Dienstag, 31. Juli 2007

Begrifflichkeiten

In der BDSM-Szene bezeichnen bestimmte Begriffe bestimmte Vorlieben und Spielarten. Doch Definitionen, wie Sie etwa der Papiertiger bietet, spiegeln eine Konsistenz vor, die real so nicht existiert. Bondage-Enthusiasten haben es in dieser Hinsicht noch schwerer. Wie soll man sich und Gleichgesinnte bezeichnen, um Missverständnisse auszuschließen? „Bondager“ trifft es zwar, ist aber zugleich sehr generisch. Hier ist eine Vorliebe für Fesseln herauszulesen, aber nicht, welche Rolle der- oder diejenige im Spiel bevorzugt.

Im englischen Sprachraum haben deshalb einige Angehörige der Szene eine Trennung zwischen „Bondager“ für denjenigen, der fesselt, und „Bondagee“ bzw. „Bondagée“ für denjenigen, der gefesselt wird, vorgeschlagen. Doch selbst dort haben sich diese Begriffe nicht durchgesetzt. Für die deutschsprachige Szene gab es entsprechende Übersetzungsversuche. Allerdings klingt „Bondagist“ zumindest in meinen Ohren recht bemüht, und „Bondagette“ leidet unter dem doppelten Nachteil, nicht geschlechtsneutral zu sein und für manchen eine spezielle Bedeutung zu besitzen. „Rigger“ beschränkt den Fesselnden auf den handwerklich-technischen Aspekt. „Opfer“ für den/die Gefesselte(n) beschwört ein Bild herauf, dass mit den tatsächlichen Abläufen und Gefühlen während einer Bondage-Session nur bedingt etwas zu tun hat – und die scherzhafte oder ironische Verwendung dieses Begriffs erschließt sich Außenstehenden nicht unbedingt. Der von einer Freundin geprägte Begriff „Begünstigte(r)“ ist da erheblich treffender. Leider handelt es sich hier um eine Bezeichnung, die außerhalb eines recht übersichtlichen Kreises völlig unbekannt und erklärungsbedürftig ist.

Eine Ausweichmöglichkeit ist dann doch wieder der Rückgriff auf Definitionen der BDSM-Szene. Sie bieten zumindest eine ungefähre Orientierung, um einem Gegenüber Erwartungen und Bedürfnisse schildern zu können. Das Problem ist dabei der Facettenreichtum von BDSM – jeder nimmt sich da an einem riesigen Buffett auf den Teller, was ihm schmeckt. „Aktiver“ und „Passiver“ sind dabei aufgrund ihres klinisch-neutralen Beiklangs wohl die abtörnendsten Bezeichnungen. Bleiben also die häufig synonym verwendeten Paarungen „Dom/Sub“ und „Top/Bottom“. Ich sehe einen deutlichen Unterschied zwischen diesen Bezeichnungen. „Top/Bottom“ ist für mich neutraler, beschreibt eine Spielsituation ohne „Befehlsgefälle“. Bei D/S ist dagegen gerade dieses Gefälle konstitutiv, der „Standesunterschied“ während des Spiels maßgeblich und ins Spiel eingebunden. Als meistenteils Nur-Bondager kann ich mich deshalb mit „Top“ und „Bottom“ am ehesten anfreunden; für einen Dom bin ich zu nett. Aufgrund der szenetypischen Konnotate bin ich auch damit nicht ganz glücklich, aber ich halte diese Begriffe für den besten Kompromiss.

Da ich gerade dabei bin: Auch bei „Session“ und „Spiel“ hat wohl jeder seine Privatdefinition, je nachdem, wie er spielt. Die einen spielen eben mal „einfach so“ oder haben „Spielbeziehungen“, wo man sich für eine Session verabredet. Andere spielen nur innerhalb einer Beziehung, mit allem Drum und Dran, Sex, Liebe und Gefühle inklusive. Da beschreibt „Spiel“ eher den räumlichen/zeitlichen Aspekt des „Wir machen jetzt etwas Schönes zusammen“ als ein unverbindliches „Ist ja nur ein Spiel“.

Es bleibt schwierig.

