritt 1
Zunächst das lose Ende von oben über den Ankerpunkt legen.


Webleinstek, Schritt 2
Dann das Ende um den Ankerpunkt herum wieder nach vorne und nach oben führen, dabei die stehende Part kreuzen.


Webleinstek, Schritt 3
Das lose Ende erneut um den Ankerpunkt legen…


Webleinstek, Schritt 4
… und parallel zur ersten Windung unter der Kreuzung hindurchführen.


Fertiger Webleinstek
Festziehen – fertig.

Der Fischerstek

Bondageseile nutze ich in zwei Basislängen: vier Meter lange Stücke für die Extremitäten, acht Meter lange Stücke für den Rumpf. Diese Längen reichen für die meisten Anwendungen aus, ohne dass das Seil so lang wird, dass es beim Fesseln in den Weg gerät. Manchmal ist jedoch mehr Seillänge nötig. In diesem Fall hat sich der Fischerstek zum Anknoten einer Verlängerung bewährt. Der ebenso als Spierenstich oder Englischer Knoten bekannte Fischerstek ist ein einfacher und stabiler Verbindungsknoten, der auch sehr glatte und rutschige Seile gut zusammenhält.

So wird der Fischerstek gebunden:

Fischerstek, Schritt 1
Die beiden zu verknüpfenden Enden gegenläufig parallel nehmen.

Fischerstek, Schritt 2
Dann zunächst ein Ende in einem Auge um das andere Ende führen und einen Überhandknoten machen.

Fischerstek, Schritt 3
Diese Aktion symmetrisch mit dem anderen Ende durchführen. Effektiv besteht der Fischerstek aus zwei Überhandknoten, die jeweils das andere Seil umgreifen. Dabei verhindert das umgriffene Seil, dass sich diese Überhandknoten zu sehr zusammenziehen.

Fischerstek, Schritt 4
Beim Zusammenziehen wird deutlich, dass sich die beiden Teilknoten einfach auseinander schieben lassen, solange kein Zug auf den verknüpften Seilen lastet. Dies erleichtert das Öffnen des Fischersteks.

Fertiger Fischerstek
Beim fertigen Fischerstek sperren sich die beiden symmetrischen Überhandknoten gegenseitig.

Absturzsicherung – auch für Tops

Bei aller Einvernehmlichkeit im Spiel ist eine Bondage- oder SM-Session immer auch eine Gratwanderung. Das Risiko eines Absturzes besteht grundsätzlich, der Auslöser kann völlig banal sein. Eine unangenehme Erinnerung, eine Berührung im falschen Moment kann die Stimmung kippen lassen. Vor Absturz und unsanfter Landung sollen Safeword und Ampelregel schützen. Als positiver Nebeneffekt kann sich das „Opfer“ bei raueren Spielen nach Herzenslust wehren, ohne dass Top ständig nachfragen muss, ob das lautstarke „Nein“ samt Fluchtversuch jetzt ernst gemeint ist.

Das Safeword stellt vor allem zwischen zwei noch nicht so vertrauten Partnern das Gegenstück zu Schleudersitz oder Fallschirm-Reißleine dar – Stopp, Abbruch, Ende der Session. Die Ampelregel ermöglicht dagegen eine abgestufte Reaktion: Grün steht für „Alles o. k., weitermachen“, Gelb für „Achtung, nicht mehr heftiger“ und Rot für „Stopp, aufhören, es wird zuviel“.

Entscheidend dabei ist, dass Ampel und Safeword keine Privilegien von Sub/Bottom sind. Eine ganze Reihe von Tops scheint nicht zu realisieren, dass sie ebenfalls ein Spiel so unter- oder abbrechen können. Klar wurde mir dies in einer langen Unterhaltung mit einem Gleichgesinnten, der als Dom einige Male böse an die Wand gelaufen ist. Mit noch wenig realen Erfahrungen hatte er sich an den Vorbildern, Sprüchen und Klischees der BDSM-Szene orientiert. Bei Spielen auf Partys – mit Gästen ebenso wie bei anderer Gelegenheit mit Bekannten – geriet er dabei mangels Vertrautheit und Routine in die Falle. Irgendwann war jeweils der Punkt erreicht, an dem ihm die Situation über den Kopf wuchs. Doch ihm spukten die Vorstellungen darüber im Kopf herum, was ein „echter Dom“ tut und nicht tut. Also machte er weiter bis zum bitteren Ende: CFIT als Schlusspunkt der Session.