Montag, 30. Juli 2007

Alter Sack und Spaß dabei

Ich bin gerade über Partners En Twine gestolpert. Aus diesem Anlass möchte ich ein paar Punkte in Erinnerung rufen, die angesichts allgegenwärtigen Jugendwahns und silikonierter und photogeshoppter Werbezombies in Vergessenheit zu geraten drohen:

  1. Man kann auch jenseits der 20 und auch ohne fitnesstudio-gestählten Alabasterkörper ziemlich viel Spaß haben.
  2. Niemand ist unfotogen. Es kommt auf die Haltung an. Wer authentisch ist und die Kamera vergisst oder sich auf das Spiel mit ihr einlässt, bekommt gute Bilder von sich.
  3. Outdoor ist sehr unterhaltsam.

Sonntag, 29. Juli 2007

Historische Bondage-Bilder

Wer sich etwas intensiver mit Bondage beschäftigt, weiß, dass John Willie nicht der erste war, der Fotos wohlverschnürter Frauen anfertigte. Einen Blick in die Anfänge der Bondage-Fotografie erlaubt ein bei der Réunion des musées nationaux digitalisiertes Fotoalbum Charles François Jeandels* mit um 1880 entstandenen Aufnahmen.

Den historischen Hintergrund liefert dieser Blog-Artikel: Demnach lebten der Autor Charles François Jeandel und seine Frau Madeleine als angesehene Mitglieder der Gesellschaft in Charente; Jeandel gehörte u.a. der Archäologischen Gesellschaft der Stadt an. Jeandel war anscheinend Hobbykünstler und Hobbyfotograf und arbeitete mit dem heute nur noch extrem selten eingesetzten Verfahren der Cyanotypie, um Abzüge herzustellen. Die gezeigten Bilder stammen aus einem Fotoalbum aus dem Nachlass der Jeandels, das sich heute in der Sammlung des Musee d'Orsay befindet.

Aus heutiger Sicht sind die Fotos in mehrerer Hinsicht interessant: Monsieur Jeandel hat anders als viele seiner fotografierenden Zeitgenossen nicht nur ein paar allegorische Seile um seine Modelle drapiert, sondern sie recht handfest verschnürt. Außerdem zeigen seine Fotos eine große Bandbreite an Fesselpositionen, da ist schon vieles drin, was heute etabliert ist.

*) Die Bilder lassen sich mit dem Namen „Jeandel“ im Suchfeld „Texte libre“ finden.

Samstag, 28. Juli 2007

Aspekte von Bondage

Was finden Leute eigentlich an Bondage? Klar – es ist geil und fühlt sich gut an. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum jemand feste Fesseln liebt. Aus eigenen Erfahrungen und zahlreichen Diskussionen haben sich eine Reihe von Motiven für diese Vorliebe herauskristallisiert. Der sexuelle Aspekt steht für viele natürlich stark betont im Vordergrund. Doch daneben treten weitere innere und äußere Aspekte, die bei den meisten Bondage-Anhängern in wechselnder Gewichtung mitschwingen.

Aus Sicht des/der Gefesselten – eine Freundin hat dafür den Begriff „Begünstigte(r)“ geprägt – spielen vielfach auch sportliche und meditative Komponenten eine Rolle. Hinzu tritt die Ästhetik der Bondage, die bei dem, der fesselt, durchaus künstlerische Befriedigung auslösen kann. All diese Aspekte lassen sich im Alltag nicht scharf trennen; häufig verbinden sich in einer Session mehrere davon.

Es ist häufig kaum zu klären, warum jemand es liebt, beim Sex gefesselt zu werden oder sein Gegenüber zu verschnüren. Doch auch wenn der Ursprung einer solchen persönlichen Vorliebe im Dunklen bleibt, ist die sexuelle Komponente eine starke Triebkraft. Macht und Hilflosigkeit spielen ebenso hinein wie die Möglichkeit, eigene Hemmungen fallen zu lassen: Man kann sich ja nicht wehren und „muss“ bei Sachen mitmachen, die man selbst begehrt, aber sich nicht zu wünschen traut.

Macht und Ohnmacht sind beim sportlichen Aspekt ebenfalls von Bedeutung. Hier geht es um die Herausforderung, den Wettstreit zwischen Kraft und Beweglichkeit des/der Begünstigten einerseits und Geschick und Können des Riggers andererseits. Ziel ist es, sich möglichst rasch (oder auch nur überhaupt) zu befreien bzw. genau dies zu verhindern. Oder aber, sich nach Kräften zu wehren, zu flüchten, gegen die Fesseln anzukämpfen. So manche(r) Krawallsubbie macht einem Fessler da richtig Arbeit, weil der sicher sein muss, jeden Knoten außer Reichweite zu platzieren, keine Seilwindung zu locker zu führen und am besten auch alles außer Reichweite zu bringen, was sich als Werkzeug nutzen lässt.

Entgegengesetzt zum sexuellen ist der meditative Aspekt. Bondage wird dabei zum Hilfsmittel, sich eine Auszeit zu nehmen. Bewegungslos verschnürt und mit verbundenen Augen lässt sich abgeschlossen von der Welt entspannen und träumen. Die Umarmung der Fesseln vermittelt eine Geborgenheit, in der man ins Fliegen kommt. Dieses meditative Fliegen ist anders als das sexuelle Fliegen, kann sich aber im Lauf einer Session daraus entwickeln. Wechselt der/die Begünstigte im Flow des Spiels in den Subspace, gewinnt diese Komponente an Kraft. Meditative Bondage hat ein gewisses therapeutisches Element. Sie lässt sich nutzen, um den Geist zu klären und Kraft zu schöpfen. Natürlich will ich diesen letzten Aspekt nicht überbewerten, Bondage auf Rezept dürfte eher unwahrscheinlich sein. Aber da ja Wellness-Angebote im Trend liegen, sollte man vielleicht mal einen VHS-Kurs „Makramee-Yoga“ andenken. Bondage-Massage gibt es ja schließlich auch schon.

Die ästhetische Komponente geht über das „sieht geil aus“ der sexuellen Bondage hinaus. Körper und Fesseln werden zu einem Kunstwerk, noch mehr, wenn das richtige Licht hinzukommt und alles in einem Foto eingefangen ist. Der Rigger kommt in seinen Flow, wenn sich die Seile richtig legen, die Knoten sitzen und das Gesamtergebnis das Auge erfreut, im Gesamtüberblick wie im Detail. Die gewählte Position, Art und Ausführung der Bondage und das Setting erzeugen eine spezifische Wirkung und Aussage. Auch auf Seiten der Begünstigten spielt die Ästhetik eine Rolle, werden Fesseln zu Schmuck- oder Kleidungsstücken, die das eigene Aussehen unterstreichen und verschönern. Sie helfen unter Umständen dadurch, den Alltag abzustreifen und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nächstes Level

Mittlerweile fotografiere ich auch schon wieder ein paar Jahre im Studio. Jedes Shooting, jedes Bild ist Teil eines kontinuierlichen Lernprozesses. Der verläuft mal kaum merklich, mal in Sprüngen. Gerade habe ich wieder das Gefühl, so viel zu lernen wie schon lange nicht mehr. Plötzlich ist es einfacher, die gewünschte Stimmung im ersten Anlauf zu erzeugen. Einfacher, das Ergebnis vorherzusagen. Einfacher, die entscheidenden Details zu bemerken und zu korrigieren. Ich setze Licht auf einmal deutlich freier und intuitiver ein. Und ich merke: Ich übe immer noch viel zu wenig.

Montag, 23. Juli 2007

Anregend archaisch

Man kommt ja zu nichts. Da muss ich den Umweg über violet blue machen, wo ich es als Steampunk-Fan doch eigentlich bei ihrer Quelle hätte entdecken können: Kat Bret hat eine tolle Steampunk-Modestrecke fotografiert. Und als ob das noch nicht reichen würde, auch noch eine Serie von Pulp Covers und Pinups. Bei solchen Bildern bin ich sogar geneigt, die Stiefel zu entschuldigen. Hochgradig inspirierend das Ganze, sowohl für eigene Bildideen wie fürs Kopfkino. Steampunk-Bondage mit derangierten Damen in viktorianischen Korsetts, schnurrbärtigen Schurken und bösen Dampfrobotern. Habenwill.

Update 01.11.2008: Kat Bret hat ihr Blog leider schon vor einiger Zeit gelöscht, und auch auf ihrer Website sind viele der angesprochenen Bilder nicht mehr sichtbar.