In seinem Bemühen, die Rolle des großen bösen Doms auszufüllen, hatte mein Bekannter nicht mehr auf seine Bedürfnisse geachtet. Die daraus resultierenden Abstürze hingen ihm lange nach. Es war eine Offenbarung für ihn, als ihm klar wurde, dass er eine Session einfach stoppen kann, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen. Dabei ist es doch ganz einfach: In einer Session hat jeder der Beteiligten das Recht zum Abbruch. Ohne Diskussionen. Kein „Jetzt hab Dich nicht so.“, kein „Vergiss es!“. Diskutiert wird hinterher.

Natürlich gibt es Wege, einen Abbruch nicht als harten Bruch erscheinen zu lassen. Gerade ein Top, der das Spiel beenden will, weil die eigenen Grenzen erreicht sind, muss sein Gegenüber nicht einfach auf dem Boden der Realität aufschlagen lassen, sondern kann es langsam „heruntersprechen“. Das setzt allerdings voraus, dass sich Top über sein Befinden bewusst ist und rechtzeitig die Bremse zieht. Als „Nur-Bondager“ ist man einem traditionellen BDSMer gegenüber dabei nicht unbedingt im Vorteil. Auch wenn man eventuell weniger Ballast in Form von Rollenklischees mitschleppt, gibt es doch auch hier eine bestimmte Erwartungshaltung, die einem in die Quere kommen kann.

Samstag, 22. März 2008

Der Achtknoten

Bereits zum Auftakt meiner kleinen Knotenkunde habe ich darauf hingewiesen, dass der Überhandknoten (für Seeleute: halber Schlag) für Bondage in der Regel die falsche Wahl ist. Fest zugezogen ist er nur schwer wieder zu öffnen. Außerdem ruiniert er auf Dauer das schöne Seil. Wesentlich besser ist der Achtknoten. Dieser bleibt richtig ausgeführt außerdem schön flach, was das Liegen auf ihm deutlich angenehmer macht.

So wird der Achtknoten gebunden:

Achtknoten, Schritt 1
Zunächst formt man ein Ende zu einem Auge, wobei das Arbeitsende über dem stehenden Ende liegt.

Achtknoten, Schritt 2
Anschließend führt man das Arbeitsende hinter das stehende Ende…

Achtknoten, Schritt 3
… und dann zurück durch das Auge. Zuziehen – fertig.

Fertiger Achtknoten
Der Achtknoten ist flach und zugleich voluminöser als ein Überhandknoten. Er eignet sich sehr gut als Stopperknoten.

Achtschlaufe
Mit doppelt genommenem Seil ausgeführt, ist der Achtknoten nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch funktionell: Es ergeben sich feste, sich nicht zuziehende Schlingen, die sich ideal als Ankerpunkte etwa für einen Karada eignen.

Der Kreuzknoten

Soll eine Bondage zuverlässig halten, müssen die Abschlussknoten zuverlässig halten. Die meisten Einsteiger dürften bei ihren ersten Versuchen die von ihnen geknüpften Fesseln mit einem Doppelknoten sichern – und liegen damit genau richtig. Allerdings steckt der Teufel im Detail: Nicht jeder Doppelknoten hält, was er verspricht. Sehr zuverlässig als Verbindungsknoten für zwei lose Enden ist dagegen der Kreuzknoten.

Der Kreuzknoten heißt nicht nur so, weil die Seilenden sich kreuzen, sondern auch, weil die beiden Hälften des Knotens gegenläufig gebunden werden. Richtig geknüpft, hält er sehr gut, lässt sich jedoch problemlos wieder öffnen, wenn es an der Zeit ist. Dabei gilt es zwei Einschränkungen zu beachten: Der Kreuzknoten eignet sich nicht zum Verbinden von Seilen unterschiedlicher Dicke. Außerdem ist sein Halt etwas materialabhängig. Bei sehr glatten Seilen sollten seine Enden mit zusätzlichen Stoppknoten, etwa mit Achtknoten, gesichert werden. Alternativ lässt sich ein Chirurgenknoten einsetzen, der selbst in dünner Nylonschnur gut greift.

So wird der Kreuzknoten gebunden:

Kreuzknoten, Schritt 1
Als erstes zwei Enden kreuzen und einen gewöhnlichen Überhandknoten machen. Hier lag das linke blaue Ende zum Start über dem rechten roten Ende.