Samstag, 21. Juli 2007

Vom Wert des Übens

Als Bondage-Liebhaber hat man es nicht einfach. Da hast Du endlich jemanden gefunden, der sich verschnüren lassen will. Sie/er ist begierig darauf, sich Dir auszuliefern und zu genießen, was Du mit ihm oder ihr anstellst, sobald Du ihn oder sie gefesselt hast. Und Du? Du bist auf einmal nervös wie noch nie zuvor, hast das Gefühl, nur noch Daumen an den Händen zu haben, kannst Dich an keinen Knoten mehr erinnern und knödelst hektisch die von Dir lange für genau diesen Moment aufgesparten Seile irgendwie an Dein williges Opfer, während Dir der Schweiß ausbricht.

Oder Du beobachtest auf einer Party, wie elegant und zugleich schnell und ökonomisch ein Bondage-Top seine Partnerin verpackt – und siehst Deine Chancen schwinden, je eine passende Partnerin für Dich zu interessieren, weil Deine eigenen Bondagefähigkeiten meilenweit von den dort demonstrierten Künsten weg sind.

Oder Du siehst ein absolut perfektes Bondage-Foto und fragst Dich: Wie zum Teufel hat der das gemacht?

Wenn Dir das alles bekannt vorkommt: Keine Panik. Auch ein Shibari-Meister fällt nicht vom Himmel. Bondage ist nicht nur eine vergnügliche Freizeitbeschäftigung im sexuellen Kontext, sondern besitzt außerdem Merkmale eines Handwerks. Ihre Schönheit und Perfektion ergeben sich aus der Beherrschung der nötigen Grundlagen, Abläufe und Fähigkeiten. Noch wichtiger: Das Wohlbefinden Deines Gegenübers hängt davon ab, dass Du weißt, was Du tust.

Willst Du Bondage von der aktiven Seite betreiben, kommst Du um ein gewisses Maß an Übung nicht herum. Der Lohn der Mühe ist mehr Spaß für alle Beteiligten – und weniger Risiko. Die Grundlagen für das Erlernen der nötigen Fertigkeiten, wie sie auch Otto Friedrich Bollnow in „Vom Geist des Übens“ beschreibt, sind im Grunde Jahrtausende alt: Übe richtig, übe mit Maß und Ziel, übe beständig. Du kannst als Neuling nicht aus dem Stand die tolle Suspension nachmachen, die Du auf der Boundcon gesehen hast. Für den Anfang reicht es, wenn Du Dich nicht in Deinen Seilen verhedderst und die Fesseln nicht herunterfallen, sobald Dein Opfer sich bewegt. Der Rest kommt mit der Erfahrung, ebenso wie die anfängliche Nervosität nachlässt.

Beginne mit den Grundlagen. Lerne Knoten, die zuverlässig halten, aber auch wieder aufgehen, wenn sie es sollen. Übe die richtige Seilführung; wenn Du keinen willigen Partner hast, dann an Dir selbst oder an Gegenständen. Lerne, wie locker „fest“ und wie fest „locker“ sein muss, um zu funktionieren, ohne Schaden anzurichten. Steigere Dich dabei, aber langsam: Masse ist nicht Klasse – besser ein kompaktes Repertoire, das Du beherrschst, als ein unübersehbares Sammelsurium halbverdauten Wissens. Versuche nichts zu erzwingen, übe, solange es Dir Spaß macht, und sorge mit Abwechslung dafür, dass es Spaß bleibt. Setz Dir dafür ein Ziel, das Dich motiviert. Aber übe regelmäßig, damit Du von dieser Übung profitierst. Du bist es Deinem Partner bzw. Deiner Partnerin schuldig.

Auch wenn öffentliche Bondage-Vorführungen bisweilen diesen Eindruck hervorrufen, geht es beim Fesseln nicht darum, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Natürlich willst Du Dein Gegenüber nicht warten lassen oder gar langweilen. Aber der Weg dorthin führt nicht über hektisches Hudeln. Stattdessen gilt die Maxime Slow is smooth, smooth is fast. Eine Aktion, die bedacht und flüssig ausgeführt wird, ist in der Regel schneller als eine, die unüberlegt und mit Zeitersparnis im Blick ausgeführt wird. Ein häufig und überlegt trainierter Bewegungsablauf, sei es ein Knoten oder das Anlegen eines Shinjus, verankert sich im Muskelgedächtnis. Du musst nicht mehr nachdenken, wie Du das Seil führen musst, Deine Finger wissen es schon. Und weil Du nicht mehr darüber nachdenken musst, geht Dir die Aktion schnell und sicher von der Hand.