Kreuzknoten, Schritt 2
Nun darüber einen zweiten Überhandknoten machen, dabei darauf achten, dass beim Kreuzen der Enden das blaue Ende unter dem roten Ende läuft.

Kreuzknoten, Schritt 3
Beim Zusammenziehen zeigt sich die flache, symmetrische Form, die für den guten Halt des Kreuzknotens verantwortlich ist.

Kreuzknoten, fertig gebunden
Der sehr kompakte und sichere Kreuzknoten ist ein echter Allrounder, der auch außerhalb einer Bondage-Session gute Dienste leistet. Er ist der wichtigste Fesselknoten. Bondager können zur Not auf alle anderen Knoten verzichten, aber diesen sollten sie im Schlaf beherrschen.

Vergleich Altweiberknoten und Kreuzknoten
Ein tückischer Verwandter des Kreuzknotens ist der auf diesem Foto oben abgebildete Altweiberknoten. Beim „automatischen“ Binden eines Doppelknotens von der Schuhschleife bis zum Paketknoten ist er meist das Ergebnis. Im direkten Vergleich zeigt sich der Unterschied: Beim Altweiberknoten laufen die Enden nicht symmetrisch durch die Seilbuchten, weil seine beiden Teilknoten in die gleiche Richtung geknüpft wurden.

Anders als der Kreuzknoten löst sich der Altweiberknoten unter Zug
Beim Festziehen ist der Unterschied zum Kreuzknoten unübersehbar: Der Altweiberknoten legt sich unschön und neigt unter Zug zur Selbstauflösung. Finger weg!

Freitag, 21. März 2008

Kleine Knotenkunde

Achtknoten und Überhandknoten
Einsteiger, die sich auf Seil und verwandte Fesselmaterialien kaprizieren, merken im Normalfall schnell, dass längst nicht alle Knoten sich gleich gut für Bondagezwecke eignen. Manche halten nicht mehr, sobald der/die Begünstigte sich auch nur ein wenig bewegt. Andere wiederum wollen gar nicht mehr aufgehen und lassen sich nach der Session nur noch mit scharfen Gegenständen öffnen. Ich will deshalb in diesem Blog in loser Folge nützliche Knoten für einschlägige Anwendungen vorstellen.

Das Thema Knoten erschlägt durch seine schiere Fülle. Segler haben für jede nur denkbare Einsatzmöglichkeit einen speziellen Knoten, Bergsteiger ebenfalls. Viele Handwerker haben für ihre spezifischen Zwecke genauso eigene Knoten entwickelt wie Feuerwehrleute oder Angler. Neben der Funktion spielen vielfach Traditionen eine große Rolle – dank Shibari auch im Bereich BDSM und Bondage.

Neulinge sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Vor allem sollten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, ohne Rücksicht auf eigenes Können und Sicherheit des Partners gleich ein paar Dutzend Knoten am lebenden Objekt auszuprobieren. Wie ich schon vor einiger Zeit angemerkt habe, ist ein übersichtliches, aber gut beherrschtes Repertoire sinnvoller als eine Menge halbverdauten Wissens. Für die meisten Bondage-Anwendungen reichen Kreuzknoten, Achtknoten, Fischerstek, Webleinstek und Palstek, der Rest ist dann Kür. Besonders im Zusammenhang mit Bondage ist zu beachten, dass Knoten grundsätzlich die Tragfähigkeit bzw. Zugfestigkeit eines Seils negativ beeinflussen. Also auch hier mit genügend großer Sicherheitsmarge planen und Knoten nutzen, die das Seil nicht ruinieren.

Bei dem oberen der beiden Knoten auf dem Foto handelt es sich übrigens um einen Achtknoten. Den darunter abgebildeten Überhandknoten dürften die meisten kennen. Im Vergleich zum Achtknoten hat der Überhandknoten einige Nachteile. So zieht er sich so fest zusammen, dass er – besonders im nassen Zustand – nur schwer wieder zu lösen ist. Außerdem beansprucht er das Seil sehr stark.

Samstag, 15. März 2008

Starke Show

Auf Video eingefangen: Eine Shibari-Vorführung in Tokio, in der Asagi Ageha und Osada Steve zeigen, was sie können. Aufgenommen am 17. Februar 2008 im Azabu Juban im Roppongi-Viertel.

Superheldin mit Seilproblem

Bei meinem kleinen Streifzug durch die Geschichte der „Damsel in Distress“-Titelbilder habe ich Wonder Woman völlig übersehen – ich habe es nicht so mit Superhelden, und auch nicht mit schlecht gezeichneten Comics. Mein Fehler; den Beweis liefert Superdickery.com mit Suffering Sappho!, sarkastische Kommentare gibt es kostenlos dazu..

Update 01.11.2008: Superdickery.com hat seine Website renoviert, die Bilder mit Wonder Woman in Bondage sind jetzt an dieser Stelle zu finden.

Erschütterung, vom Arzt verordnet

Erst jetzt darüber gestolpert: Slate hat im letzten September eine Sonderausgabe zum Thema Sex veröffentlicht. Neben Thomas Laqueurs Rezension von Niklaus Largiers Geschichte der Flagellation, In Praise of the Whip: The Cultural History of Arousal, hat mich vor allem die Diashow zu Your Grandmother's Vibrator zum Stöbern im Netz angeregt.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Genitalmassage als erfolgreiche Behandlungsmethode für Hysterie, das häufigste aller Frauenleiden, fest etabliert. So etwas wie ein weiblicher Orgasmus existierte nach herrschender Lehrmeinung nicht, doch ließen sich die Symptome der Hysterie durch Entladung aufgestauter Spannungen lindern. Viele Ärzte verdankten ihre gutgehenden Praxen einer stattlichen Anzahl regelmäßig einbestellter Patientinnen. Ihnen zum „hysterischen Paroxysmus“ zu verhelfen, bedeutete für die Mediziner häufig anhaltende und anstrengende Handarbeit. So sann mancher auf Methoden, das Verfahren durch mechanische Hilfsmittel zu erleichtern.

Nach Experimenten mit Handkurbel- und sogar Dampfantrieb (George Taylor, 1869) setzte sich schließlich Elektrizität als Antriebsquelle durch. Um 1880 patentierte der britische Arzt Dr. Joseph Mortimer Granville einen elektromechanischen Vibrator, den er übrigens ausdrücklich nicht zur Behandlung weiblicher Hysterie eingesetzt sehen wollte. Schon durch ihre schiere Größe blieben derartige Geräte zunächst auf Praxen beschränkt. Doch um die Wende zum 20. Jahrhundert erkannten findige Unternehmer die Marktchancen kleinerer Vibratoren für Privatanwender.

So wie Sex und Pornographie maßgeblich am Erfolg des Videorekorders und des World Wide Webs teilhatten, so war die Suche nach einem kompakteren Vibrator mit entscheidend für die Entwicklung kleiner, zuverlässiger Elektromotoren für Haushaltsgeräte. 1902 patentiert, war der handliche Elektrovibrator nach Nähmaschine, Ventilator, Wasserkocher und Toaster eines der ersten Elektrogeräte für den Hausgebrauch. Staubsauger und elektrisches Bügeleisen wurden erst mehr als zehn Jahre später patentiert.

1917 existierten mehr Vibratoren als Toaster in amerikanischen Haushalten, und unzählige Anzeigen bewarben die Geräte als Heilmittel für eine Fülle von Leiden von Kopfschmerzen bis Muskelverspannungen. Die Filmindustrie – auch hier war Sex Garant für den Erfolg des neuen Mediums – stoppte den Höhenflug abrupt: Pornofilme demonstrierten die Einsatzmöglichkeiten zu offensichtlich, und seit den 20er Jahren waren Vibratoren offiziell verpönt. 1952 legte die American Medical Association das Krankheitsbild der weiblichen Hysterie ad acta und entzog dem Vibrator damit endgültig die Reputation eines für therapeutische Zwecke einsetzbaren Geräts. Bis in die 70er Jahre boten Hersteller nur verschämt „Massagegeräte“ an.

Einen visuellen Streifzug durch die Vibrator-Geschichte von der Jahrhundertwende bis in die 1970er bietet das Antique Vibrator Museum des Sextoy-Anbieters Good Vibrations, während das Antique Vibrator and Quack Medical Museum sich auf die Frühzeit konzentriert.