Zuweilen nimmt das Muskelgedächtnis das Heft auch dann in die Hand, wenn es das gar nicht soll: Beim ersten Bondage-Workshop, den ich gehalten habe, wollte ich als abschreckendes Beispiel einen für Bondagezwecke ungeeigneten, da unsicheren Altweiberknoten vorführen. Erst im dritten Anlauf habe ich den Teilnehmern keinen Kreuzknoten gezeigt.

Dienstag, 17. Juli 2007

Blick zurück

Heute abend läuft im Fernsehen Michael Ciminos Debütfilm Thunderbolt and Lightfoot (dt. Die Letzten beißen die Hunde). Ein sehr lässiger Gangsterfilm mit Clint Eastwood und Jeff Bridges von 1974, der so schon des Ansehens wert ist. Außerdem gibt es in ihm eine sehr schöne Bondageszene, die in einem Artikel auf Bondagerotica als „First nude bondage scene with the Full Treatment (gagged and bound)“ in einem Mainstream-Film gelobt wird.

Und ich denke an Kinder- und Jugendtage zurück, wo solche Szenen, irgendwelche Fesselszenen, am besten natürlich aus der DiD-Ecke, schon etwas ganz Besonderes waren, für das sich selbst der schundigste Film, die unsäglichste Fernsehserie anzusehen lohnte. Für die paar Sekunden, in denen sich die Heldin in Seilen wand, egal wie schlecht gespielt es war, egal wie unglaubhaft lose die Fesseln waren, egal wie wenig tatsächlich zu sehen war. Ganz und gar egal – da war eine bestimmte Situation, eine bestimmte Optik, und es fühlte sich gut an. Damals schon.

Sonntag, 15. Juli 2007

Statt Ventilator

Eine kühle Brise wäre bei den aktuell herrschenden Temperaturen sehr von Vorteil. Die lässt sich natürlich ganz schnöde mit einem elektrischen Miefquirl erzeugen. Erheblich ästhetischer wären freilich ein paar Jungfern, die mir mit Palmwedeln o.ä. dezent Luft zufächeln. Es müssen ja nicht Leia-Klone im Metallbikini sein. Aber ein wenig offenherzigere Kleidung im Hollywood-Haremsstil darf schon sein. Ketten sind optional.

Freitag, 13. Juli 2007

Ropemarks

Seile zieren einen Körper nicht nur in angelegtem Zustand. Wenn sie fallen, erinnern die Spuren, die sie hinterlassen, an ihre Umarmung. Ropemarks zeichnen die Windungen um Gelenke und andere Körperpartien nach, halten die Bondage im Gedächtnis, die einen gerade freigegeben hat. Nicht schmerzhaft, nicht in Form von Abschürfungen, wunden Stellen und blauen Flecken. Einfach als temporäres Negativ der Seilwicklungen, je nach Intensität ein Nachglühen für ein paar Minuten oder Stunden. Und jeder Blick darauf lässt die Fesselung und die damit verbundenen Gefühle wieder lebendig werden, egal, ob der Betrachter die Seile getragen oder angelegt hat. Gefällt mir. Und so sehr ich ansonsten geflochtene Seile als Fesselmaterial schätze: Geschlagene Seile machen einfach die schöneren Ropemarks.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Wie es Euch gefällt

Nette Idee, schön umgesetzt, und man sieht mal wieder ein paar Klassiker: The Bishop Bondage Test – in vier Fragen zur persönlichen Idealposition, demonstriert von Robert Bishops Schönheiten..

Update 01.11.2008: Die Bilder für den Bondage-Test werden nicht mehr angezeigt, da der Macher den bezahlten Livejournal-Account, auf dem sie gehostet waren, hat auslaufen lassen. Er hat schon vor längerer Zeit eine Neuauflage an anderer Stelle angekündigt. Bisher scheint er jedoch noch nicht dazu gekommen zu sein.

Stellt Euch vor

Eine schöne Frau, die sich wollüstig auf dem Bett räkelt. Und nun stattdessen eine schöne Frau, die mit Händen und Füßen an die Bettpfosten gebunden ist und mit verbundenen Augen wollüstig darauf wartet, was auf sie zukommt.

Stellt Euch die Situation vor. In allen Einzelheiten. Spürt hin, egal von welcher Seite.

So, und jetzt nennt mich pervers... *veg*

Dienstag, 10. Juli 2007

Pretty tied up at the moment

Leider nicht im angenehmen Sinn. Nur die liebe Arbeit.

Sonntag, 8. Juli 2007

Das fehlt noch

Auch mit mehreren hundert Metern Seil in der Vorratskiste fehlt natürlich immer noch etwas. In meinem Fall ein ganz spezifisches Seil, für das ich bisher keine Bezugsquelle gefunden habe. Die Eckdaten sind alles andere als ungewöhnlich – geflochtenes PP-Seil, 6 mm dick, im Grunde handelsübliche Baumarktware. Entscheidend ist allerdings die Farbe. Das Seil soll mindestens von tiefem Lila, idealerweise jedoch brombeerfarben sein. Genau dieses Seil habe ich bisher nur einmal in einem Baumarkt gesehen und in einem Anflug geistiger Umnachtung nicht sofort zugegriffen. Beim nächsten Besuch war es natürlich ausverkauft und seitdem nicht mehr im Sortiment.

Samstag, 7. Juli 2007

Der Einzig Wahre BDSM™

Wer sich in der BDSM-Szene bewegt, trifft über kurz oder lang auf eine ganz besondere Spezies – die Verfechter des Einzig Wahren BDSM™. Ihre Vertreter sind in der Regel Männer, oder genauer: Herren. Sie wissen ganz genau, wie der Hase läuft und sagen einem gerne, wo es lang geht.

Die Harmloseren unter ihnen sind noch die altgedienten Doms. Die haben ihren Weg zu BDSM längst gefunden und sind glücklich damit. Nervig ist nur ihre Grundhaltung nachgewachsenen Gleichgesinnten gegenüber: „Ich mache jetzt schon zwanzig Jahre SM, und jetzt zeige ich Euch mal, wie man das richtig macht.“ Hier gibt es durchaus Dogmatiker, die keine Abweichung von ihrer Meinung dulden. Andersdenkende sind dann halt Weicheier, keine echten SMer oder gefährliche Irre, die unverantwortliche Risiken eingehen, je nach persönlichen Vorlieben.

Die zweite, vor allem für Einsteiger deutlich gefährlichere Gruppe besteht aus Möchtegern-Doms, Personen mit geringer Bodenhaftung und hin und wieder auch echten Psychopathen. Sie reden ihrem Gegenüber ein, dass ihre Art des Spiels die einzig richtige ist. Über Grenzen und Bedürfnisse gehen sie mit „Das gehört sich so“ hinweg. Da gibt es welche, für die sind „Die Geschichte der O“ oder John Normans „Gor“-Romane die Bibel, nach der BDSM stattzufinden hat. Oder es sind Doms, die mangels Erfahrung selbst am Rudern sind und sich aus den im Internet im Brustton der Überzeugung verbreiteten Klischees ein Regelwerk zu ihrer eigenen Beruhigung gebastelt haben. Dabei wissen sie weder, was sie tun, noch was sie anderen und auch sich selbst antun können.

Ihr, die Ihr mit Gedanken an Bondage und BDSM spielt: Lasst Euch nichts einreden. Es gibt kein „richtiges“ und „falsches“ BDSM. Jenseits grundlegender Sicherheitsregeln ist alles offen und Verhandlungssache. Um miteinander Spaß zu haben, muss man sich aufeinander einlassen, die gegenseitigen Vorlieben und Abneigungen entdecken und nicht irgendwelche Kochrezepte abarbeiten. Jeder spielt auf seine Weise – everyone's got his own kink.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Plüschhandschellen und Blümchenschlüssel

In jedem Sexshop gehören sie zum Standardsortiment, sie werden als Gag an Geburtstagen und Abschlusspartys verschenkt, und auch im Internet kommt man kaum an ihnen vorbei: Handschellen mit Plüsch- oder Kunstfellüberzug sind für viele die erste Begegnung mit Bondage – und zuweilen auch die letzte. Reden erfahrene BDSMer von Lustschmerz, meinen sie normalerweise etwas anderes als die Folgen, die einem beim unbedachten Einsatz dieser Teile drohen.