Mittwoch, 12. März 2008

Dave Stevens †

Dave Stevens ist am 10. März im Alter von 52 Jahren an Leukämie gestorben. Der Künstler war mit seinem 1982 erschienenen, 1991 verfilmten Comic Rocketeer maßgeblich am Bettie-Page-Revival der 80er und 90er beteiligt. Er hat damit Bondage ein bisschen näher an den Mainstream gebracht. Viele von Stevens’ Arbeiten fallen in die Kategorien Pin-Up und Good Girl Art.
(via Boing Boing)

Sonntag, 9. März 2008

Folter für die Augen

Bei der Reise durch das Netz stellt sich mir immer wieder eine Frage: Warum sind so viele Bondage- und BDSM-Seiten im Netz so furchtbar? Natürlich, BDSMer sind auch nur Menschen. Und genauso wenig, wie der Besitz einer Photoshop-Raubkopie jemanden zum Grafikdesigner macht, macht einen die Fähigkeit, Webseiten in einem Baukasten oder WYSIWYG-Editor zusammenzuklicken, äh, zu „programmieren“, zum Webgestalter und Informationsarchitekten. Aber muss man denn wirklich jedes Klischee so gnadenlos zur Realsatire übererfüllen?

In der Vorstellung vieler Sirs und Ladys kann eine Website zum Thema BDSM nur schwarz sein. So richtig dunkelschwarz. Am besten mit nur geringfügig hellerer violetter oder dunkelroter Schrift. Das dient nicht unbedingt der Lesbarkeit, aber der richtigen Einstimmung. Heißt ja schließlich nicht umsonst schwarze Szene. Damit die richtige Stimmung richtig richtig wird, darf man auf keinen Fall auf die Verliesmetapher verzichten. Also unbedingt genug flackernde Fackeln als Gif-Animationen auf die Seiten pappen. Kettenbilder als Absatztrenner – bevorzugt auch animiert – werden ebenfalls sehr gerne genommen.

Die Startseite muss eine riesengroße, finster formulierte Warnung und ein ebenso großes mittelalterliches Portal als Eingangstor enthalten. Im Online-Verlies drinnen wird es schließlich wirklich grausam. Frames sind spätestens seit Ende der 90er aus der Mode, aber für Webmaster und -mistresses aus der LLL-Ecke gehören sie immer noch zum guten Ton. Alle Inhalte werden natürlich an der Mittelachse ausgerichtet und ohne jede optische oder strukturelle Gliederung abgekippt. Und hat man einmal mehr Text als üblich, lässt sich ja der Schriftgrad verkleinern, damit mehr auf eine Bildschirmseite passt. Als Hintergrund eignet sich eine möglichst unruhige Kachel, die die Texte zusätzlich maskiert. Um den Besucher weiter zu quälen, wird jede freie Fläche mit Animationen zugepflastert; ein Dutzend konkurrierende Anigifs pro Seite dürfen es schon sein. Fortgeschrittene ergänzen das Ganze mit Flash-Sequenzen und Java-Applets. Dann weiß nicht nur der Besucher vor lauter Zappeln und Blinken nicht mehr, wo ihm der Kopf steht, auch Online-Anbindung und Rechner gehen in die Knie.

Reicht das alles noch nicht, gibt es den dritten Grad: Comic Sans als Schriftart, Mengentext in wechselnden Farben kursiv gesetzt, alles, was wie ein Link aussieht, ist mit Sicherheit keiner, dafür sind vorhandene Links nur beim Überfahren mit der Maus zu entdecken. Ehrensache, dass die nur mit eingeschaltetem Javascript funktionieren und die Zielseiten sich grundsätzlich in neuen Fenstern öffnen. Garniert wird das Ganze mit blinkendem Text und scrollenden Newstickern mit mindestens zwei Jahre abgehangenen Nachrichten. Für eine umfassende Sinneserfahrung muss eine zünftige BDSM-Website mit der passenden Musik unterlegt sein. Irgendwas Gruftiges oder aus dem Industrial-Bereich, auf allen Seiten in maximaler Lautstärke eingebunden und selbstverständlich nicht abschaltbar.

Ach ja, Inhalte soll es auch geben. Die dürfen nicht zu einfach zu erschließen sein. Eine undurchschaubare Navigation ist Pflicht, mit Logik sollen sich andere abgeben. Ausführliche Texte unterstreichen die eigene Kompetenz als BDSM-Experte. Rechtschreibung ist bei selbstverfassten Elaboraten optional. Abgesehen davon: Schreiben ist mühsam – dazu gibt es schließlich das Netz. Warum verlinken? Ist doch viel einfacher, alles zu klauen und auf die eigene Seite zu hängen. Eine Ausnahme von dieser Regel sind BDSM-Gedichte. Jeglicher in Reimen gefasste geistige Erguss, der in der Schreibtischschublade vor sich hin modert, muss als Demonstration inniglicher Devotion an die unvergleichliche Philosophie des BDSM auf die eigenen Seiten. Ganz wichtig ist das Belegen der persönlichen Fähigkeiten durch endlose Schilderungen selbst erlebter stunden- und tagelanger Sessions, die die Beteiligten eigentlich ins Krankenhaus gebracht haben müssten, gegebenenfalls ergänzt durch eine möglichst unspezifisch formulierte Kontaktanzeige und düstere Drohungen und Versprechungen an Subs, die sich in die Höhle des Löwen wagen.

Eine Website lebt von Bildern, und Bilder sollen die Besucher haben: Schlecht bearbeitet, im falschen Format abgespeichert, verzerrt eingebaut und riesengroß hochgeladen, so dass es selbst bei guter DSL-Anbindung minutenlang bis zur Anzeige dauert. Wie Texte und Musik sind die Bilder überall zusammengeklaut und am besten noch mit eigenem Copyright-Stempel versehen und als selbst geschossen beschrieben.

Das Ablegen der Website geschieht bevorzugt bei einem Gratishoster, der dick Werbung auf die Seiten packt und bei jedem Aufruf zusätzliche Werbefenster aufpoppen lässt. Ist das Ergebnis noch nicht eindrucksvoll genug, hängt man diverse im Ringtausch erworbene Awards ein. Unzulänglichkeiten in der Umsetzung kaschiert ein „Best viewed with“-Button, der dem Besucher Browser, Bildschirmauflösung und Systemeinstellungen vorschreibt. Deutsche Websites setzen dem Unfug gerne noch mit dem strunzdummen „Landgericht Hamburg“-Disclaimer die Krone auf. Neue Technik macht das Ganze nicht besser: MySpace-Seiten sind die Fortsetzung von Geocities mit anderen Mitteln. Aber so ist den Verantwortlichen wenigstens ein Ehrenplatz in Aufstellungen wie dieser oder dieser sicher.

Wer Leute mit Klebeband einwickelt…

… ist ein Künstler.

Samstag, 1. März 2008

Robuste Requisiten sind von Vorteil

Beim Spielen sollten nicht nur die Seile stabil sein, damit der/die Begünstigte sich nicht losreißen kann. Auch die übrigen eingesetzten Materialien sollten eine gewisse Festigkeit aufweisen, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Eine mittlerweile ein paar Jahre zurückliegende Erfahrung illustriert dies sehr deutlich.

Meine damalige Freundin liegt wohlverpackt im Hogtie auf dem Bett. Sehr fest, sehr straff, sehr viel Seil. Wer mich kennt: Wirklich viel Seil. Aber die Geräusche, die unter ihrem Knebel hervordringen, lassen nur eine einzige Interpretation zu: Fester! Leichter gesagt als getan…

Da kommt mir blitzartig eine Idee. Ich greife mir einen Stift vom Schreibtisch, schiebe ihn zwischen die Verbindungsseile zwischen Händen und Füßen und fange an zu drehen. Bereits wenige Umdrehungen später zeigt sich der Erfolg, der Hogtie wird spürbar fester. Also weiterdrehen. Und weiter. Und noch ein bisschen mehr.

Mit einem Schlag rächt sich der eine kleine Fehler, den ich bei der Auswahl meines Werkzeugs gemacht habe: Beim blinden Griff auf den Schreibtisch habe ich keinen stabilen Bleistift erwischt, sondern eine Nachfüllmine für einen Edding. Deren Kunststoffkörper gibt plötzlich dem Druck der Seile nach, und ihr Inhalt verteilt sich als Sprühnebel über uns.

Meine Freundin, ich, das Bett und die Wand sind plötzlich mit jeder Menge schwarzer Punkte verziert. Und natürlich habe ich mit traumwandlerischer Sicherheit die wasserfeste Ausführung gegriffen.

Zum Glück erstreckt sich die neue Bemalung überwiegend auf Körperteile, die im Alltag unter der Kleidung verborgen sind. Aber es braucht doch einige Zeit und Arbeit, bis alle Schäden beseitigt und alle betroffenen Textilien (darunter eines meiner Lieblingshemden!) wieder tragbar sind.