So neckisch die „Love Cuffs“ im Laden aussehen mögen, so riskant sind sie im Schlafzimmer. Letzteres haben sie mit jenen Handschellen gemeinsam, die bei ebay & Co. allenthalben mit Attributen wie „Behördenqualität“ und „Polizeihandschellen“ oder unter Fantasienamen wie „Texas“ angeboten werden. Keine Polizei der Welt würde diesen Blechschrott verwenden, der selbst geschenkt noch zu teuer ist. Angesichts der Verarbeitungsqualität ist selbst der hin und wieder zu findende Schnäppchenpreis von 2,99 dreist. Aber solche Handfesseln werden durchaus öfter für flockige 15 Euro und mehr angeboten. Es existiert sogar eine mit Strasssteinen besetzte Variante, die noch teurer, qualitativ aber genauso schlecht ist.

Die Fesseln mit dem charakteristischen Blümchenschlüssel bieten zahlreiche Gelegenheiten, die ersten Ausflüge ins Bondage-Wunderland zu einem aus den falschen Gründen unvergesslichen Erlebnis zu machen. Die Armreifen sind schmal und kantig. Zuweilen sind nicht einmal die Kanten gebrochen, sondern die Blechteile so wie sie aus der Stanze kommen grob verchromt. Ein bisschen Herumzerren wird da schnell mit blutigen Handgelenken belohnt. Außerdem haben die Blechschellen im Normalfall keinen vernünftigen Double Lock. Stattdessen soll ein dünnes Hebelchen ein unbeabsichtigtes Engerstellen verhindern. Leider verrutscht der Hebel gerne im unpassendsten Moment. Wer sich dann etwa auf die hinten angelegten Handschellen legt, riskiert Quetschungen und unter Umständen sogar Nervenschäden.

Die Zuhaltungen selbst halten manchmal nicht und gehen auf oder zu, wenn sie nicht sollen. Schlackriges Schloss und Schlüssel aus Druckguss sind eine Kombination, die geradezu nach Murphy schreit: Besonders wenn es schnell gehen soll oder muss, bricht der Schlüssel ab und blockiert den Armreif. Dann tritt zum Risiko von Quetschungen etc. noch eine weitere Verletzungsgefahr hinzu, falls zum Öffnen Werkzeug nötig ist. Und muss der Fachmann ran, kommt auch ein gewisser Peinlichkeitsfaktor ins Spiel, egal ob Feuerwehr, Polizei oder Schlüsseldienst zur Rettung antreten. Eine weitere Gefahrenquelle sind die üblicherweise nicht verschweißten Kettenglieder, die sich unter Zug aufbiegen können. Pech, wenn man sich gerade dranhängt und dann schwungvoll in die Landschaft karriolt – oder dem/der Liebsten mit der unerwartet befreiten Hand samt improvisiertem Schlagring unabsichtlich eine vor den Latz ballert.

Alle, die sich eisenhaltige Abführmittel als Spielgerät zulegen wollen, sollten die Finger von diesen Teilen lassen und lieber 25-35 Euro in Qualität investieren. Zu diesem Preis gibt es bereits solide Marken-Handschellen, die langfristig mehr Spaß machen. Und statt mit deftigem Perversenzuschlag im Sexshop kauft man lieber im Waffengeschäft oder beim Spezialisten.

Montag, 2. Juli 2007

Bondage, Fesselspiele, whatever

Das ist jedenfalls, worum es hier geht: Die Kunst, jemanden bewegungsunfähig zu machen, auf dass alle Beteiligten ihren Spaß haben. Sex? Erotik? Aber ja doch. Bei Bondage geht es ums Fesseln zum Lustgewinn. Das Spiel mit den Seilen kann dabei Mittel zum Zweck sein oder alleiniges Ziel. Mein Thema in diesem Blog ist das Wie und das Warum.

Einerseits gehört Fesseln zu den häufigsten sexuellen Phantasien überhaupt. Andererseits stehen Fesselspiele wie andere BDSM-Praktiken im Verdacht, Ausdruck von Gewalt und Unterdrückung zu sein. Ich will hier auf die Unterschiede zwischen So-tun-als-ob und echter Gewalt eingehen, zwischen unfreiwilliger Unterwerfung und bewusstem Sich-Ausliefern.

Bondage ist Loslassen und Aufbegehren, Fliegen und Geborgenheit, Nervenkitzel und Erfüllung. Und, was viele nicht bedenken, die das Ganze „mal so“ ausprobieren wollen: Bondage ist nicht ganz ungefährlich, will gelernt und geübt sein. Ich hoffe, hier mit dem einen oder anderen Tipp behilflich sein zu können.